Bub bei Unfall getötet: Haft für Lenker

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Der 23-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten.
Der 23-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten. - © VOGL-Perspektive.at
Ein tragischer Verkehrsunfall ereignete sich am 5. Juli 2017 in St. Koloman (Tennengau). Ein zehnjähriger Radfahrer wurde von einem Pkw erfasst und tödlich verletzt. Der 23-jährige Autofahrer wurde am Dienstag bei einem Prozess in Salzburg wegen grob fahrlässiger Tötung zu neun Monaten teilbedingter Haft, davon drei Monate unbedingt, verurteilt.

Strafrichterin Martina Pfarrkirchner stellte bei der Verhandlung am Landesgericht Salzburg wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage einen “erheblichen Aufmerksamkeitsfehler” des Autofahrers fest. Sie verwies in ihrer Urteilsbegründung auf das Kfz-technische Gutachten des gerichtlich beeideten Verkehrsunfallsachverständigen Gerhard Kronreif.

Autofahrer hatte freie Sicht

Demnach sei die Sicht des Autofahrers zum Unfallzeitpunkt um 17.40 Uhr frei gewesen. Der Mountainbiker, der sehr weit rechts geradelt sei – “der Hinterreifen war nur 0,6 Meter vom Fahrbahnrand entfernt” – wäre für den Pkw-Lenker über eine Wegstrecke von rund 90 Metern und in einem Zeitrahmen von 3,4 bis 3,8 Sekunden erkennbar gewesen.

“Es ist ein äußerst auffälliger Sorgfaltsverstoß, wenn man in dieser Zeit nicht darauf achtet, was im Straßenverkehr passiert”, verwies die Richterin auf das Gutachten. Der Autofahrer hätte auch noch 1,5 Sekunden vor dem Unfall eine Reaktion setzen und damit die Kollision verhindern können.

Kein Bremsen, kein Ausweichversuch

Der Sachverständige erläuterte, der Pkw-Lenker habe weder gebremst noch ansatzweise eine Ausweichbewegung gesetzt. Bei einer Geschwindigkeit des Wagens zum Unfallzeitpunkt von 85 bis 95 km/h – der Lenker war damit nicht zu schnell unterwegs – wäre für ein sicheres Überholmanöver ein Seitenabstand zum Radfahrer von 1,85 bis 1,95 Meter erforderlich gewesen. In diesen Angaben seien schon mögliche Schwankbewegungen eines Fahrrades kompensiert. Außerdem würden die Aussagen des Beschuldigten, der Bub sei in Richtung Fahrbahnmitte geschwenkt, aus technischer Sicht aufgrund der Reifenblockierspur des Fahrrades nicht stimmen.

Angeklagter: “Tut mir von Herzen leid, was passiert ist”

Der bisher unbescholtene Angeklagte erklärte sichtlich betroffen, “es tut mir von Herzen leid, was passiert ist”. Er sei damals auf der Landesstraße in Taugl kurz vor dem Unfall noch von einem BMW-Fahrer überholt worden. Plötzlich sei “wie aus dem Nichts” der Radfahrer vor ihm gewesen, dieser sei plötzlich in Richtung Fahrbahnmitte gefahren. “Ich habe noch versucht, das Lenkrad zu verreißen, doch es war schon zu spät”, sagte der Tennengauer.

Verteidiger: “Er leidet sehr darunter”

Verteidiger Franz Essl konnte keine grobe Fahrlässigkeit erkennen. Sein Mandant bekenne sich der fahrlässigen Tötung für schuldig, sagte er. Der 23-Jährige sei weder betrunken gewesen – der Alkoholtest ergab 0,0 Promille – noch habe er mit einem Handy telefoniert oder sei sonst irgendwie abgelenkt gewesen. Er habe nach dem Unfall auch Erste Hilfe geleistet. “Er quält sich heute noch mit der Frage, ‘was habe ich falsch gemacht’. Er leidet sehr darunter und wird psychologisch betreut.”

Anzeige gegen zwei Polizisten

Der Verteidiger meldete Berufung wegen Nichtigkeit, Schuld und Strafe und wegen des zugesprochenen Teilschmerzensgeldes für die hinterbliebenen Eltern und drei Geschwister des Unfallopfers in Höhe von jeweils 5.000 Euro an. Opferanwalt Kurt Jelinek hatte den Betrag gefordert. Der Rechtsanwalt erklärte, dass er eine Anzeige wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs gegen zwei erhebende Polizisten erstattet habe. Einer der beiden Beamten sei der Nachbar des Angeklagten und deshalb befangen gewesen. Zudem sei es unverständlich, weshalb nach der Kollision kein Übersichtsfoto gemacht wurde, keine Spurensicherung erfolgte und im Pressebericht der Polizei die Angaben des Unfalllenkers als Tatsache hingestellt wurden.

Staatsanwältin Sandra Wimmer gab zu dem Urteil keine Erklärung ab. Der Strafrahmen in dieser Causa beträgt bis zu drei Jahren Haft. Die Richterin meinte, für den unbedingten Strafanteil seien die Voraussetzungen für eine Fußfessel für den Angeklagten gegeben. Dem Tennengauer wurde bereits einmal der Führerschein entzogen, und zwar von Anfang Juli bis Ende Oktober 2015 wegen Alkohols am Steuer.

(APA)

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