Nach OP-Tod von Bürgermeister – Prozess vertagt

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Im Prozess um den Tod des Neuberger (Bezirk Güssing) Bürgermeisters, Daniel Neubauer (ÖVP) nach einer Operation ist es am Dienstag im Landesgericht Eisenstadt zu keinem Urteil gekommen. Das Verfahren gegen den angeklagten Chirurgen wurde auf unbestimmte Zeit vertagt, da Richterin Doris Halper-Praunias ein weiteres Gutachten einholen will.

Im Mittelpunkt des Prozesses standen die Fragen, ob die falsche Operationsmethode gewählt und ob der Eingriff zu spät vorgenommen wurde. Bei dem 49-jährigen Patienten war es nach einer Blinddarmoperation zu Nachblutungen gekommen, woraufhin ein zweiter Eingriff durchgeführt wurde, bei dem es zum Herzstillstand kam. Der Burgenländer wurde reanimiert, starb aber nach seiner Verlegung ins Landesklinikum Graz.

Im Laufe des Prozesses zeigte sich, dass vor allem die Zeitverzögerung ausschlaggebend für die Komplikationen bei der Operation gewesen sein könnte. Der Abteilungsleiter für Chirurgie und gleichzeitig ärztliche Direktor sagte vor Gericht, dass es eine “90-prozentige” Überlebenschance gegeben hätte, wenn eine Stunde früher reagiert worden wäre. “Der Ernst der Lage ist nicht erkannt worden”, meinte der Primar. “Bei allen Beteiligten hätten die Alarmglocken läuten müssen.”

Auch der Sachverständige Walter Schauer schloss sich am Ende dieser Meinung an. Dass zuerst die minimal-invasive Operationsmethode gewählt wurde, stelle keinen Fehler mehr da. Vielmehr seien die falsche Einschätzung des Kreislaufzustandes sowie die Zeitverzögerung ausschlaggebend gewesen. “Eine Stunde früher zu operieren hätte gereicht, um ihn zu retten”, attestierte Schauer.

Für den Angeklagten war der Kreislaufzustand des Patienten anfangs nicht weiter auffällig. Der Patient sei noch ansprechbar gewesen. Daher habe man weitere Untersuchungen gemacht. Auch auf einen zweiten als Zeugen geladenen Arzt hatte der Mann “soweit stabil und ansprechbar” gewirkt. Der Anästhesist sagte aus, er habe eine Nachblutung vermutet und dies mehrmals geäußert. Als Anzeichen habe er einen niedrigen Blutdruck und Kaltschweiß festgestellt.

Der Sachverständige sieht hier vor allem beim Chirurgen die Verantwortung, dies zu erkennen und den Patienten schnell in den OP-Saal zu bringen. “Als Chirurg muss man sich schnell ein Bild machen können.” Schauer schätzt, dass der Burgenländer spätestens etwa 35 Minuten nach Eintreffen des Chirurgen in der Intensivstation hätte operiert werden können – und dieser dann noch eine “realistische Chance” gehabt hätte. Zur Operation sei es aber erst nach einer Stunde und etwa zehn Minuten gekommen, das sei zu lange.

Der Kreislaufzustand sei lange Zeit unterschätzt worden. Erklärbar ist das für Schauer nur durch “Kompensationsmechanismen” des Körpers des Patienten. Der 49-Jährige sei “jung und körperlich fit” gewesen. Dennoch habe es “dringende Indikatoren” gegeben. Richterin Halper-Praunias entschloss sich schließlich den Prozess zu vertagen, um ein zusätzliches Gutachten eines Anästhesisten einzuholen.

(APA)

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