Cannabis als Medizin: ÖHV verlangt Entkriminalisierung

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Die größte Gruppe der Cannabis-Patienten in England sind 50 Jahre oder älter.
Die größte Gruppe der Cannabis-Patienten in England sind 50 Jahre oder älter. - © epa
„Cannabis als Heilmittel”, was in Österreich kriminalisiert wird, ist in 19 US-Bundesstaaten bereits seit 18 Jahren Usus. Für rund 250 Krankheiten gilt Cannabis als höchst wirksames Medikament. Der Österreichische Hanfverband (ÖHV) kämpft vehement gegen die Kriminalisierung von Cannabis, die Diskussion um die Legalisierung flammt neu auf.




„Cannabis ist die ungiftigste Pflanze und das ungiftigste Medikament überhaupt”, so Toni Straka vom ÖHV im Interview mit S24.at. Der Österreichische Hanfverband wurde im März 2013 gegründet und versteht sich selbst als „Lobby-Organisation für die älteste Kulturpflanze der Welt”. Ein besonderes Augenmerk legt der ÖHV auf die heilende Wirkung von Cannabis, die bei rund 250 Krankheiten, darunter Krebs, HIV oder Depressionen, nachgewiesen wurde (siehe Liste der Krankheiten anbei). Daneben ist die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis durch die Substanz CBD, etwa bei Migräne oder prämenstruellen Syndromen nachgewiesen, informiert die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (CAM) auf ihrer Homepage.

Cannabis als Medizin in Österreich verboten

In Österreich darf Cannabis nicht als Medizin eingesetzt werden, da es dem Suchtmittelgesetz unterliegt. Demnach muss jeder, der Cannabis erwirbt, besitzt oder erzeugt mit einer Strafe rechnen. Nicht strafbar ist in Österreich – zumindest theoretisch – der Konsum von Cannabis; in der Praxis wird aber auch der Cannabis-Konsum kriminalisiert, weil der ja mit dem Besitz einhergeht.

Angepasste Drogenpolitik gefordert

Der ÖHV fordert eine dem aktuellen wissenschaftlichen Stand angepasste Drogenpolitik in Österreich, die Entkriminalisierung von Cannabis, wodurch ein „wirksamer Beitrag zur Gesundheit von hunderttausenden österreichischen Schmerz- und Krebspatienten” geleistet werden könne. Freilich hält sich nicht nur die Politik in der umstrittenen Frage um die Legalisierung von Cannabis dezent zurück, auch die Pharmaindustrie dürfte in dem Punkt ein Wörtchen mitzureden haben.

“Alkohol gefährlicher als Cannabis”

Auch beim Vergleich von Cannabis mit der Volksdroge Nummer eins Alkohol fühlt sich Straka bestätigt: „Cannabis ist eine friedlich machende Droge. Während Alkohol stärker euphorisierend ist und aggressiv machen kann – oder hätten Sie schon mal gehört, dass ein Bekiffter auf jemanden los gegangen ist und attackiert hat?”, so Straka im Gespräch mit S24.at. Gerade im gesellschaftlichen Denken gäbe es hier Aufholbedarf.

Ein Drittel aller Jungendlichen mit Hanf in Kontakt

Genaue Zahlen, wie viele Menschen in Österreich regelmäßig Cannabis konsumieren oder Cannabis als Medizin einsetzen, gibt es nicht. Schätzungsweise haben etwa ein Drittel aller Jugendlichen mit Hanfprodukten experimentiert, informiert Eckhart Falkensteiner von der Drogenberatungsstelle Salzburg auf Anfrage von S24.at. Cannabis als Medizin zu konsumieren sieht der Experte differenziert: „Grundsätzlich spricht nichts dagegen, solange das unter ärztlicher Begleitung und strikter Überprüfung passiert”, sagt Falkensteiner. Dann sei aber auch nicht die Verabreichung von Cannabis über einen Joint, sondern in Form einer Pille empfehlenswerter. Der Suchtexperte weist gleichzeitig darauf hin, dass zwischen fünf und zehn Prozent aller Cannabis-Konsumenten (etwa gleicher Prozentsatz wie beim Alkohol) Missbrauch betreiben. Ein Missbrauch sei dann erkennbar, wenn die Droge eine Funktion im Leben des Konsumenten bekommt, man nicht auf die Folgen achtet, sich in riskante Situationen (etwa Autofahren unter Drogeneinfluss) bringt oder das Betäubungsmittel einsetzt wird, um von Problemen zu flüchten.

Soll Cannabis als Medizin legalisiert werden?

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