Bloggerin Carolina Hubelnig im Sonntags-Talk: “Der Blog schläft nie”

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Die 28-Jährige bloggt seit nunmehr drei Jahren unter dem Pseudonym "Gute Güte".
Die 28-Jährige bloggt seit nunmehr drei Jahren unter dem Pseudonym "Gute Güte". - © SALZBURG24/Hubelnig
Aus der Salzburger Bloggerszene ist ein Name nicht mehr wegzudenken. Carolina Hubelnig flaniert – wie sie so schön schreibt – seit drei Jahren mit ihrem Blog “Ach du gute Güte” durchs Web. Damit ist sie hierzulande aber bei Weitem nicht alleine. Mittlerweile tummeln sich bereits über 200 Salzburger Blogger im Netz. Beim Sonntags-Talk hat uns die “Gute Güte” einen kleinen Einblick ins Bloggerleben verschafft.




Die 28-Jährige ist vor allem für ihre Salzburg-Touren, bei der sie angefangen von der “Tour de Würstelstand” bis zur “Tour de gemütliche Beisln” Salzburgs kulinarische Köstlichkeiten unter die Lupe nimmt, bekannt. Seit zwei Jahren organisiert Hubelnig mit “Salt and the City” auch eines der größten Bloggerevents Österreichs.

SALZBURG24: Seit wann gibt es deinen Blog “Ach du gute Güte”? Wie kam es dazu?

CAROLINA HUBELNIG: Der Blog ist vor gut drei Jahren aus einer Laune heraus entstanden. Eigentlich war es als Interior-Blog gedacht, weil ich da gerade umgezogen bin. Ich hab’ immer schon gerne solche Blogs gelesen und hab’ mir gedacht, meine aktuelle Situation könnte ich da prima als Spielwiese nutzen. Nachdem ich nach vier, fünf Artikeln meinen ersten Salzburg-Beitrag online gestellt hab’, kam dieser plötzlich viel besser an, als die anderen zuvor. Jetzt mache ich eigentlich Lifestyle-Inhalte quer durch die Bank. Alles aber mit großem Salzburg-Einschlag.

Heute sehe ich die “Gute Güte” vor allem als großen Türöffner und als Bereicherung meines Privatlebens. Ich komme dadurch an Orte, an die ich sonst nicht kommen würde. Treffe Leute, die ich sonst nicht treffen würde. Werde zu Events eingeladen, zu denen ich sonst keinen Zutritt hätte.

Mittlerweile hast du damit knapp 5.000 Likes auf Facebook und über 4.000 Follower auf Instagram gesammelt. Deinen Blog lesen pro Monat etwa 15.000 bis 20.000 Personen. Lässt sich denn damit auch etwas verdienen?

Mein aktueller Verdienst aus dem Blog spielt sich eher im Bereich “besseres Taschengeld” ab. Mit der Leidenschaft dafür rechnet sich das aber auf jeden Fall.

Könntest du “nur” von deinem Blog leben? Wäre das für dich vorstellbar?

In Österreich ist es vermutlich möglich, davon zu leben, aber mir persönlich ist es sehr wichtig, meinen Blog nicht mit Werbung zu überfrachten. Ich möchte meine Leser nicht täglich mit entgeltlichen Kooperationen konfrontieren. Das ist nicht der Grund, warum ich blogge. Deshalb glaube ich auch nicht, dass ich jemals von meinem Blog leben könnte. Ich lehne sehr viele Kooperationsangebote ab, gehe nicht auf Akquise, sondern wähle aus meinen Anfragen eine Handvoll aus. Den Rest lehne ich ab, weil ich ein gewisses Maß an Kommerzialisierung nicht überschreiten will.

Die Mischung aus meinem “normalen”Job und dem Blog ist so, wie sie derzeit ist, für mich eigentlich ideal.

Weil du es eben angesprochen hast, du bist ja nicht nur Bloggerin, sondern hast Kunstgeschichte studiert, bist ausgebildete Museumspädagogin und arbeitest auch in einer Online-Marketingagentur. Wie passt das alles zusammen?

Ich bin im Prinzip seit meinen Teenagertagen im Internet ziemlich engagiert, hab mit Zwölf oder 13 die erste Webseite gebaut. Dort auch eine Community gestartet, die sehr erfolgreich war. Ich hab dann angefangen zu studieren, relativ kurzentschlossen Kunstgeschichte und Museumspädagogik. Anschließend auch noch Kommunikationswissenschaft und Betriebswirtschaft. Ich hab‘ auf gut Deutsch eine bunte Mischung aus allem Möglichen studiert. Und bin dann mehr oder weniger in die Werbeszene hineingerutscht. Seit mittlerweile drei Jahren bin ich nun in einer Digitalagentur im Kommunikations- und Social-Media-Bereich tätig. Also irgendwie ist das schon eine runde Sache.

Wie kann man sich deinen Alltag vorstellen? Vor allem, wie bringst du das alles unter einen Hut?

Ich bin vier Tage die Woche, von Montag bis Donnerstag, in der Agentur. Der fünfte Arbeitstag, also der Freitag, ist für den Blog reserviert. Viel passiert aber auch an den Wochenenden. Die Auslastung ist da schon relativ gut. Mein Arbeitstag geht oft bis nach Mitternacht, denn besonders der Blog schläft nie. Ich versuche immer, zwei bis vier Artikel pro Woche online zustellen. Meine Social-Media-Kanäle werden durchgehend betreut, die gehen aber eigentlich nebenbei. Wenn ich mal Urlaub machen möchte, dann bereite ich ein paar Beiträge vor, die ich dann bei Bedarf rasch veröffentlichen kann. So wirklich Urlaub hab’ ich aber eigentlich nie.

Auch bei meiner letzten Reise nach Prag, hab’ ich meine Follower via Instagram teilhaben lassen. Und hab’ beispielsweise den Blogbeitrag “What’s in my bag – Citytrip Edition” damit verbunden.

Nachdem ich das alles sehr gern und mit Leidenschaft mache, passt das so sehr gut.

Wie siehst du persönlich das Konzept „Multijobbing“? Du bist ja quasi ein Paradebeispiel dafür.

Die Arbeitswelt wird in den kommenden Jahren in vielerlei Hinsicht flexibler werden, einerseits in Bezug auf die Arbeitszeitmodelle, andererseits aber auch auf die räumlichen Bedingungen. Den 8-to-5-Job im Büro wird es so in vielen Branchen nicht weiter geben. Flexibilität ist das Stichwort. Multijobbing hat definitiv Zukunft, gerade im Bereich Wissensarbeit. Ich merke auch, dass im Moment meine Expertise diesbezüglich sehr gefragt ist. Also wenn ich wollte, hätte ich derzeit nicht zwei, sondern acht Jobs.

Zurück zum Bloggen: Wie siehst du als Insiderin die Bloggerszene in Salzburg? Wie viele größere Blogs gibt es bei uns?

Momentan ist es sehr spannend zu sehen, wie sich die heimische Bloggerszene entwickelt. Es ist gerade ein extremer Professionalisierungsschub zu spüren. Da muss man schon schauen, wo man bleibt. Gerade was Fotoqualität, Themen und Frequenz betrifft. Wichtig ist es auch, ein bisschen herauszustechen. Ich versuche das zum Beispiel mit meinen “Fäschn”-Beiträgen. Sowas gibt’s sonst nicht wirklich.

In Salzburg gibt’s aber eine sehr gute, wertschätzende Community. Da herrscht eine sehr familiäre Stimmung für die doch recht beachtliche Größe. Via Facebook haben wir mittlerweile einen Bloggerstammtisch ins Leben gerufen. Dort sind wir schon über 200 Leute. Auch persönlich schätze ich die Szene sehr. Für mich haben sich daraus schon viele, auch private, Freundschaften entwickelt.

Aus welcher Sparte kommen die meisten Blogs in Salzburg?

In Salzburg ist die Szene sehr “foodlastig”, aber in der letzten Zeit gingen auch wieder einige Fashionblogs an den Start. Da sind schon ein paar sehr gute ganz plötzlich aus dem Boden geschossen. Da fragt man sich schon, woher die auf einmal kommen.

Und, wie kommt’s zu den meisten Blogs?

Eindeutig Instagram. Viele haben sich dort bereits eine breitere Followerbase aufgebaut und machen dann daraus einen Blog.

Welche Blogs liest du selbst regelmäßig? – außer dem eigenen natürlich ;-)

Mein “blogging best friend” in Salzburg ist die Sonja Winkler von “Ginger in the basement“. Mit ihr bin ich auch sehr viel privat unterwegs, wir haben aber auch gemeinsame Blog-Projekte, gerade was faire Mode oder “Salt and the City” betrifft. Ich lese auch sehr gern am Backblog “Moments in a jelly jar” von Cornelia Maier. Österreichweit mag ich zum Beispiel “Vienna Wedekind“, ein Fashionblog mit sehr reduzierter, schlichter Mode. An internationalen Blogs lese ich “A beautiful mess” recht gern. Da geht es sehr stark um Handgemachtes, ein bisschen Mode und Fotografie. Einfach ein bunter, hübscher Blog.

 

Wir sagen schon mal “Danke!” für den Einblick in deinen spannenden Arbeitsalltag und möchten noch ein bisschen was von dir persönlich wissen:

Wenn du eine Sache an Salzburg ändern könntest/müsstest, was wäre das?

Ich würde mir für Salzburg günstigere Gewerbemieten wünschen, damit sich eine lebendigere Lokal- und Geschäftsszene entwickelt. Ich komme gerade aus Prag zurück, bin aber auch viel in Linz und Wien unterwegs und in diesen Städten tut sich einfach viel mehr, wenn es um Concept Stores, junge Designer und Gastronomen geht. Diese hippen, jungen Sachen vermisse ich in Salzburg, gerade in der Innenstadt, schon ein bisschen. Konzepte wie die Panzerhalle in Maxglan oder der Coworking Space im Schweiger Deli in Itzling sind hier schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Dein absoluter Lieblingsplatz in Salzburg:

Die Stadtberge. Da pack‘ ich meinen Freund ein und wir spazieren beispielsweise auf den Mönchsberg und genießen dann dort einen Kaffee. Generell setzte ich mich gerne in Kaffeehäuser zum “Leute schauen”. Das geht besonders gut in der Kaffee-Alchemie, dort hat man durch die Glasfront einen wunderbaren Blick auf die Salzach.

Und zum Abschluss noch ein flottes Entweder-Oder:

Buch oder E-Book?Junk-Food-Literatur” zum einfach Herlesen am E-Book, wirklich gute Bücher kaufe ich mir aber.

Berge oder Strand? Weder noch. Ich liege einfach nicht gerne am Strand und geh‘ auch nicht gern wandern.

Bier oder Wein? Bier

Bar oder mit Karte zahlen? Mit Karte

Halb leer oder halb voll? Halb voll

Aufzug oder Treppe? Treppe

Frühaufsteher oder Langschläfer? Langschläfer

Spontan oder durchgeplant? Spontan. Ich muss mir gerade in meinem Alltag einfach ein bisschen was an Flexibilität und Spontanität bewahren, sonst klappt’s nicht.

 

Ab sofort veröffentlichen wir jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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