Chaos am Schreibtisch lässt einfacher denken

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Gehirn räumt bei Unordnung der Umgebung Gedanken auf Gehirn räumt bei Unordnung der Umgebung Gedanken auf - © SXC
Chefs sollten ihre Strategie überdenken, wenn sie von ihren Angestellten immer nur absolute Ordnung am Schreibtisch verlangen.

Denn eine chaotische Arbeitsumgebung kann dabei helfen, einfacher zu denken, berichten Forscher der Universität Groningen in der Zeitschrift “Journal of Consumer Research”. “Chaos in der Umgebung spornt dazu an, einfache Lösungen zu finden”, erklärt die Studienleiterin Jia Liu im pressetext-Interview.

Revolte des Gehirns

Die Wissenschaftler ließen Versuchspersonen an unaufgeräumten Tischen mit einer Flut mündlicher Anweisungen zurechtkommen oder schickten sie zum Einkaufen in schlecht organisierte Geschäfte. Gleich mehrfach zeigten die Probanden ein Verhalten, das Richtung Einfachheit drängte: Sie kategorisierten Produkte im Durcheinander besser, mieden in ihrer Auswahl das bunt Gemischte und waren zudem bereit, mehr Geld für ein T-Shirt mit einfach gestaltetem Aufdruck zu bezahlen.

“Die menschliche Natur sträubt sich gegen Unordnung. In kulturell unterschiedlichem Ausmaß versuchen wir stets, Organisation in unser Umfeld zu bringen”, betont Liu. Falls jedoch in einer Situation kein Aufräumen möglich ist – was etwa beim unaufgeräumten Schreibtisch des Bürokollegen zutrifft oder in einem unordentlichen Geschäft – schaltet das Gehirn auf heuristische Kompensationsstrategien und schafft dabei Ordnung auf anderer Ebene, vermutet die Psychologin.

Ordnungsliebe braucht Chaos

Unordnung sollte man laut Liu jedoch nicht selbst erzeugen, sondern besser das Zurechtkommen mit ihr einüben. Schließlich profitierten Versuchspersonen mit konservativer Einstellung, denen man ja ordnungsliebend eher nachsagt, im Experiment mehr vom Chaos-Effekt als liberal Denkende. “Unordnung macht die Arbeit nicht produktiver. Doch sie kann zur Einfachheit und zur Fokussierung verhelfen.”

Eine der Co-Autoren der Studie ist die Marketingforscherin Debra Trampe. “Die Absicht und Durchführung der Studie waren seriös. Wir wollten nicht den ig-Nobel 2012 gewinnen”, so die Expertin auf pressetext-Anfrage. Ihre Aussage kommt nicht von ungefähr: Erst im Vorjahr wurde Trampe für ihren Nachweis, dass eine volle Harnblase Testpersonen geduldiger macht und die Selbstkontrolle erhöht, mit dem Spaßpreis geehrt.

(pte Austria)



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