China und Russland warnen vor Eskalation in Nordkorea

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Nordkoreas Staatsmedien haben dieses Bild am Freitag veröffentlicht. Machthaber Kim Jong-un beobachte eine Militärübung, heißt es.
Nordkoreas Staatsmedien haben dieses Bild am Freitag veröffentlicht. Machthaber Kim Jong-un beobachte eine Militärübung, heißt es. - © STR / KCNA VIA KNS / AFP
Ein US-Medienbericht sorgt für Aufregung. Demnach planen die USA einen Präventivschlag gegen Nordkorea, das angeblich erneut einen Atomtest plant. China und Russland warnen derweil vor einer Eskalation des Konflikts. Beide Staaten fordern zur Zurückhaltung auf.

“Wir fordern ein Ende der Provokationen und Drohungen, bevor die Lage nicht mehr zu retten ist”, sagte Chinas Außenminister Wang Yi nach Gesprächen mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Marc Ayrault am Freitag in Peking.

Wang warnt vor Folgen eines Krieges

Wang warnte zugleich vor den Folgen einer direkten Konfrontation. “Wenn es einen Krieg gibt, ist das Ergebnis eine Situation, in der jeder verliert und es keinen Gewinner geben kann.” Egal welche Seite einen Konflikt provoziere, müsse diese die “historische Verantwortung dafür übernehmen und den entsprechenden Preis zahlen”. Chinas sei der Auffassung, dass “Dialog die einzige Lösung” sei.

Auch Russland ist um Beruhigung bemüht: “Moskau beobachtet die Eskalation der Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel mit großer Sorge”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag vor Journalisten. Russland rufe alle Länder zur Zurückhaltung auf und warne vor “provokativen Schritten”.

NBC-Bericht: Präventivschlag auf Nordkorea

Unter Berufung auf mehrere Mitarbeiter von US-Geheimdiensten berichtete der US-Fernsehsender NBC, dass die USA darauf vorbereitet seien, einen Präventivschlag auszuführen, sollten sie davon überzeugt sein, dass Pjöngjang einen weiteren Atomtest vornehmen wolle. Zwei US-Zerstörer mit Marschflugkörpern halten sich demnach in der Nähe der koreanischen Halbinsel auf. Einer davon sei etwa 480 Kilometer vom Atomtestgelände entfernt. Der Bericht wurde offiziell nicht bestätigt, von Beobachtern aber als “Angstmacherei” beschrieben.

Expertin Lee: “Missverständnisse größte Gefahr”

“Die größte Gefahr derzeit ist, dass es zu Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Trump und (Machthaber) Kim Jong-un kommt”, sagte die Nordkorea-Kennerin Jean Lee in Seoul. “Wenn sich eine der beiden Seiten zu sehr in die Enge getrieben sieht, dann könnte es zu einem Militärschlag kommen.” Ob US-Präsident Donald Trump für eine Militäraktion auch die Zustimmung Südkoreas einholen würde, sei schwer zu sagen, weil er “mit vielen traditionellen Regeln bricht”.

Krisenherde weltweit – Interventionen der USA

Krisenherde weltweit Ð Interventionen der USA Bei diesen Krisenherden haben sich die USA eingemischt. /Grafik: APA ©

Trump: “Nordkorea ist ein Problem”

Auf Fragen, ob der Einsatz der Riesen-Bombe in Afghanistan auch ein Zeichen an Nordkorea gewesen sei, sagte Trump laut “Defense News”: “Nordkorea ist ein Problem – das Problem wird angegangen.” Als Demonstration der Stärke wird am Wochenende ein Flottenverband mit dem Flugzeugträger “USS Carl Vinson” in den Gewässern nahe der Koreanischen Halbinsel erwartet. Am Sonntag trifft auch US-Vizepräsident Mike Pence in Südkoreas Hauptstadt Seoul ein.

Atomtest zum 105. Geburtstag von Kim Il-sung?

Beobachter befürchten, dass Pjöngjang schon bald einen sechsten Atomwaffentest unternehmen könnte – möglicherweise sogar anlässlich des 105. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il-sung am Samstag. Das US-Korea-Institut der Johns-Hopkins-Universität berichtete, Satellitenbilder zeigten anhaltende sowie neue Aktivitäten auf dem Testgelände. Für den Fall eines Militärschlages drohte Nordkorea den USA mit Vergeltung. Es werde “atomarem Donner und strafende Blitze” geben, um den Feinden “den Geschmack eines echten Krieges” zu geben.

China soll Umgang mit Nordkorea verschärfen

Die USA wollen China auch dazu bewegen, die Schrauben gegenüber seinem Nachbarn enger zu ziehen. In einer Twitter-Kurznachricht schrieb der US-Präsident: “Ich bin sehr zuversichtlich, dass China angemessen mit Nordkorea umgehen wird. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, werden die Vereinigten Staaten es mit ihren Verbündeten sein.”

China berichtete, eine wichtige Einnahmequelle des abgeschotteten kommunistischen Staates unterbunden zu haben. Seit dem 19. Februar seien keine Kohlelieferungen mehr aus dem Nachbarland angenommen worden, teilte der Zoll in Peking mit.

China will zurück an Verhandlungstisch

Chinas Außenminister rief zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Er warb für seinen Vorschlag eines zweigleisigen Vorgehens, wonach Nordkorea zunächst seine Atom- und Raketenaktivitäten einfriert und die USA und Südkorea im Gegenzug ihre gemeinsamen großen Militärmanöver aussetzen. China werde seinen Plan dafür weiter verfeinern und wolle mit den anderen Parteien sprechen.

Nordkorea-Kenner: Weiterhin diplomatische Lösung gesucht

Trotz der Drohgebärden der USA sieht der Nordkorea-Kenner Hartmut Koschyk auch unverändert den Versuch, gemeinsam mit China eine diplomatische Lösung zu finden. Nach seinem Eindruck bestehe der Kern der Absprache zwischen Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping darin, “jetzt bis an die Grenzen des Möglichen zu gehen, um Nordkorea zum Einlenken zu bewegen, und die USA im Gegenzug auf einen militärischen Alleingang verzichten”, sagte der Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe der dpa.

Rüdiger Frank: “Gefahr eines bewaffneten Konflikts gestiegen”

Für den Fall eines Krieges befürchtet der Nordkorea-Experte Rüdiger Frank verheerende Konsequenzen. “Am Ende wird die koreanische Halbinsel ein rauchendes Trümmerfeld mit Millionen von Leichen sein, von den geopolitischen Konsequenzen ganz zu schweigen”, sagte Frank der dpa. Die Gefahr eines bewaffneten Konflikts sei gestiegen. Dabei wäre Nordkorea nach seiner Überzeugung bereit, über sein umstrittenes Atomprogramm zu verhandeln. Dazu müsse der Westen aber verstehen, dass Pjöngjang bestimmte Garantien brauche, sagte der Leiter des Ostasieninstituts der Universität Wien.

(APA)

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