Chorgesang als Stress-Hemmer für psychisch kranke Kinder

Singen hat einen messbaren Einfluss auf den Wert des Stresshormons bei Kindern. (Symbolbild)
Singen hat einen messbaren Einfluss auf den Wert des Stresshormons bei Kindern. (Symbolbild) - © APA-FOTO: HARALD SCHNEIDER
Kreative Betätigung trägt zur Reduktion der Stresshormon-Werte bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen bei. Das hat nun die interdisziplinäre und durch eine Spende der Salzburger Festspiele mitfinanzierte Pilotstudie “Art is a Doctor” festgestellt.

So sorgte etwa das passive Hören von Musik bei den Probanden für mehr innere Ruhe, Stress ließ sich aber gut durch das Singen im Chor abbauen.

Studie unter Salzburger Leitung

Ein Team um den Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie an den Salzburger Landeskliniken, Leonhard Thun-Hohenstein, hat dazu Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen im Alter von zehn bis 18 Jahren begleitet. Sie wurden dabei zu Betätigungen wie Schauspiel, textilem Design, Clownerie, Chorsingen und zum passiven Musikhören animiert.

Kreative Betätigung reduziert Stress

Vor und nach der kreativen Betätigung wurden Fragebögen zum psychischen Befinden ausgefüllt und Speichelproben entnommen, um den Wert des Stresshormons Cortisol zu ermitteln. Alle Teilnehmer zeigten dabei nach der kreativen Betätigung geringere Stresshormon-Werte und damit verbunden einen positiven Trend in der subjektiv wahrgenommenen Laune. Das “sich Versenken” in einen kreativen Prozess brachte – zumindest für die Dauer der Tätigkeit – Vergessen, Ablenkung und womöglich sogar Freude und Spaß am Tun.

Singen senkt Cortisol-Werte

Zudem wurde genauer untersucht, wie sich Chorsingen im Vergleich zum Musikhören auswirkt. Zunächst beschäftigen sich die Teilnehmer nur kurz kreativ. Eine Gruppe von 20 Kindern und Jugendlichen sang einmalig 45 Minuten, die andere mit 17 Teilnehmern hörte genauso lange Musik. “Die psychische Befindlichkeit verbesserte sich bei der Singgruppe und der Cortisolwert sank – aber noch ohne signifikante Ergebnisse”, sagte Thun-Hohenstein zur APA. Die Gruppe, die Musik hörte, zeigte hingegen in der Dimension “innere Ruhe und Wachheit” bessere Werte an.

In einem zweiten Versuch hörten die Teilnehmer über fünf Tage hinweg täglich jeweils 45 Minuten Musik oder sangen selbst im Chor. Hier führte die Studie zu signifikanten Ergebnissen. Die Singgruppe zeigte im Vergleich zur Musikgruppe eine bedeutende kontinuierliche Absenkung der Cortisolwerte. Auch hier erreichte die Musikgruppe im Vergleich zur Singgruppe einen höheren Wert der inneren Ruhe – nun aber ebenfalls signifikant.

Hohenstein: “Ausübung von Kunst bewirkt etwas”

“Kinder und Jugendliche erleben, dass sie aus ihrer Fantasie und Kreativität etwas schaffen können. Sie erleben sich dabei als aktive, gestaltende Menschen. Das ist bei vielen psychischen Erkrankungen nicht der Fall, Betroffene erleben sich meist als defizitär”, so Thun-Hohenstein. Die meisten Kinder hätten den Zugang zu sich selbst, aber auch zu ihrer eigenen Kreativität verloren. “Wenn aber Befriedigung, Anerkennung und letztlich Sinn dazu kommen, führt das zu gesundheitlichen Verbesserungen.” Zwar seien in der Pilotstudie die Auswirkungen auf die Gesundheit nicht erhoben worden, “es ist aber ganz eindeutig, dass die Ausübung von Kunst etwas bewirkt”, sagte Hohenstein. Er will die Studie nun umfangreicher fortsetzen und harte Daten schaffen.

(APA)

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