Cosima von Bonin-Schau im Wiener mumok

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Ausstellungsstücke von Cosima von Bonin
Ausstellungsstücke von Cosima von Bonin
Den Nebeneingang ins mumok muss man erst gar nicht suchen. Den gibt es nicht, wie Direktorin Karola Kraus am Donnerstag bedauerte, auch wenn Cosima von Bonin zumindest den Hippies empfiehlt, das Wiener Museum moderner Kunst nicht durch die Vordertür zu betreten. “Hippies Use Side Door” nennt sich “die bisher größte retrospektiv angelegte Ausstellung” zur Konzeptkünstlerin, die morgen eröffnet.


Ansonsten wird der geneigte Besucher auf den vier Ebenen der Schau aber wohl so ziemlich alles finden, was man sich von einem “Agent Provocateur mit hintergründigem Humor” – wie Kuratorin Kraus die deutsche Künstlerin lobte – erwarten darf: unzählige Pop- und Hochkulturreferenzen, trashiger Chic, augenzwinkernde Arrangements und kritische Kommentare auf den Kunstmarkt, der von Bonin dennoch (oder gerade deshalb) wohlgesonnen ist.

Im Gegensatz zu den wohlgeordneten weißen Kuben von Josef Dabernig zuvor herrscht bei Cosima von Bonin das Chaos – und hinter jeder Ecke, jeder eingezogenen Wand, hinter jedem Lamettavorhang lauert eine Überraschung. Hier ertönt plötzlich Musik aus von der Decke hängenden Lautsprechern, dort kann man sich über eine Treppe einen Überblick von oben verschaffen, dann wieder fühlt man sich wie in einem Bühnenstück.

Und überall liegen Stofftiere in jeglicher Größe und Form, die entweder das Geschehen bewachen, faul auf dem Bauch liegen oder sich in konkreten Anordnungen auf Alltagstätigkeiten einlassen. Dazwischen laufen Videos von ihren Vorbildern wie Jacques Tati oder George Romero, hängen Textilcollagen mit eingängigen Phrasen, liegen Raketen, Scooter und allerlei Gegenstände unübersehbar herum, dass selbst George und Jim – von Bonins laut schnarchende Möpse – ihre Freude haben.

Fast subtil nehmen sich daneben die völlig in Weiß gehaltenen Objekte und Skulpturen aus, die die von Kraus betonte Präzision in der Arbeit der exzentrischen Künstlerin sichtbar machen. Cosima von Bonin weiß aber auch, dass Subtilität in der heutigen Zeit schwer zu verkaufen ist – kein Wunder also, dass vor dem Panoramafenster ein kotzender Pinocchio auf einem Balkon steht und Busenfreund Dirk von Lowtzow die Schau mit seiner Band Tocotronic am Samstag stilgerecht einläutet.

“Das Jahr 2014 hat ein Rad ab”, lautet der Untertitel der Ausstellung, die bis 18. Jänner mehr als 100 Arbeiten von Cosima von Bonin präsentiert und von einem umfangreichen Rahmenprogramm ergänzt wird. Die Künstlerin selbst zeigte sich von der im Museum geleisteten Arbeit sehr angetan und bedankte sich mit ihrem erstmaligen Auftreten bei einer Pressekonferenz: “Ich bin sehr gerührt. Danke.”

(S E R V I C E – Cosima von Bonin: “Hippies Use Side Door – Das Jahr 2014 hat ein Rad ab”, Ausstellung im mumok Museum moderner Kunst, Museumsplatz 1, 1070 Wien, Eröffnung am 3. Oktober, Ausstellung von 4. Oktober 2014 bis 18. Jänner 2015, Mo 14-19 Uhr, Di bis So 10-19 Uhr, Do 10-21 Uhr, Katalog mit Texten von Diedrich Diederichsen, Clara Drechsler, Manfred Hermes, u.a., 144 S., 29,80 Euro,)

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