“Cumhuriyet”-Herausgeber Atalay in der Türkei festgenommen

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Regierung Erdogan geht massiv gegen oppositionelle Medien vor
Regierung Erdogan geht massiv gegen oppositionelle Medien vor - © APA (AFP)
Der Herausgeber der türkischen Oppositionszeitung “Cumhuriyet” (“Republik”) ist nach deren Angaben am Freitag in Istanbul festgenommen worden. Akin Atalay sei am Atatürk-Flughafen in Gewahrsam genommen worden, als er dort aus Deutschland eintraf, berichtete die Zeitung auf ihrer Homepage.

Die türkische Staatsführung geht seit dem gescheiterten Putsch Mitte Juli massiv gegen oppositionelle Medien vor und ließ vergangene Woche neun Mitarbeiter der Zeitung wegen “terroristischer Aktivitäten” inhaftieren.

Bei der Festnahmewelle gegen “Cumhuriyet” am 31. Oktober berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu, dass nach Atalay gefahndet werde. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft “Cumhuriyet” vor, in ihrer Berichterstattung den gescheiterten Militärputsch Mitte Juli “legitimiert” und Straftaten zugunsten der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen begangen zu haben. Gülen wird von der türkischen Regierung für den Putschversuch verantwortlich gemacht.

Am Freitag hat die türkische Regierung auch 370 Vereine wegen Terrorverdachts vorübergehend schließen lassen. Den meisten werde eine Verbindung zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) oder zu der Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen, teilte das Innenministerium in Ankara am Freitag mit.

Es sei festgestellt worden, dass die geschlossenen Einrichtungen eine “Gefahr für die nationale Sicherheit” darstellten, hieß es weiter. Welche Vereine genau betroffen sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Unter dem Ausnahmezustand darf die Regierung Vereine bis zu drei Monate schließen lassen. Konkret werden 190 Vereinen mutmaßliche Verbindungen zur PKK, 153 zu Gülen, 19 zur linksextremistischen DHKP-C und 8 zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen.

Seit dem Putschversuch von Mitte Juli hat die türkische Führung mehr als 60.000 Menschen entlassen, derzeit sitzen Medienberichten zufolge mehr als 36.000 Menschen in Untersuchungshaft, mehr als 160 Medien und Verlage wurden geschlossen.

(APA/ag.)

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