Zauchensee hofft auf Durchführung der Abfahrt

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Ein Schneesturm macht die Abfahrt unmöglich
Ein Schneesturm macht die Abfahrt unmöglich - © APA
Mit Training und Rennen an einem Tag soll am Samstag in Altenmarkt/Zauchensee die vierte Saisonabfahrt der Damen (11.15 Uhr, live ORF eins) gerettet werden. Topfavoritin beim Comeback von US-Superstar Lindsey Vonn ist aber die slowenische Speed-Sensation Ilka Stuhec, die alle bisherigen drei Abfahrten gewonnen hat. Letzte Zauchensee-Siegerin aus Österreich war 2014 Elisabeth Görgl.

Neuerlicher und intensiver Schneefall hatte nach Donnerstag auch am Freitag ein Training auf der Kälberloch-Piste unmöglich gemacht, obwohl 120 Helfer auf der Strecke waren. Sechs bis sieben Optionen prüfte FIS-Renndirektor Atle Skaardal danach. Darunter auch die Möglichkeit eines Tausches der Abfahrt mit dem Super-G von Garmisch. Das wäre aber kompliziert geworden, weil einige Spezialistinnen noch nicht vor Ort sind.

Letztlich entschied man sich deshalb für die Lösung, der Abfahrt in Zauchensee weiterhin den Vorzug zu geben. “Die Chancen für Samstag sind nicht allzu gut. Der Sonntag schaut dafür gut aus”, sagte OK-Mitglied Michael Walchhofer.

Erfolge wie das damalige Abfahrts-Double mit Görgl vor Veith (Fenninger) sucht man bei den ÖSV-Damen derzeit ebenso vergeblich wie Görgl in den Siegerlisten. Erfolge sind in der WM-Saison bei der 35-jährigen Steirerin noch Mangelware. Dennoch schreibt sie sich nicht ab und kämpft weiter um einen WM-Startplatz.

36 Jahre wird Görgl am 20. Februar alt. Aber die mit 32 Jahren und 325 Tagen älteste Abfahrts-Weltcup-Siegerin kann sich gut vorstellen, diesen “Rekord” noch nach oben zu schrauben.

“Das war bisher sicher nicht das Gelbe vom Ei. Aber ich habe meine Hausaufgaben gemacht, zuletzt gut trainiert und ein viel besseres Gefühl. Die Angriffslust ist wieder da und ich hoffe, dass das schon in Zauchensee aufgeht”, gab sich Görgl zuversichtlich.

Ihre bisher schlechten Saisonergebnisse mit Platz 25 im Super-G von Val d’Isere als Highlight überraschen Görgl nicht. “Beim Sommertraining war ich noch nie gut. Amerika nutze ich normalerweise, um Sicherheit zu tanken. Da sind uns aber praktisch sechs Tage Speed abgegangen. Wenn du dann Trainings und Rennen nutzen musst, um Material zu testen und dabei nicht in Form bist, kommt das eben heraus”, fasste sie zusammen.

Die Zweifel waren durchaus groß. “Bei einigen Trainings habe ich gedacht, jetzt reicht’s und ich hau’ sofort den Hut drauf”, gestand Görgl. “Nächsten Tag bin ich dann Bestzeit gefahren. Offenbar ist das bei mir so.”

Görgl ist auch beim Material ähnlich sensibel wie Marcel Hirscher, glaubt aber, nun zumindest im Super-G eine Top-Abstimmung gefunden zu haben. “Auch insgesamt habe ich das Spektrum, in dem ich gut fahren kann, vergrößert”, verweist sie darauf, dass ihre Skitechnik sehr Außenski orientiert ist.

Geholfen habe, dass man nun in Saalbach eine quasi permanente Trainingspiste habe. “Da kann man den Lauf stehen lassen und du kriegst bessere Vergleichswerte beim Ski testen als bei jedes Mal gewalzter und nicht rennadäquater Piste.”

Auch Abfahrtschef Roland Assinger hält nach wie vor große Stücke auf Görgl. “Schreibt mir die nicht ab. Sie hat immer wieder überrascht und wenn sie wieder Blut leckt, traue ich ihr alles zu”, sagte der Kärntner.

Auch für die ÖSV-Abfahrtsdamen begann in Zauchensee eine Phase mit drei Speed-Wochenenden. In Salzburg, Garmisch und Cortina geht es auch um WM-Startplätze. “Jeder ist das bewusst und die Schnellsten werden in St. Moritz fahren”, sagte Assinger.

Natürlich fehle die verletzte Cornelia Hütter als Zugpferd. “Aber Nicole Schmidhofer und Tamara Tippler waren schon am Stockerl, Mirjam Puchner hat ein Rennen gewonnen. Stephanie Venier hat die beste Saison, seit sie Weltcup fährt. Und die junge Christine Scheyer hat eine ganz schlaue Herangehensweise”, verwies der Coach auf die anderen Asse. “Sie alle haben die Fähigkeit, vorne mitzufahren.”

Bezüglich des Speed-Teams für die WM sei derzeit gar nichts fix, betonte Assinger. Auch nicht bei Puchner, die in St. Moritz zuletzt beim Finale die Abfahrt gewonnen hat. “Sollte es am Ende Härtefälle geben, ist das aber sicher ein Pluspunkt auf ihrer Seite.”

Auch die Teamälteste hat WM-Ambitionen und ungebrochenen Spaß am Skirennfahren. Von Präsident Peter Schröcksnadels Rücktritts-Kritik fühlt sich Görgl hingegen nicht angesprochen.

“Natürlich gehört Leistung her. Aber unser Chef sollte uns so gut kennen, dass wir wissen, worauf es ankommt. Ich bin keine Träumerin und fahre nicht mit, um 30. zu werden”, sagte die Doppel-Weltmeisterin von 2011. Klar sei freilich: “Mit den bisherigen Leistungen habe ich bei der WM nichts verloren. Also muss ich Gas geben, das Leben ist ja keine Hollywood-Story.”

Ob sie nach dieser Saison die Ski an den Nagel hängt, weiß Görgl nach wie vor nicht. “Ich fahre, so lange ich Spaß und gute Ergebnisse habe. Aber Schluss ist, wenn ich sage, es ist wirklich Schluss.” Rechenschaft müsse sie vor allem vor sich selbst ablegen. “Die Leute haben in fünf Minuten wieder vergessen, was ich in einem Rennen geworden bin. Ich aber nicht. Für Österreich ist wichtig, dass einer oder eine von uns vorne ist. Wer das ist, ist am Ende doch scheißegal.”

(APA)

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