Damir Canadi ist neuer Trainer von Rapid

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Der 46-jährige Coach folgt Mike Büskens nach
Der 46-jährige Coach folgt Mike Büskens nach - © APA
Der bisherige Altach-Erfolgscoach Damir Canadi soll Österreichs Fußball-Rekordmeister SK Rapid Wien wieder an die Spitze führen. Der Wiener folgt dem am Montag beurlaubten Deutschen Mike Büskens nach. Canadi erhält einen Vertrag bis Sommer 2018, teilte der aktuelle Tabellenfünfte am Freitag mit. Der 46-Jährige will Rapid zum ersten Titel seit 2008 führen: “Die Mission 33 ist auch mein Traum.”

Am Freitagnachmittag wurde Canadi im Allianz Stadion als neuer Trainer der Hütteldorfer präsentiert. Gleichzeitig sprach er von einer “beeindruckenden Aufgabe”, die ihn nun in seiner Heimatstadt erwartet. Bereits bei seiner Ankunft am Donnerstagnachmittag zu den Vertragsverhandlungen in Wien erlebte Canadi, welche Zugkraft Rapid besitzt. “Gestern am Flughafen sind mir gleich drei Kamerateams nachgelaufen”, berichtete der bisherige Altach-Coach, für den mit dem Engagement ein “Traum in Erfüllung gegangen ist” und der nun “den größten Club Österreichs erfolgreich führen” möchte. “Das ist mein Ziel. Ich will Titel gewinnen mit Rapid. Das ist meine Aufgabe hier.”

Sein erstes Training als Rapid-Trainer ist am Montagvormittag um 10.00 Uhr angesetzt. Am Wochenende davor möchte er noch sein Betreuerteam zusammenstellen. Vorerst wurden keine Namen genannt, da laut Rapid-Präsident Michael Krammer “noch nicht mit allen Betroffenen Gespräche geführt” wurden.

Der Abschied vom SCR Altach, der aktuell punktegleich mit Tabellenführer Sturm Graz neun Zähler vor den fünftplatzierten Rapidlern an der Bundesliga-Spitze steht, fiel Canadi nicht leicht. “Es ist Teil des Fußballs, dass man am nächsten Tag woanders ist. Für dieses Jahr war es eine schwere Entscheidung”, erklärte er. “Aber für die nächsten Jahre war es die richtige Entscheidung für mich.”

Bis zum nächsten Meisterschaftsspiel am Sonntag in einer Woche, an dem Rapid bei Canadis Premiere gleich im Spitzenspiel bei Meister Red Bull Salzburg gastiert, bleibt ihm nicht viel Zeit. Canadi ist also von Beginn weg voll gefordert, um die Tage nach dem für die Mannschaft trainingsfreien Wochenende optimal zu nutzen.

“Ich will mir ein Bild machen von der Mannschaft. Ich habe nur eine Woche und werde versuchen, das Bestmögliche herauszuholen und die Mannschaft optimal auf Salzburg einzustellen. Mit den Fans im Rücken kann man dort was mitnehmen, das ist unser Ziel”, meinte der Ex-Profi, der die Spieler bisher “nur von Beobachtungen, nicht individuell” kennt. “Ich weiß noch nicht, wie sie ticken.”

Deshalb sei es auch noch zu früh über Zielsetzungen für die verbleibende Saison oder Spielsysteme zu sprechen. “Ich weiß am Montag, was auf mich zukommt, das werde ich dann in Ruhe analysieren. Ich werde nächste Woche Gespräche mit den Jungs führen, und dann werden wir sehen, was wir spielen werden”, sagte Canadi, der nun einmal “Stabilität und Balance hineinbringen” will.

Aber als “Beobachter aus der Entfernung” habe natürlich auch er mitbekommen, dass die Abschlussschwäche aktuell Rapids größtes Problem ist. “Die Leistung selbst war immer in Ordnung, auch die Chancen waren da”, merkte der neue Rapid-Cheftrainer an. Dass der Ball trotzdem nicht im Netz landet, “liegt an der Mentalität”, so Canadi. “Das sind Verunsicherungen, die dann passieren. Wir hoffen, dass wir das schnell wegbekommen.”

Rapids Spielphilosophie, die auf Ballbesitz und dominantes Spiel abzielt, ist auch die von ihm bevorzugte. “In Altach haben wir in der zweiten Liga über 80 Tore geschossen und sehr dominant gespielt. Jeder Trainer wünscht sich, offensiv, sehr kreativ zu spielen und ein gutes Umschaltspiel. Aber am Ende muss die Balance stimmen zwischen Defensive und Offensive. Fußball ist so einfach, hinten keines kriegen und vorne eins schießen, so tät’ ich gerne spielen”, meinte Canadi mit einem Augenzwinkern.

Ein Trainer sei jedoch letztlich immer davon abhängig, welche Spieler ihm zur Verfügung stünden. “Ich muss schauen, wer fit ist, und dann der Mannschaft das bestmögliche System verpassen, damit wir gewinnen. Diese Flexibilität als Trainer habe ich gezeigt”, bemerkte der Wiener, für den “Leidenschaft, Disziplin und Siegeswille” die Basis zum Erfolg bilden. Dieses Credo deckt sich mit jenem von Rapid.

Krammer betonte indes, dass Canadi, der sich als “akribischer Arbeiter von unten emporgearbeitet” habe, von Anfang an der Favorit auf die Büskens-Nachfolge gewesen war. Gleichzeitig kündigte der Rapid-Präsident an, dass man bei der Bestellung des neuen Sportdirektors – Andreas Müller war am Montag gemeinsam mit Büskens beurlaubt worden – “auch den Trainer miteinbeziehen” werde.

Den Ausschlag für Canadi habe gegeben, dass er die österreichische Bundesliga ganz hervorragend kennt. “Wir brauchen einen solchen Trainer. Einen Trainer, der konzeptiv arbeitet und taktische Flexibilität hat, starke Führungsqualitäten besitzt, sowohl in Richtung Mannschaft als auch Ressourcen eines Trainerteams. Er ist geradlinig und authentisch”, pries Krammer die Qualitäten von Canadi.

Bei Altach wird Werner Grabherr gemeinsam mit Dietmar Berchtold das Coaching der Mannschaft übernehmen, bis eine Nachfolgelösung gefunden ist. “Wir sind am Mittwoch informiert worden, dass Damir Canadi mit sofortiger Wirkung zum SK Rapid Wien wechseln möchte”, erklärte Georg Zellhofer, Geschäftsführer Sport beim SCRA. “Es gibt keinen guten Zeitpunkt für eine Trennung, aber wir respektieren und akzeptieren diese Entscheidung. Die vier Jahre mit Damir waren die erfolgreichsten in der Altacher Club-Geschichte und dafür möchten wir uns bei ihm und (Co-Trainer) Martin Bernhard bedanken. Leider hat er sich für einen sofortigen Wechsel entschieden.”

Rapid musste Altach eine Ablöse für das Engagement von Canadi zahlen. Sein Vertrag bei den Vorarlbergern wäre noch bis Sommer 2017 gelaufen. Laut Medienberichten sollen 300.000 Euro fällig geworden sein, um die Ausstiegsklausel zu ziehen.

Canadi begann seine Trainerlaufbahn bereits im jungen Alter von 31 Jahren, nachdem er als Profi zu 19 Bundesliga-Einsätzen gekommen war. 18 bestritt der Mittelfeldspieler für den VfB Mödling in der Saison 1994/95, zuvor war er bereits Ende Mai 1989 als 19-Jähriger mit einem 17-minütigen Einsatz für die Wiener Austria zu seinem Debüt in der obersten Spielklasse gekommen.

Nach dem Einstieg als Spielertrainer beim unterklassigen SC Leopoldsdorf führte Canadi 2002/03 den DSV Fortuna 05 als Meister der Wiener Stadtliga in die Regionalliga Ost. Dies wiederholte er acht Jahre später mit dem Simmeringer SC, dazwischen wurde er in der Regionalliga Ost mit PSV bzw. FAC Team für Wien zweimal Vizemeister. In der Saison 2008/09 war Canadi als Co-Trainer beim russischen Spitzenclub Lokomotive Moskau tätig.

Nach erneuten Stationen als Chef-Coach in Wien (FAC und Simmering) wechselte er dann im Oktober 2011 nach Vorarlberg, wo er zunächst beim Erste-Liga-Club FC Lustenau engagiert war, ehe er im Jänner 2013 zum SCR Altach wechselte. In der Saison 2013/14 führte Canadi die Altacher zum Erste-Liga-Titel und sorgte gleich in seiner ersten Bundesliga-Saison für Furore. Mit den Vorarlbergern holte er 59 Punkte und Platz drei, knapp vor Sturm Graz und beispielsweise 16 Punkte vor der Wiener Austria. Damit spielte Altach erstmals in der Club-Geschichte international und verpasste nur knapp den Einzug in die Europa-League-Gruppenphase.

Nach dem Abrutschen auf Platz acht im Vorjahr spielt Altach nun wieder ganz vorne mit und liegt nach 14 Runden punktegleich mit Tabellenführer Sturm Graz auf Platz zwei. Gegen Rapid blieb die bisherige Canadi-Elf in den bisherigen Spielen mit einem 1:0-Heimsieg und einem 1:1 in Hütteldorf ungeschlagen. Zuletzt sorgten die Altacher mit einem famosen 5:1-Heimsieg über Austria Wien für Furore. Solche Erfolge soll Canadi nun mit Rapid feiern.

(APA)

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