Daniel Welser im Sonntags-Talk: “Die Neid-Gesellschaft in Österreich muss aufhören”

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Salzburgs Eishockey-Crack Daniel Welser im Sonntags-Talk.
Salzburgs Eishockey-Crack Daniel Welser im Sonntags-Talk. - © GEPA/ Red Bull/ SALZBURG24/Andonov
Daniel Welser gehört zu seinem zehnjährigen Jubiläum zu den routiniertesten und treuesten Eishockey-Cracks beim EC Red Bull Salzburg. SALZBURG24 hat den knallharten Eis-Bullen zum Sonntags-Talk getroffen und mit ihm über prägende Augenblicke, seinem zweiten Standbein und Österreichs Neid-Gesellschaft unterhalten.




Salzburgs Sturmtank Daniel Welser feierte im Sommer 2017 zehn Jahre Profi-Eishockey bei Red Bull Salzburg und gehört somit zu den dienstältesten in der Bullen-Familie. Der routinierte Angreifer hat sich zu einer Führungspersönlichkeit innerhalb der Mannschaft entwickelt und avancierte in der Mozartstadt zum Publikumsliebling. Nach drei Titeln beim Heimatklub KAC und fünf Meistertrophäen in Salzburg ist der 34-jährige Wahl-Salzburger auf weitere Pokale hungrig. Die harte Schale mit dem weichen Kern gibt tiefe Einblicke in sein Privatleben.

SALZBURG24: Dani, du bist bereits zehn Jahre als Profi für den EC Red Bull Salzburg tätig. Kannst du uns bitte ein paar deiner prägendsten Augenblicke schildern?

DANIEL WELSER: Da fällt mir sofort unsere “perfect season” 2009/2010 ein. Mit dem Red Bulls Salute, dem Continental Cup und der Meisterschaft in der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) heimsten wir gleich drei große Titel ein – das war unglaublich. Aber bei solch einem Rückblick bleiben eher die bitteren Finalniederlagen in Erinnerung. Und davon taten einige so richtig weh. Dennoch kann man bei den schmerzhaften Rückschlägen viel positives mitnehmen. Das gesamte Team und ich haben dadurch sehr viel gelernt und reichlich Erfahrungen gesammelt.

Acht Meistertitel hast du bereits eingeheimst. Fünf mit Salzburg und drei mit deinem Heimatklub KAC. Was bedeutet diese Trophäe für dich?

Es ist das schönste Gefühl, welches man sich überhaupt vorstellen kann. In der Kraftkammer und auf dem Eis arbeitest du elf lange Monate auf solche Momente hin.

Fallen einem die Qualen und das Plagen bei den harten Trainings dadurch leichter?

Ich sehe das Training nicht als Qual. Vielmehr bin ich froh, dass ich den Eishockeysport als Beruf ausüben kann. Auch wenn nicht immer alles rosig ist und nach Plan abläuft. Hut ab vor körperlich viel anstrengenderen Berufen: Fliesenleger oder Bauarbeiter, die acht bis zehn Stunden auf den Knien oder bei Hitze und Regen arbeiten müssen, haben es viel schwerer.

Wann hast du Blut am Eishockey-Sport geleckt? Wie waren deine Anfänge?

Als kleines Kind hatte ich sehr viel Energie. Meine Mutter hat mich damals zum Eishockey gebracht. Bis 14 Jahren habe ich gleichzeitig auch Fußball gespielt und hatte die Chance auf eine Aufnahme ins Kärntner Bundesnachwuchszentrum. Ausschlaggebend fürs Eishockey war ein Spiel in Quebec mit 13 Jahren. Da durften wir vor 10.000 Zusehern unser Können zeigen – das hat mich geprägt. Außerdem war und ist Kärnten ein Eishockey-Land.

Letztes Jahr seid ihr im Halbfinale am KAC gescheitert. Salzburg hat immer Ansprüche auf den Titel. Wie lautet deine Kampfansage an die Konkurrenz?

Eine richtige Kampfansage werde ich jetzt nicht abfeuern. Vielmehr hoffe ich auf eine tolle und spannende Saison. Die üblichen Verdächtigen werden auch diesmal wieder um den Meistertitel spielen und das beste Team soll auch heuer wieder siegen.

Eishockey gehört zu den schnellsten und härtesten Sportarten der Welt. Hat das Fan-Interesse in Salzburg trotzdem das Plateau erreicht?

Das glaube ich keineswegs. Als ich angefangen habe, waren während der Saison 2.000 Zuseher in der Halle. Mittlerweile werden es stetig mehr und die Fans auch immer lauter.

Von der Stimmung und den Fans her kann sich Salzburg von der Konkurrenz noch einiges abschauen. Was ist deiner Meinung nach der Grund dafür?

Die Stimmung passt bei uns. Das Salzburger Publikum ist fair und respektiert auch den Gegner. Bei uns sind keine Chaoten, die trotz akademischer Titel pöbeln und sich dann vor ihren Kindern vulgär ausdrücken – das gefällt mir.

Was muss passieren, um noch mehr Menschen mit dem Eishockey-Gen zu infizieren?

Salzburg ist seit 1980 für den Sport begeistert und es ist ein langwieriger Prozess die Leute noch mehr zum Eishockey zu bringen. Anfangen müsste man meiner Meinung im Kindesalter. Im Kindergarten oder in der Schule sollte man den Kindern das Eislaufen näher bringen und sie damit vertraut machen. Wenn dann noch die Preise familienfreundlich sind, erhöhen sich die Chancen, um sie an unseren einzigartigen Sport zu binden.

Findest du, dass die Spiele in Österreich auch im Ausland Anerkennung verdient hätten?

Die EBEL wird in fünf Ländern übertragen, aber mit der deutschen und den skandinavischen Mannschaften brauchen wir uns nicht zu messen. Vielmehr sollten wir uns bei den internationalen Auftritten, wie in der Champions Hockey League (CHL) oder in Freundschaftsspielen, gut präsentieren und unser Image dadurch noch weiter aufpolieren. Mich stört in diesem Zusammenhang die Neid-Gesellschaft in Österreich – das muss aufhören. Warum vergönnt man den heimischen Team nicht den Erfolg auf internationaler Ebene?

Was viele nicht wissen: Du hast an der Universität Salzburg angefangen Sport zu studieren. Bleibt neben dem Profi-Sport keine Zeit für eine zeitintensive Ausbildung?

Ich wollte mich neben dem Sport weiterbilden. Leider ist man mir bei den Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht nicht entgegen gekommen. Nach der Geburt meiner ersten Tochter und in der Play-off-Phase war es dann noch schwieriger und nahezu unmöglich. Ich will mich aber nach dem Karriereende auf jeden Fall weiterbilden.

Dein Vertrag läuft bis 2018. Was kommt danach?

Hoffentlich eine Vertragsverlängerung. Ich bin hungrig, verschont vor gröberen Verletzungen und will weiter Eishockey spielen.

Neben deiner aktiven Karriere baust du dir mit deiner Ausbildung zum Eishockeytrainer ein zweites Standbein auf. Wann wird man dich auf der Trainerbank sehen?

Manuel Latusa und ich haben gemeinsam mit Alpo Suhonen (Ex-Sportdirektor beim österreichischen Eishockeyverband, Anm.) einen Trainer-Kurs für aktive Spieler ins Leben gerufen. Unterstützt vom finnischen Verband absolvierten wir in knapp einem Jahr die A-Lizenz.

Damit darfst du jede Mannschaft, auch das österreichischen Nationalteam, trainieren. Ist der Posten als Teamchef eines deiner großen Ziele?

Ich sehe mich nicht im Profi-Bereich, eher will ich den jungen Spielern etwas weitergeben. Die Arbeit mit dem Nachwuchs, auch wenn sie körperlich und mental sehr anstrengend ist, macht mir mächtig viel Spaß.

Trifft die Floskel “harte Schale, weicher Kern” auf dich zu, Dani?

Was meine zwei Töchter Sophie und Luisa betrifft, auf jeden Fall.

Wie kommst du zur Ruhe? Was machst du in der Freizeit?

(lacht) Neben dem Training bleibt nicht viel Zeit für Ruhe. Entweder spiele ich mit meinen Kindern oder unternehme was mit meiner Frau.

Wo verbringst du deine Zeit mit deinen zwei Töchtern?

Schwierig zu sagen. Salzburg ist wunderschön und bietet so viele Möglichkeiten. Ich kann mich gar nicht auf irgendeinen Ort festlegen.

Was schätzt du besonders an Salzburg?

Die enorme Vielfalt und die Angebote für Kinder.

Wie steht es um deine Popularität: Werdet ihr auf der Straße erkannt und um Fotos gebeten?

Das kommt eher weniger oft vor. Wenn hin und wieder jemand ein Foto oder ein Autogramm will, bin ich gerne dazu bereit.

Du arbeitest gerade an deinen Zukunftsplänen. Wo siehst du dich in fünf bis zehn Jahren?

Auf jeden Fall in Salzburg. Die berufliche Situation lasse ich mir jedoch offen. Entweder starte ich eine Trainer-Laufbahn oder absolviere eine pädagogische Ausbildung. Auf jeden Fall will ich etwas mit Kindern machen.

Dani, alles Gute für deine Zukunft und vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss noch ein flottes Entweder-Oder:

Imbiss oder Fünf-Sterne-Lokal? Fünf-Sterne-Lokal.

Lederhose oder Anzug? Ganz klar Lederhose.

Spontan oder durchgeplant? Durchgeplant.

Frühaufsteher oder Langschläfer? Eher Langschläfer, aber mit den Töchtern gestaltet sich das eher schwierig (lacht).

Bierzelt oder Discoparty? Bierzelt.

Rock oder Schlager-Musik? Ich bin eher der Party-Typ, also Schlager-Musik.

Bar oder mit Karte zahlen? Eher mit Karte.

Buch oder E-Book? E-Book deswegen, weil ich nach den Spielen nicht vor vier Uhr zum Schlafen komme. Um meine Frau durch den Fernseher nicht zu wecken, lese ich jetzt sehr gerne.

Strand oder Berg? (überlegt) Sehr schwer. Ich habe beides gern, entscheide mich aber für den Strand.

Fahrrad oder Auto? Auto, auch wenn ich im Sommer die Trainingsstunden auf dem Rad absolviere.

Bier oder Wein? Wein

Blond oder brünett? Blond, auch wenn es meine Frau nicht ist.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

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