Das Fahrrad wird 200 Jahre alt

Vor 200 Jahren erfand Karl von Drais das erste Fahrrad.
Vor 200 Jahren erfand Karl von Drais das erste Fahrrad. - © Twitter/N-TV/Screenshot
Heute vor 200 Jahren machte Karl Drais in Mannheim seine erste Ausfahrt mit der „Draisine“, dem von ihm erfundenen Laufrad. Heute gibt es in Österreich rund 6,4 Millionen funktionstüchtige Fahrräder und damit deutlich mehr als Pkw (4,8 Millionen). Im Schnitt legen die Österreicher täglich mehr als fünf Millionen Kilometer mit dem Fahrrad für Alltagswege zurück.

200 Jahre nach Erfindung des Fahrrads bezeichnete der Technikexperte Thomas Kosche den badischen Erfinder Karl Drais (1785-1851) als “verkanntes Genie”. “Er machte mit der Laufmaschine eine epochale Erfindung – für die es aber keinen Markt gab und für die die Zeit nicht reif war”, sagte der Fachmann vom Landesmuseum für Technik und Arbeit (Technoseum) in Mannheim. Die Menschen hatten 1817 demnach andere Sorgen. “Hinter ihnen lagen 20 Jahre Krieg. Der Getreidepreis stieg massiv an, viele Menschen litten Hunger. Sie konnten sich eine Laufmaschine auch nicht leisten”, meinte Kosche. Viele Zeitgenossen hätten Drais wohl für einen Spinner gehalten.

Ausbruch des Tambora Grund für Fahrraderfindung?

Zudem sei Baden der technisch-industriellen Entwicklung in England und Frankreich hinterhergehinkt, und es gab keinen wirksamen Schutz einer Erfindung durch ein Patent. “Es entstanden viele Raubkopien. Drais selbst verkaufte wenige lizenzierte Exemplare”, sagte Kosche. Was genau den Tüftler zur Erfindung bewog, ist nicht belegt. “Er hat kein Schreiben mit seinem Motiv hinterlassen”, schilderte der Experte. Drais habe aber relativ viel Zeit für Forschung gehabt, weil er bei vollen Bezügen vom Forstdienst befreit gewesen sei. “Er hatte damit Muße für Entwicklungen. Und er hatte mit muskelkraftbetriebenen vierrädrigen Fahrzeugen schon zuvor experimentiert”, erklärte Kosche.

Die Theorie, dass die Folgen eines Vulkanausbruchs in Indonesien 1815 mit anschließender Klimakatastrophe die Erfindung vorangetrieben haben könnte, hielt der Experte für nicht belegt. “Der Ausbruch des Tambora hatte sicher verheerende Folgen. Aber ob die Maschine wirklich ein Pferde-Ersatz sein sollte, ist strittig”, so Kosche.

Karl von Drais erfindet Alternative für Pferdewagen

Karl von Drais wurde 1785 als Sohn eines Hofrats in Karlsruhe geboren – seinen Adelstitel legte der bekennende Demokrat später kurzzeitig ab. Er arbeitete als badischer Forstmeister, schlug aber bald eine Erfinderlaufbahn ein. Er entwickelte unter anderem eine Schreibmaschine für Noten, eine Schnellschreibmaschine mit 16 Buchstaben und vierrädrige “Muskelkraftwagen”. Seine “Laufmaschine”, die später auch Draisine hieß, soll eine Alternative zu Pferdewagen gewesen sein. Er testete zudem damals schon bekannte, fußgetriebene Fahrzeuge auf Schienen. Auch sie wurden nach ihm benannt. Als Revolutionsanhänger verlor er später an Ansehen und starb verarmt 1851 in Karlsruhe.

„Das Fahrrad ist das gesündeste und umweltfreundlichste Fahrzeug. Dadurch, dass Strecken mit dem Fahrrad statt mit dem Auto gefahren werden, vermeiden die Österreicherinnen und Österreicher rund 320.000 Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr“, macht VCÖ-Experte Markus Gansterer aufmerksam. Wer eine halbe Stunde pro Tag mit dem Fahrrad unterwegs ist, verringert laut WHO das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um 50 Prozent.

Salzburger sind tüchtige Radler

77 Prozent der Haushalte in Österreich besitzen mindestens ein funktionstüchtiges Fahrrad. Den höchsten Anteil an Fahrrad-Haushalten gibt es in Salzburg mit 86 Prozent, gefolgt von Vorarlberg und Oberösterreich mit jeweils 83 Prozent, berichtet der VCÖ. In Salzburg und Wien gibt es mehr Fahrradhaushalte als Autohaushalte. Im Schnitt legen die Österreicherinnen und Österreich mehr als fünf Millionen Kilometer pro Tag mit dem Fahrrad zurück. „Das entspricht der Distanz von sieben Mal zum Mond und wieder zurück“, verdeutlicht VCÖ-Experte Gansterer. Am meisten fahren die Österreicherinnen und Österreicher zwischen Juni und September mit dem Fahrrad.

„Das Fahrrad hat in der Vergangenheit nicht nur in der Mobilität viel bewegt, sondern auch auf zahlreiche gesellschaftliche Entwicklungen, wie etwa die Frauenbewegung, gestärkt. Das Fahrrad muss aber auch in Zukunft eine wichtigere Rolle als heute für die Mobilität einnehmen. So sind die Klimaziele nur erreichbar, wenn in Zukunft weniger mit dem Auto und mehr mit dem Fahrrad gefahren wird“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

(APA/SALZBURG24)

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