Das ist die neue Salzburger Landesregierung

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Seit Sonntag steht die personelle Zusammensetzung der neuen Salzburger Landesregierung fest. Fünf der sieben Sitze wird in der kommenden Legislaturperiode die ÖVP stellen, jeweils einen die Grünen und die NEOS.

Drei Landesräte sind neue Gesichter auf der Regierungsbank. Der Frauenanteil der Dreierkoalition bleibt mit zwei weiblichen Regierungsmitgliedern gegenüber 2013 unverändert.

Haslauer bleibt Landeshauptmann

Angeführt wird die neue Dreierkoalition von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP). Der 62-jährige Landesparteichef (Geburtstag: 3. Mai 1956) hatte 2013 als Folge des Finanzskandals nach neunjährigem SPÖ-Interregnum den Landhauptmannsessel für die ÖVP zurückerobert. Vor fünf Wochen fuhr er bei der Landtagswahl einen fulminanten Erfolg ein. Haslauer ist Sohn des gleichnamigen ehemaligen Landeshauptmannes (1977 bis 1989). Nach einem Jus-Studium startete er 1985 mit Partnern eine Anwaltskanzlei, 2004 übernahm er nach der Abwahl des damaligen Landeshauptmanns Franz Schausberger die Partei und zog als LHStv. in die Landesregierung ein. Seit dem gehören die früher oft nach außen getragene Bündekämpfe in der ÖVP der Vergangenheit an. Auch als Landeshauptmann setzte der rhetorisch erfahrene Rechtsanwalt auf eine politische Kultur ohne Streit und Unterstellungen. Haslauer gilt als geschickter Stratege mit klar deklarierter konservativer Weltanschauung, der sich entschieden für den Wirtschaftsstandort Salzburg einsetzt. Er wird seine Agenden Wirtschaft, Tourismus, Arbeitsmarkt und Gemeinden behalten und bekommt die Museen hinzu.

Stöckl in zweiter Regierungsperiode

In seine zweite Regierungsperiode geht auch Finanz- und Gesundheitslandesrat Christian Stöckl (ÖVP). Der 60-jährige Politiker (Geburtstag: 2. Dezember 1957) gilt als schwarzes Urgestein und war im Brotberuf fast drei Jahrzehnte Lehrer für Mathematik, Geografie und Informatik. Er engagierte sich früh in der ÖVP Hallein und wurde 1994 Stadtrat. 1999 drehte er die bis dahin sozialdemokratisch dominierte Stadt und wurde Bürgermeister – dabei machte er sich als Sanierer der in einer Finanzkrise steckenden Stadt einen Namen. Stöckl war Landesobmann des ÖAAB und zog 2009 als Abgeordneter in den Landtag ein. 2013 legte er sein Bürgermeisteramt zurück und wurde Landesrat in der Landesregierung Haslauer jun. I. Dabei trieb er vor allem die Aufarbeitung des Salzburger Finanzskandals voran und begann mit dem Umbau des Spitalwesens im Land. Stöckl ist begeisterter Sportler. Er lief mehrere Marathons und Halbmarathons, zuletzt 2017 mit 1:38 Stunden in Wien. Er wird neu erster Landeshauptmannstellvertreter in Salzburg.

Schwaiger bleibt Landesrat

Kein neues Gesicht in der Regierung ist auch der 52-jährige ÖVP-Landesrat Josef “Sepp” Schwaiger (Geburtstag: 17. Juli 1965). Er behält seine Agenden für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Jagd und Personal und erhält die ehemals “grüne” Raumordnung und die Gewässeraufsicht dazu. Der Flachgauer studierte Politikwissenschaft in Salzburg und Agrarökonomik an der Boku in Wien und machte eine Ausbildung zum Landwirtschaftslehrer. Seine Familie hat einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. Schwaiger trat 1993 in den Landesdienst ein und war Ende der 1990er unter anderem Büroleiter von seinem Amtsvorgänger Sepp Eisl (ÖVP). In der Landesverwaltung legte er später eine steile Karriere hin. 2001 übernahm er die Leitung der Fachabteilung “Entwicklung ländlicher Raum”, 2004 schließlich die Führung der gesamten Abteilung Land- und Forstwirtschaft. Er war bis zu seinem Eintritt in die Landesregierung politisch nicht aktiv.

Von der JVP zum Landesrat: Stefan Schnöll

Neu im Regierungsteam ist der neue Landesrat für Mobilität, Infrastruktur und Sport Stefan Schnöll (Geburtstag: 13. März 1988). Der 30-Jährige ist gebürtiger Salzburger, Jurist und gilt seit Jahren als Vertrauter von Parteichef Sebastian Kurz. Anfang 2015 übernahm er die Funktion des JVP-Generalsekretärs und löste Kurz im November 2017 als JVP-Chef ab. Von 2013 bis März 2017 war Schnöll zudem Vizepräsident der Jungen Europäischen Volkspartei (YEPP). Nach dem ÖVP-Sieg bei der Nationalratswahl im Oktober 2017 zog Schnöll als Nationalratsabgeordneter ins Parlament ein und war Sportsprecher. Nun kehrt er als aktuell jüngster Landesrat Österreichs und als jüngster Landesrat in der Geschichte von Salzburg in seine Heimat zurück. Der passionierte Hobbysportler spielte einst in der Landesliga Fußball und will besonders im Bereich der Mobilität neue Sichtweisen und Zugänge einzubringen. So will die neue Regierung ihren ersten Bürgerrat – ein Instrument für mehr Bürgerbeteiligung und gegen Politikverdrossenheit – zum Thema Mobilität abhalten.

Hutter übernimmt Naturschutz und Bildung

Eine Überraschung gelang Wilfried Haslauer am Sonntag auch mit der Präsentation von Maria Hutter als neue Landesrätin für Bildung (diese Agenden hatte bisher der Landeshauptmann inne), Naturschutz und den Nationalpark Hohe Tauern. Die 36-jährige gebürtige Oberösterreicherin (Geburtstag: 4. Jänner 1982) ist Landwirtin und Lehrerin und betreibt mit ihrem Mann das Gaferlgut in Bruck an der Glocknerstraße im Pinzgau. Hutter bezeichnet sich als Pädagogin und Bäuerin mit Herzblut und sieht sich als angewandte Naturschützerin. Die zweifache Mutter stellt ihren Hof gerade auf biologische Bewirtschaftung um. Politisch war sie bisher Gemeinderätin von Bruck, Obfrau der ÖVP-Frauen im Pinzgau und Parteigeschäftsführerin der ÖVP im Bezirk. Privat ist Hutter bei den Trachtenfrauen Saalfelden tätig.

Schellhorn als einziger Grüner übrig

Nach den Verlusten bei der Landtagswahl bleibt Heinrich Schellhorn (Geburtstag: 29. April 1961) als einziges von zuvor drei grünen Regierungsmitgliedern übrig. Der 57-Jährige behält das Sozialressort und ein um die Museen reduziertes Kulturressort und übernimmt neu die Agenden für Umwelt- und Klimaschutz und Energie. Schellhorn gilt als gelassener Pragmatiker, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt, zugleich aber als hartnäckig und durchsetzungsfähig. Der gebürtige Tiroler studierte Jus in Innsbruck und leistete Zivildienst. Während seines Gerichtsjahrs zog er der nach Salzburg und wurde Anwalt. In seiner Wahlheimat Hallein kam er Ende der 1980er Jahre mit einer grünaffinen Bürgerliste in Kontakt. Ab 1992 saß er als Ein-Mann-Fraktion im Gemeinderat, ab 1994 war er fünf Jahre lang Stadtrat für Raumordnung und von 1999 bis 2004 Stadtrat für Kultur und Jugend. 2004 schied er nach Verlusten aus der Stadtpolitik aus. 2005 wurde er Vorstandsmitglied und Finanzreferent der Salzburger Grünen, nach dem Wahlerfolg 2013 Landesrat. Schellhorn wurde am 27. Mai 2018 nach dem Rücktritt von Parteichefin Astrid Rössler auch zum neuen Landessprecher der Partei gewählt.

Klambauer wird Wohnbaulandesrätin

Ein politisch völlig unbeschriebenes Blatt ist Andrea Klambauer (NEOS). Die 41-jährige Personalmanagerin (Geburtstag: 24. Februar 1977) aus Bad Hofgastein wird Landesrätin für Wohnbau, Wissenschaft, Integration und Kinderbetreuung – und sie hat die Agenden für Frauen, Familien, Jugend und Generationen, Chancengleichheit und Erwachsenenbildung inne. Die gebürtige Wienerin absolvierte in Niederösterreich ein FH-Studium und arbeitete unter anderem zwei Jahre lang für Siemens in China. 2006 zog sie nach Salzburg, die vergangenen sieben Jahre war die dreifache Mutter für den Pongauer Telekommunikationsspezialisten Eurofunk Kappacher als Personalmanagerin für über 500 Mitarbeiter verantwortlich. Sie will sich vor allem für die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie einsetzen. Bei der Salzburger Landtagswahl 2018 war sie nach Spitzenkandidat Sepp Schellhorn am zweiten Listenplatz zu finden.


(APA)

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