Defizit an Psychiatern in Österreich

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Es fehlt in Österreich an Psychiatern mit Kassenvertrag und an der Finanzierung der Psychotherapie. Das erklärten am Donnerstag Vertreter der Psychotherapeuten bei einer Pressekonferenz in Wien aus Anlass des Tages der psychischen Gesundheit (10. Oktober). Es handle sich um einen “Skandal”.


Laut den Daten der österreichischen Krankenkassen nehmen rund 900.000 Versicherte Leistungen wegen psychischer Krankheitsdiagnosen in Anspruch. “Es gibt viele internationale Studien, wonach etwa ein Drittel der Bevölkerung an einer psychischen Erkrankung leidet. Depressionen und Angststörungen allein haben in Österreich rund 1,7 Millionen Menschen”, sagte Stephan Doering, Leiter der Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der MedUni Wien. Man müsse davon ausgehen, dass die meisten der Betroffenen auch eine Psychotherapie benötigten. Gehe man nun mit dazu motivierbaren 850.000 Menschen aus, bekomme in Österreich derzeit nur jeder Sechste auch eine finanziell unterstützte Psychotherapie. “Das ist ein Skandal.”

Genauso sehe es – so Doering – aber auch bei den Psychiatern mit Kassenverträgen aus. Laut der Statistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger gibt es in Österreich knapp unter hundert Psychiater mit Kassenverträgen (etwas über 80 mit §2-Kassenverträgen). Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Georg Psota, sprach vor einiger Zeit von nur rund 20 Kassen-Psychiatern in Wien.

Damit ist der Bereich der Versorgung der psychisch Kranken in Österreich offenbar drastisch unterdotiert. Maria-Anna Pleischl, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP): “Die Ausgaben für Psychopharmaka belaufen sich auf 230 bis 250 Millionen Euro. Aber bei nur 35.000 Personen übernimmt die Krankenkasse die Psychotherapiekosten, rund 30.000 Patienten erhalten einen Kostenzuschuss von 21,80 Euro.” Für eine Therapiestunde werden 90 Euro veranschlagt, die Kassentarife liegen in etwa zwischen 70 Euro in westlichen Bundesländern und 47 Euro in Wien. Gleichzeitig komme es zu inakzeptablen, monatelangen Wartezeiten für Therapieplätze.

Wie Doering erklärte, gibt es unbestreitbare wissenschaftliche Beweise dafür, das die Psychotherapie hoch wirksam ist. Doch im Vergleich zu anderen vergleichbaren Ländern wie Deutschland und die Schweiz hinke Österreich weit nach: “In Deutschland ist die Psychotherapie voll durch die Krankenkassen finanziert. Es gibt einen Versorgungsgrad für zwei Prozent der Bevölkerung. In Österreich liegt dieser Versorgungsgrad nur bei 0,8 Prozent.”

Gleichzeitig, so Christine Diercks, Vorsitzende der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, die auf Sigmund Freud zurückgeht, schränken die Krankenkassen Einzel- und längerfristige Behandlungen immer mehr ein. Die psychoanalytische Vereinigung hat ein Ambulatorium, das einen Vertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse für die kostenlose Bereitstellung von 50 Behandlungsplätzen. “Diese Mittel hat man vor zwei Jahren gestrichen”, sagte Christine Diercks.

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