Der Sonnblick-Gletscher schmilzt vor sich hin

Akt.:
Der Sonnblick-Gletscher wird weniger.
Der Sonnblick-Gletscher wird weniger. - © ZAMG/Flickr/Screenshot
Auf den von der ZAMG vermessenen Gletschern der Sonnblickregion im Salzburger Pinzgau und Kärnten liegt um rund zehn Prozent weniger Schnee als nach einem durchschnittlichen Winter. Andere Gletscher sehen in dieser Hinsicht aber noch schlechter aus.

Die erste Auswertung der sogenannten Winterakkumulation der Gletscher der Sonnblickregion liegen vor, also der gesamten Masse Schnee, die sich im Laufe des vergangenen Winters angesammelt hat. Dafür ermittelten Expertinnen und Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Anfang Mai auf den beiden Gletschern am Sonnblick (Kleinfleißkees und Goldbergkees) an rund 700 Punkten mittels Sonde die Schneetiefe und in zehn Schneeschächten die mittlere Schneedichte, berichtete die ZAMG in einer Aussendung.

Weniger Masse, durchschnittliche Schneehöhen

Aus den gemessenen Werten wurde die Masse der Schneedecke berechnet, die sich im letzten Winter angesammelt hat. Sie beträgt auf dem Goldbergkees durchschnittlich 1570 Kilogramm pro Quadratmeter und am Kleinfleißkees 1210 Kilogramm pro Quadratmeter, das entspricht 1,6 bzw. 1,2 Meter Wassersäule. „Das ist um rund zehn Prozent weniger Masse als im Mittel der letzten Jahre”, sagt ZAMG-Gletscherexperte Bernhard Hynek, „die Schneehöhen liegen dagegen näher an den langjährigen Mittelwerten, mit 4,25 Meter am Goldbergkees und 3,25 Meter am Kleinfleißkees. Denn ein großer Teil des Schnees fiel erst im April. Somit ist die Schneedecke noch relativ frisch und noch nicht so dicht gepackt, wie normal im Mai.”

Hier wurde gemessen./ZAMG/Flickr/Screenshot Hier wurde gemessen./ZAMG/Flickr/Screenshot ©

Winterschneedecke beeinflusst Schmelze im Sommer

Die Dicke der Winterschneedecke hat nur einen geringen Einfluss auf die Änderung der Gesamtmasse der Gletscher in einem Jahr, denn zum Großteil bestimmt die Witterung im Sommer, wie stark ein Gletscher schmilzt. „Trotzdem sind die Messungen im Winter für uns sehr interessant”, sagt Glaziologe Hynek, „denn die Verteilung der Schneehöhe am Gletscher bestimmt maßgeblich, an welchen Stellen das Eis im Sommer zuerst ausapert, und dort ergeben sich dann die größten oberflächlichen Massenverluste.”

Andere Gletscher mit noch weniger Schneemasse

Die österreichweiten Ergebnisse des operationellen Schneedeckenmodells SNOWGRID der ZAMG zeigen jedoch, dass die annähernd durchschnittliche Schneesituation am Hohen Sonnblick nicht repräsentativ für größere Bereiche Österreichs war. Der meteorologische Winter (Dez, Jän, Feb) war extrem trocken, die Niederschläge im April fielen bei relativ hohen Temperaturen und somit im Mittelgebirge oft schon als Regen. Dies führte zu unterdurchschnittlichen Schneeakumulation im hydrologischen Winter (Okt, Nov, Dez, Jän, Feb, März, Apr) in weiten Teilen Österreichs. Die Winterbilanz auf anderen Gletschern in Österreich reicht somit von durchschnittlichen Werten bis Werten um 25 Prozent unter dem langjährigen Mittel (siehe Link unten „Gletschertagebuch”).

Live-Bilder von den Gletschern

Den zeitlichen Fortschritt der Aussparung der Gletscher kann man seit kurzem über hochwertige Webcams live mitverfolgen (hier geht es zu den Livestreams am Goldbergkees und Kleinfleisskees). Vor allem in den Monaten Juli und August schmilzt die Winterschneedecke oft sehr rasch. Die Bilder sind auch ein sehr guter Indikator für die Massenverluste im Sommerhalbjahr. Denn je mehr Schnee schmilzt und je mehr Eisfläche am Gletscher während des Sommers sichtbar wird, desto größer sind die Massenverluste durch Abschmelzung. Derzeit verlieren die von der ZAMG vermessenen Gletscher im Mittel etwas weniger als einen Meter an Eisdicke pro Jahr.

Schneechemie: heuer kein Saharastaub im Gletscherschnee

Einen potentiellen Einfluss auf die Schmelze hat auch Saharastaub auf der Schneedecke, da der dunkle Staub mehr Sonnenlicht aufnimmt und sich die Schneedecke dadurch schneller erwärmt. Im Zuge der Dichtemessungen, bei denen Schneeprofile bis zum Gletschereis gegraben werden, werden oft die rotbraunen bis orange Schichten von Saharastaubereignissen des vergangenen Winters sichtbar. „Im Schneeprofil aus dem Winter 2015/16 waren zwei deutliche Schichten von Saharastaubereignissen im Februar und April 2016 zu erkennen. Diese konnten auch bei der chemischen Untersuchung des Schnees nachgewiesen werden, anhand erhöhter Calciumkonzentrationen und geringer pH-Werte in ebendiesen Schichten”, erklärt Marion Greilinger. Sie führt jährlich chemische Analysen des Schnees in einer Kooperation der ZAMG mit dem Institut für chemische Technologien und Analytik der Technischen Universität Wien durch. Im Profil der Schneedecke aus dem Winter 2016/17 waren keine durch Saharastaub gefärbten Schichten zu erkennen.

Wirkung von Saharastaub auf Schmelze schwer abschätzbar

Betrachtet man die gesamte Zeitreihe der chemischen Untersuchungen des Schnees am Goldbergkees seit 1987, so sind in 12 von 31 Jahren Saharastaubschichten optisch erkennbar gewesen. „Sie kommen also immer wieder vor. Aber wie groß ihr Einfluss auf das Abschmelzverhalten der Winterschneedecke wirklich ist, lässt sich leider noch nicht konkret bestimmen”, sagt ZAMG-Expertin Greilinger, „da es sich um nur gelegentliche und eher kurz dauernde Ereignisse handelt.”

Österreichische Kooperation und internationales Programm

Das laufende Gletscher- und Schneedeckenmonitoring auf den Gletschern des Sonnblicks und der Pasterze ist Teil des Programmes Global Cryosphere Watch der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und wird vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft finanziert.

Die Messungen der Winterbilanz sind eine langjährige Kooperation der ZAMG mit dem Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), wo die Messungen gleichzeitig als Praktikum für die Studierenden durchgeführt werden.

Leserreporter
Feedback


Aktuelle News

- Rekrut erschossen: Schwager de... +++ - Lehen: Radler streckt Mann mit... +++ - NR-Wahl: Wahlbeteiligung stark... +++ - NR-Wahl: Briefwahlstimmen sind... +++ - Bürmoos: Lokalbahngarnitur erf... +++ - Swap-Causa: Kein ständiger Unt... +++ - Neue Vorzeichen für Salzburger... +++ - Kaprun: 16-Jähriger nach Arbei... +++ - Wählerstromanalyse zur Nationa... +++ - Das Republic Cafè ist insolven... +++ - Lungauer Samson Druck und Data... +++ - Salzburger ÖVP verdoppelte Man... +++ - Raiffeisenverband Salzburg übe... +++ - Unken: Ein Toter und zwei Verl... +++ - Das war die Fight Night 2.0 in... +++
0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen