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Die Macht gegen WoW: Star Wars the Old Republic

Die Macht gegen WoW: Star Wars the Old Republic. Die Macht gegen WoW: Star Wars the Old Republic.
von VOL.AT/Alf Waibel - Seit dem erfolgreichen Release von Word of Warcraft vor mittlerweile 8 Jahren haben zahlreiche MMOs versucht, sich am Markt zu etablieren. Das kürzlich releaste Star Wars the Old Republic könnte es dank offizieller Star Wars Lizenz schaffen, am süßen MMO-Markt-Kuchen dauerhaft mitzuknabbern.

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Es klang wie die Offenbarung für Star Wars Fans und es war ein Lichtblick für begeisterte MMOler, die der Zeit in Azeroth langsam überdrüssig wurden: Bioware und Electronic Arts entwickeln mit Hilfe von Lucas Arts ein story- und dialoglastiges dynamisch zu spielendes MMO im bekannten Star Wars-Universum. Endlich mal als edler Jedi die Lichtschwerter schwingen oder als böser Sith auf den Spuren von Darth Vader wandeln. Einige Jahre sind seit der Ankündigung ins Land gezogen – seitdem hat sich der Branchenriese WoW dank einiger ungeliebter Addons nicht gerade eine durchwegs zufriedene Fanbase geschaffen. Die besten Voraussetzungen für einen Underdog im MMO Sektor.

Start im Dezember 2011

Dezember 2011, kurz vor Weihnachten, war es endlich soweit: Die ersten Spieler, zuallererst die Vorbesteller, durften in Wellen auf die Live-Server. Und obwohl Bioware und Electronic Arts versprachen, den reibungslosesten Start aller MMOs ever garantieren zu wollen, stauten sich spätestens zum Releasetag für jedermann die Spieler in endlosen Warteschlangen auf den Servern – die zugegebenermaßen für diejenigen, die im Spiel waren, weitestgehend lagfrei und sauber liefen. Auch war und ist das Spiel größtenteils bugfrei, keine wesentlichen Fehler stören den Spielfluss.

Alles beginnt mit einem fulminanten Introvideo: Die Story spielt etwa 3.500 Jahre vor den Filmen – die Galaktische Republik galt unter dem Schutz ihrer treuen Jedi-Wächter seit Jahrhunderten als größte Hoffnung auf den Fortschritt der Zivilisation und der galaktischen Einheit. Derweil wurde unter der Führung mächtiger Sith Lords tief im unbekannten Raum ein Imperium geschaffen, das von der Unterjochung der Galaxis und der Rache an den uralten Feinden – den Jedi – träumte. Zu Beginn des Intros erlebt der Spieler den Start der Offensive der Sith gegen die Republik. Dutzende von Planeten im Outer Rim fallen unter die Kontrolle des Imperiums. Schließlich nötigten die Sith dem Senat der Republik die Unterzeichnung eines für die Republik ungünstigen Friedensvertrags – dem Vertrag von Coruscant – ab.

Vier Klassen auf jeder Seite

Während die Republik nun versucht, ihre zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen, plant der Sith-Imperator im Geheimen neue Teufeleien gegen die Jedi. In dieses Szenario wird der Spieler nun geboren und darf sich entweder dem Imperium oder der Galaktischen Republik anschließen. Dabei gibt es vorerst in Sachen Charakterwahl nicht übermäßig Vielfältiges zu entdecken: Vier Klassen auf jeder Seite, mit einer ähnlich zu spielenden auf der Gegenseite. Die Klassen mit Spiegelklassen sind: Jediritter/Sith Krieger, Jedi Gelehrter/Sith Inquisitor, Schmuggler/Imperialer Agent und Soldat/Kopfgeldjäger. Die Besonderheit der Klassenwahl eröffnet sich erst mit Level 10 – welches aber für geübte Spieler rasch erreicht ist. Hier stehen jeder Klasse zwei Wege mit jeweils drei zum Teil sehr unterschiedlichen Talentbäumen offen. So gibt es im Spiel auch keine festgelegten Rollen – denn Schmuggler, Imperiale Agenten, Soldaten und Jedigelehrte können die Heilerrollen übernehmen, wobei letztere zusammen mit Soldaten und Jedirittern und Sith Kriegern je nach Skillung auch die Tank-Rolle übernehmen können. Es kann jedoch auch jede Klasse auch als Damagedealer gespielt werden, selbst reine Heilskillungen teilen noch ordentlich Schaden aus, um sich gegen die Gegnerschaft im Spielfortlauf zur Wehr zu setzen.

Und diese weiß zu überzeugen: Praktisch kaum Einzelgegner, meist Gegnergruppen, im späteren Verlauf auch immer mit unterschiedlich starken Gegnern, zusammengesetzt aus Nahkämpfern, Heilern und Tanks, verlangen dem Spieler mehr Aufmerksamkeit ab als in klassischen MMOs. Die Stärke der Gegner unterteilt sich im normalen Spielverlauf in vier Stufen, welche gleich ersichtlich sind. Gegner mit einer silbernen Markierung sind schon eine harte Nuss, jene mit einem goldenen Stern alleine nur schwer zu erlegen. Von Gegner mit einem Gold/Silbernen Strahlenkranz ums Symbol sollte man alleine die Finger lassen, selbst wenn man mehrere Level über dem Gegner ist – diese gelten als sogenannte „Bosse“, hier Champions genannt.

Begleiter schließen sich an

Das Spielerleben erleichtern die Begleiter, die jede Klasse in SWTOR im Lauf der Zeit erhält. Im Spielverlauf schließen sich immer mehr Begleiter dem Charakter an, einer darf jeweils als aktiv mitgeführt werden. Heiler heilen recht ordentlich, Tanks tanken was das Zeug hält – mit der Zeit wachsen einem die KI-Kameraden dank eigenständiger Persönlichkeit und der Möglichkeit, diese ebenso mit Ausrüstung auszustatten wie den Spielecharakter, ans Herz. Tief in der Spielmechanik vergraben ist zudem ein Moral- und Sozialsystem. Wer ständig böse entscheidet, der verfällt immer mehr der dunklen Seite – was nicht jeder Begleiter toll findet. Wohingegen einem wohlgesonnene Begleiter sich sogar in den Spielecharakter verlieben können. Böse Zungen bezeichnen aufgrund des starken, meiner Meinung nach sehr stimmigen Begleitersystems SWTOR schon als Singleplayer-RPG mit MMO-Anteil. Dem gegenüber stehen aber die in jedem Gebiet angesiedelten sogenannten “Helden-Aufgaben”. Diese sind spätestens ab dem mittleren Levelbereich – das Maximallevel liegt derzeit bei 50 – nur noch mit zwei physischen, manche gar nur mit vier physischen Spielern schaffbar. Da machen KI Kameraden meist eine zu schlechte Figur.

Darüber hinaus bietet SWTOR auch Instanzen – also besonders schwere Spielabschnitte, die nur zu viert wirklich schaffbar sind – Flashpoints genannt, oder auch Raids, wie in anderen MMOs auch üblich. Hier winkt besonders fette Beute. Ein durchaus gelungenes Crafting-System, das ins Setting von Lichtschwertern und Blasterfeuer passt, rundet das Spielgeschehen ab. Die Besonderheit dabei: Man kann selbst Rohstoffe sammeln, aber auch seinen Gefährten sammeln lassen. Das Craften von Gegenständen übernimmt dabei in einem recht simplen aber durchdachten System einer der Begleiter, währenddessen er auch abwesend und im Spiel sonst nicht mehr nutzbar bleibt.

Individualisierung im Endgame

Eine der weiteren Besonderheiten des Spiels ist das Quest- und Dialogsystem, das so in dieser Form auch in Singleplayer-Rollenspielen wie Mass Effect zur Anwendung kommt. Statt dröger Textkästen, die man ohnehin nur wegklickt, erhält man seine Aufträge in stimmigen voll animierten hochaufgelösten Dialogsequenzen, dabei kann man seine Antwort aus mehreren Optionen wählen – von treu ergeben bis hin zu frech oder gar böse ist da alles dabei. Je nach Entscheidung oder Abschluss bestimmter Quests erhält man dunkle oder helle Seite-Punkte. Aufgrund der jeweiligen Stufe und Ausrichtung des Charakters kann man später dann auch nur bestimmte Ausrüstung tragen. Das sorgt im Endgame noch einmal für Individualisierung.

Die Fortbewegung erfolgt auf Planeten mit Taxis oder im späteren Verlauf auch mit immer besseren Speedern, von Planet zu Planet bewegt man sich mit seinem eigenen Raumschiff oder Fähren. Diese Sequenzen sind aber noch recht dröge, einzig unterbrochen durch Ladebildschirme. Überhaupt krankt das Game an einem mangelnden Freiheitsgefühl. Der Großteil der Planeten und Spielabschnitte sind sehr begrenzte Areale, oft schlauchartig zu durchqueren, mit einem hohen Anteil an Innenbereichen auf Stadtplaneten wie Coruscant. Daneben verwöhnen begrenzte, aber bildhübsch designte Regionen wie Tython oder Alderaan, auf der anderen Seite bedrücken kahle Gegenden wie Hoth oder Tatooine. Star Wars-Fans kommen aufgrund der originalen Schauplätze auf jeden Fall auf ihre Kosten.

Lichtschwertgesurre und Blasterfeuer

Technisch ist SWTOR sehr rund, wenn auch nicht gerade eine Technikgranate. Allerdings ist der comichafte bunte Look sehr stimmig und wahrscheinlich nicht aus Zufall nahe an WoW dran. Von den Texturen darf man sich nicht allzu viel erwarten, dafür wird man in Kämpfen, welche sehr dynamisch ablaufen, von einem wahren Effektgewitter aus Machtblitzen, Lichtschwertgesurre und Blasterfeuer in Erstaunen versetzt. Einige der Zonen haben aber – aufgrund der rudimentären Grafik etwas unverständlich – noch große Framerateprobleme selbst auf guten Spielsystemen. Die Itemvielfalt ist nicht überragend, aber durchwegs stimmig, Jedis in Roben, Soldaten in dicken Sturmtrupp-Style Rüstungen, Schmuggler in Wildwest-Outlaw-Look. Dem Charme dieses Settings kann sich niemand entziehen. Items lassen sich zudem mit Modifikationen aufrüsten und individualisieren.

Fazit:

Bleibt die Frage aller Fragen: Wie schlägt sich SWTOR – auch im Gegensatz zum Klassenprimus und Platzhirsch WoW? Ich habe jedenfalls seit Release von SWTOR den WoW-Launcher nur noch ab und zum Patchen gestartet. WoW ist größer, epischer, SWTOR ist dynamischer, spannender. SWTOR versteht es, den Spieler durch seine persönliche Story ins Geschehen zu ziehen, während man bei WoW nur Quests abarbeitet, die in drögen Textfenstern präsentiert werden. Ich kann mich mit meinem SWTOR-Helden und seinen Begleitern identifizieren, was besonders auch am spannenden Moralsystem liegt. In WoW spiele ich einfach nur eine Klasse, die mir gut liegt. In WoW sind die Spieler auf der Jagd nach den Uber-Items, in SWTOR erleben sie eine Geschichte. So ist auch der Ton in den zwei Spielen: In WoW ist man heute rasch ein „Noob“, in SWTOR helfen die Spieler einander, der Ton ist freundlich, man genießt das Spielgeschehen. Ich weiß nicht, ob ich in drei oder vier Monaten noch SWTOR spiele – aber zur Zeit macht es mir noch einen Riesenspaß. Langfristig wird Bioware aber in wichtigen Bereichen nachbessern und abliefern müssen. Das enge Korsett von Schlauchleveln und Ladebildschirmen werden wir wohl in SWTOR nicht mehr verlassen können. Mein persönliches Fazit: Star Wars-Fans oder auch MMO-Spieler auf der Suche nach Abwechslung werden eine gute Weile Spaß in “Star Wars the Old Republic” finden können. Kein bahnbrechendes MMO, das Bioware hier abliefert, aber eines mit neuen, spannenden und frischen Impulsen. Mal sehen, was die Zukunft hier noch so bringt.



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