Die Sehnsucht nach der perfekten Schönheit

Viele versuchen einem Schönheitsideal nachzueifern. (Symbolbild)
Viele versuchen einem Schönheitsideal nachzueifern. (Symbolbild) - © APA/Roland Schlager/Archiv
Schönheitschirurgie ist schon längst kein Thema mehr, mit dem sich nur reifere Frauen beschäftigen, die mithilfe eines Chirurgen die ersten Fältchen wegzaubern lassen wollen. Schon Jugendliche träumen von der perfekten Schönheit.

Models in diversen TV-Sendungen, Instagram-Berühmtheiten oder auch Hollywood-Ladies machen es vor: Die Beine müssen lang, der Busen füllig, die Hüften schmal sein. Auch der Schmollmund und die “perfekte” kleine Nase stehen ganz oben auf der Wunschliste.

Make-Up, Diäten und das perfekte Styling reichen schon lange nicht mehr aus, um dieses Traumziel zu erreichen. Die Anzahl der Schönheits-OPs steigt von Jahr zu Jahr, und eine britische Umfrage hat gezeigt, dass vier von fünf Personen mit dem Gedanken spielen, sich unter das Messer zu legen.

Auch Jugendliche träumen von der OP

Eine Umfrage unter 10.000 Kindern und Jugendlichen hat gezeigt, dass jedes fünfte Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren von einem chirurgischen Eingriff phantasiert. Die Autorin Katharina Weiß ist deshalb bereits 2011 der Frage nachgegangen, warum die Schönheits-OP auch ein Thema für Jugendliche ist. Die Autorin war damals erst 16 Jahre alt und führte zahlreiche Gespräche mit Gleichaltrigen. Dabei musste sie feststellen, dass viele Mädchen bereits in jungen Jahren so unzufrieden mit sich sind, dass sie sich einen chirurgischen Eingriff wünschen. Katharina Weiß hat ihre Erkenntnisse in dem Buch “Schön?!” veröffentlicht und den Jugendlichen damit eine Stimme gegeben. Ihr Buch hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. In den von ihr aufgezeichneten Gesprächen mit Freundinnen und Freunden wird klar, dass sich die Jugendlichen vor allem in der Pubertät sehr schwer damit tun, ihren eigenen Körper zu akzeptieren. Das Problem bestehe vor allem darin, dass der Öffentlichkeit durch die Medien ständig perfekte Körper und makellose Gesichter als Ideal vorgegaukelt werden.

Der Sprung vom Wunschdenken zur Umsetzung ist dennoch beachtlich. 2011 wurden in Deutschland nur 1,3 Prozent aller Eingriffe an Minderjährigen durchgeführt, wobei die Anzahl von Unfallopfern o.ä. nicht mitgerechnet ist. Bei diesen rein ästhetischen Eingriffen handelte es sich jedoch in den meisten Fällen um kindgerechte Operationen, bei denen beispielsweise abstehende Ohren angelegt wurden. Dr. Jörg Dabernig, Facharzt in ästhetischer Chirurgie in Salzburg, ist von dem Buch der Jung-Autorin sehr angetan: “Mit diesem Buch wird das Zielpublikum wirklich erreicht.” Allerdings glaube er nicht, dass das Lesen des Buchs ein Ersatz für ein Gespräch mit einem Facharzt sein kann.

Die ärztliche Verantwortung

Vor allem bei Jugendlichen ist ein verantwortliches Verhalten der Ärzte sehr wichtig. Es gibt eine Reihe von strengen Richtlinien, mit denen Jugendliche geschützt werden. Laut Dr. Dabernig ist es heute so, dass Jugendliche unter 18 in Österreich keine Eingriffe an sich vornehmen lassen dürfen, wenn die Eltern keine Einverständniserklärung unterschrieben haben. In Deutschland wollte man schönheitschirurgische Eingriffe zeitweise sogar ganz verbieten. Zu den Ausnahmen gehören Unfallopfer, bei denen die ästhetische Chirurgie ein völlig anderes Ziel verfolgt.

Aber auch in diesen Fällen müssen die Ärzte, so der Facharzt, einen vorsichtigen Verlauf planen. “Wenn ein Unfallopfer nur elf Jahre alt ist, wächst der Körper ja noch. Das Kind ist nicht ausgewachsen. Deshalb nehmen wir direkt nach dem Unfall nur die wichtigsten Eingriffe vor. Der Feinschliff kommt dann später.”

 

Leserreporter
Feedback


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen