Doppelmord in Wien: Verdächtiger hatte offenbar Geliebte

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Kerzen vor dem Eingang des Hauses in dem die Opfer gelebt hatten
Kerzen vor dem Eingang des Hauses in dem die Opfer gelebt hatten - © APA/Westphal
Wende im Fall des unter Doppelmordverdacht stehenden Wiener Polizisten: Der Beamte ist diese Woche erneut vernommen worden und hat sein Geständnis erweitert. Demnach hatte er seit Monaten eine Geliebte. Mit ihr soll er auch in einem Vergnügungspark gewesen sein, nachdem er seine Freundin erschossen hatte. Den gemeinsamen Sohn erwürgte er seiner Darstellung zufolge erst am darauffolgenden Tag.

Die Anwältin des Polizisten, Iris Augendoppler, bestätigte der APA, dass das Geschehen anders als bisher medial transportiert abgelaufen sein dürfte und mit der ursprünglichen Verantwortung des 23-Jährigen nicht in Einklang zu bringen ist. Nach seiner Festnahme hatte der Mann behauptet, dass die gebürtige Kärntnerin ihn beschimpft, geschlagen und eingesperrt haben soll. Ein Streit sei eskaliert und er habe schließlich zu seiner Dienstwaffe gegriffen.

Nach Bluttat an Freundin: Treffen mit Geliebter

Nach den neuen Erkenntnissen tötete der Polizist am 2. Oktober gegen Mittag seine im sechsten Monat schwangere Freundin, “weil sich so viel in ihm aufgestaut hat”, sagte Augendoppler. Gleich im Anschluss schrieb er der 29-Jährigen, mit der er seit Monaten ein Verhältnis hatte, ein SMS. “Sorry, hat leider länger gedauert. Wegen Claudia”, zitierte die “Kronen Zeitung”. Um 15 Uhr traf er sich mit der Frau und ihren beiden Kindern in einem Vergnügungspark in Wien-Donaustadt. Auch den 21 Monate alten Sohn hatte er mit.

Sohn sollte nicht ohne Mutter aufwachsen

Am Abend reinigte er das Bett vom Blut, entsorgte Decken und Polster im Müll, ehe er den Buben ins Bett brachte. Als dieser am nächsten morgen, dem 3. Oktober, munter wurde, bereitete er ihm noch Frühstück zu, zog das Kind an, ehe er es erwürgte. “Er spielte gerade. Ich habe beide Hände verwendet”, zitierte die “Kronen Zeitung” aus dem Protokoll. “Mein Mandant wollte nicht, dass der Sohn ohne Mutter aufwächst”, bestätigte seine Verteidigerin.

23-Jährige hatte Angst vor Lebensgefährten

Der 23-Jährige verpackte beide Leichen, legte sie in den Keller und säuberte die Wohnung. Außerdem soll er der Familie seiner toten Freundin mit ihrem Handy noch eine SMS geschrieben haben, dass die Frau Ruhe brauche und den Tag mit ihm und dem Kind verbringe. Am Abend lud er seine Geliebte zu sich in die Wohnung ein. Der Polizist sei wie immer gewesen, “lieb, schüchtern, romantisch”, zitierte die Zeitung aus der Einvernahme der Frau. Die 29-Jährige übernachtete beim Polizisten. Dies habe sie mehrmals pro Woche getan, schrieb die “Kronen Zeitung”. Der Polizist habe ihr erzählt, dass er seit Monaten von seiner Freundin getrennt sei. Die 25-Jährige hat laut dem Bericht den Sommer beinahe gänzlich bei ihren Eltern in Kärnten verbracht. Handynachrichten zwischen der Freundin und ihrer Mutter belegen auch, dass die Frau Angst vor ihrem Lebensgefährten gehabt hatte.

Polizist versuchte Blutspuren zu überdecken

Am Tag nach der zweiten Bluttat, dem 4. Oktober, soll der Polizist Farbe gekauft und den Keller ausgemalt haben, um die Blutspuren zu überdecken. Außerdem packte er die Leichen in das Auto, ehe er bei seinen Kollegen eine Vermisstenanzeige erstattet. In seiner Dienststelle meldete er sich krank, fuhr zu seiner Familie in die Steiermark. Dort wurde er fünf Tage nach der ersten Bluttat festgenommen.

(APA)

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