Drohnen: Wiener Hersteller sieht Zukunft im zivilen Luftverkehr

-Geschäftsführer Hannes Hecher am Freitag, 21. April 2017, im Rahmen eines Interviews mit der APA.
-Geschäftsführer Hannes Hecher am Freitag, 21. April 2017, im Rahmen eines Interviews mit der APA. - © APA/GEORG HOCHMUTH
Das Wiener Unternehmen Schiebel ist Weltmarktführer bei unbemannten Helikoptern, sogenannten Drohnen. Sein Aushängeschild, der Camcopter S-100, ist seit rund zwölf Jahren am Markt. Die Zukunft sieht Geschäftsführer Hannes Hecher im zivilen Bereich. Deshalb bemüht sich Schiebel seit Jahren um eine Zertifizierung der europäischen Luftfahrtbehörde (EASA) für den zivilen Luftraum.


Rund 300 Camcopter hat Schiebel bisher verkauft – alle ins Ausland. Abnehmer waren zu 80 Prozent der öffentliche Sektor, also Regierungen, Innen-, Verteidigungs- und Finanzministerien. Die Kosten für ein komplettes System mit zwei Camcopter samt Hightech-Kameras und Bodenstation liegen im einstelligen Millionenbereich. 200 Kilogramm wiegt der unbemannte Hubschrauber. “Wir kämpfen in der Entwicklung um jedes Gramm”, sagte Hecher im Gespräch mit der APA bei einer Führung durch den Produktionsstandort Wiener Neustadt.

Sechs Stunden kann der unbemannte Hubschrauber in der Luft bleiben, der Camcopter benötigt weder eine Start- noch eine Landebahn, kann laut Hersteller auch in enge Täler einfliegen und bei starkem Wind sicher landen. 40 bis 50 Stück werden jährlich im Werk nahe Wiener Neustadt produziert. “Bis zu 100 sind möglich”.

Drohnen-Produktion seit 1990er-Jahren

Schiebel wurde 1951 gegründet und produziert seit den 1990er-Jahren Drohnen. Der ursprüngliche Gedanke war, die Minensuche zu verbessern und von der Luft aus möglich zu machen. Das funktioniert bis heute nicht. Aber noch jetzt ist Schiebel auch in der Minensuche tätig. Dies sei jedoch “aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwunden, daher steht auch weniger Geld dafür zur Verfügung”, sagte Hecher.

2006 gab es erste Großaufträge für den Camcopter, so wurden 60 Stück an die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert, dort hat Schiebel einen eigenen Produktionsstandort. “Es wäre ohne die Emirate nicht möglich gewesen, die Tests zu finalisieren, die wir gebraucht haben”, sagte Hecher.

Militärische und zivile Einsetzmöglichkeiten

Die Helikopter-Drohnen gelten als sogenannte Dual-Use-Güter und können sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich verwendet werden, was immer wieder für Kritik sorgte. Eine Bewaffnung des Camcopter wird von Schiebel definitiv nicht unterstützt, betonte Hecher. “Die Camcopter sind kein Kampfmittel”, sagte der Geschäftsführer.

Eingesetzt wurden die Drohnen unter anderem von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zur Überwachung des Waffenstillstands in der Ostukraine. Dieses Projekt endete nach rund zwei Jahren 2016. Die im Donbass eingesetzten Drohnen waren wiederholt mit Störsignalen attackiert worden, mehrere Drohnen wurden abgeschossen. Schiebel habe aus diesem Einsatz jedenfalls “sehr viel gelernt”, sagte Hecher.

In den vergangenen drei Jahren waren Schiebel-Drohnen auch im Mittelmeer im Einsatz, um Flüchtlinge zu retten. Unterstützt wird die Hilfsorganisation Migrant Offshore Aid Station (MOAS). Diese verfügt mit der “Phoenix” über ein 40 Meter langes Schiff im Mittelmeer, auf dem der unbemannte Hubschrauber eingesetzt wird. Tausende Menschen wurden so gerettet. Eine Fläche von der Größe des Burgenlands kann mit dem Camcopter beispielsweise binnen vier Stunden abgesucht werden, erläuterte Hecher.

Seit Jahren bemüht sich Schiebel bei der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) um eine Zertifizierung. Diese ist mit sehr hohen Investitionskosten verbunden, sagte Hecher. Der Prozess läuft ähnlich wie bei einem neuen Passagierflugzeug. Damit soll der Camcopter dann auch für den zivilen Flugverkehr zugelassen werden. Dadurch sollen “neue Geschäftsfelder erschlossen werden”, betonte Hecher, der in Europa einen großen Markt sieht.

“Land- und Forstwirtschaft haben ein hohes Potenzial, wir können beispielsweise in Niederösterreich Flüge über Felder durchführen, und den Zustand von Pflanzen und Bewässerung prüfen, Ernte- oder Unwetterschäden feststellen”, sagte Hecher. Als weitere Einsatzmöglichkeiten nannte er etwa die Überwachung und Überprüfung von Hochspannungsleitungen, Pipelines und Bohrinseln, Verkehrsüberwachung aus der Luft oder auch Unterstützungseinsätze bei Umwelt- und Naturkatastrophen. Auch im Kampf gegen Piraterie oder zur Überwachung von Grenzen können die Drohnen eingesetzt werden.

(APA)

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