Duran Duran ließen es im Gasometer 80ern

Akt.:
Stimmprobleme? Völlig egal! Stimmprobleme? Völlig egal! - © APA/HERBERT P. OCZERET
Na endlich haben sie es geschafft: Nachdem 2011 das geplante Konzert von Duran Duran mehrmals aufgrund der Stimmprobleme von Sänger Simon Le Bon verschoben werden musste, war es am gestrigen Montagabend so weit.

Und der Gasometer war wohl gefüllt – immerhin hatten Duran Duran schon 30 Jahre Zeit, Fans einzusammeln. Als Entschädigung für den verspäteten Besuch von Disco-Beats und Co gab es einen souveränen Start-Ziel-Erfolg der ehemaligen Poster-Boys, gespickt mit alten Großtaten und neuen Einsprengseln.

Alte Duran Duran Hits, neu veredelt

Das orchestrale Intro des Openers “Before The Rain” vom aktuellen Album “All You Need Is Now” sollte an diesem Abend noch den feinfühligsten Part markieren, danach wurde knapp zwei Stunden lang die große Geste mit allen Mitteln des Rock und Pop exerziert. Schon “Planet Earth” vom selbstbetitelten Debüt überzeugte durch einen knackigen, wenn auch nicht immer ganz transparenten Sound, den speziell Session-Gitarrist Dom Brown immer wieder mit Zwischenspielen veredelte. Garniert wurde der musikalische Rundumschlag mit einer effektvollen Video- und Lichtshow, die sich aber leider im Laufe der Zeit selbst zu überholen drohte und etwas repetitiv wurde.

Dafür lässt sich behaupten, dass Duran Duran auch am Anfang ihrer vierten Dekade als Band nichts von ihrer Daseinsberechtigung eingebüßt haben. In Würde altern wäre zwar vielleicht etwas zu viel behauptet, sind doch die Bewegungen und modischen Anflüge gerade von Sänger Le Bon oder Keyboarder Nick Rhodes zu sehr “ihrem” Jahrzehnt, den 1980ern, verhaftet. Allerdings kann man Hits wie “Wild Boys”, dem durch US-Rapper Notorious B.I.G. auch im Hip-Hop zu Ruhm gekommenen “Notorious” oder dem zurückhaltenden “Ordinary World” ihre Qualität einfach nicht absprechen.

Twitter interessiert angegraute Fans nicht wirklich

Verstärkt durch Sängerin Anna Ross und Multiinstrumentalist Simon Willescroft gaben Le Bon, Rhodes sowie Schlagzeuger Roger Taylor und Bassist John Taylor dem Publikum was es wollte, und das war eine Reise in die Vergangenheit mit modernen Mitteln. Dass man sich “nach 30 Jahren auf der Bühne immer noch überraschen lassen kann”, wie es John mit dem Aufruf, per Twitterbotschaft etwas an die Videowall zu senden, vermerkte, ging allerdings etwas in die Hose: das Wiener Publikum ließ den überdimensionalen Bildschirm schwarz bleiben. Dafür gab Le Bon den Experten in Animation, ließ sich von einer Besucherin ansagen und leuchtete mit Glitzerhemd auch in den letzten Winkel des Saals.

Perfekter Pop im Gasometer

Dass der charismatische Sänger im Laufe des Auftritts nicht immer alle Töne exakt traf, kann dabei getrost übersehen werden – gerade angesichts der Tatsache, dass seine Stimmprobleme die Band zur mehrmonatigen Pause im vergangenen Jahr zwangen. In diesen Fällen gab das Publikum das lautstarke Sicherheitsfangnetz, wenn “Hungry Like The Wolf” oder “Girls On Film” ins ekstatische Halbrund der Gasometer-Halle schallten. Die unverwechselbare Stimme und der Sound von Duran Duran verzauberten die Zuseher. Die Stimmung war schlicht weg mitreißend. Perfekt gemachter Pop wurden mit angenehmen Ecken und Kanten serviert und alter Sound mit neuen Melodien gekonnt vermischt- und somit die lange Wartezeit bei den meisten Besuchern auf Duran Duran schnell vergessen gemacht.



Leserreporter
Feedback
0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen