E-Autos auf Busspuren gefährden öffentlichen Verkehr

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Mit einem grünen Kennzeichen sollen zahlreiche Vorteile für E-Autos kommen.
Mit einem grünen Kennzeichen sollen zahlreiche Vorteile für E-Autos kommen. - © APA/dpa-Zentralbild/Jan Woitas
Die Regierung will mit 72 Millionen das Elektroauto attraktiver machen. Dafür sollen auch die Busspuren für die E-Autos geöffnet werden. Die Berufsgruppe Nahverkehr des FV Schienenbahnen der österreichischen Wirtschaftskammer sieht darin eine Gefährdung für die Öffis.

Mit einem 72 Millionen Euro schweren Paket will die Regierung ab 2017 den Kauf von Elektroautos fördern. Für ein reines E-Auto bekommen Käufer eine Prämie von 4.000 Euro, bei gemischten Modellen schießt der Staat 1.500 Euro zu.

Öffnung der Busspuren und Gratisparken

Doch es gibt nicht nur Prämien. Die Regierung will außerdem extra Nummerntafeln für elektrische Autos, die mit zahlreichen Vorteilen kommen. Sie sollen etwa Gratisparken, eine Erweiterung der Lieferzonen und die Erlaubnis, die Busspuren mitzubenutzen mit sich bringen. Das muss noch auf kommunaler Ebene geklärt werden. Die Tempolimits des Luftreinhaltegesetzes IG-L sollen allerdings auch für die E-Autos gelten, das berichtete der ORF am 23.11.2016.

v.l.n.r:  Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ), Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) und Günther Kerle (Automobilbranche). /Foto: APA/HERBERT PFARRHOFERAPA/HERBERT PFARRHOFER v.l.n.r:  Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ), Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) und Günther Kerle (Automobilbranche). /Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER ©

Attraktivität der Öffis gefährdet

Die Öffnung der Busspuren ist der Berufsgruppe Nahverkehr des FV Schienenbahnen der österreichischen Wirtschaftskammer (WKO) ein Dorn im Auge. Sie sieht die Attraktivtät des öffentlichen Verkehrs gefährdet, wie sie am Donnerstag in einer Aussendung mitteilte.

Im Sinne einer nachhaltigen Mobilität und des Klimaschutzes – so sind sich die Vertreter aus Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Graz und Klagenfurt einig – muss das übergeordnete Ziel die Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs sein. Jeder zusätzliche Verkehr, egal ob durch klassisch oder elektrisch angetriebene Fahrzeuge verursacht, stellt auf der Busspur eine Einschränkung dar und senkt durch zeitliche Verzögerungen und Sicherheitsdefizite im Ampel- und Haltestellenbereich die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs.

Haibach: “Öffis brauchen ihre Busspuren selber”

Peter Haibach von der Salzburger Verkehrsplattform hat die Neuigkeiten mit Erstaunen wahrgenommen. “Der öffentliche Verkehr ist seit Jahren unterfinanziert, es ist nicht die Aufgabe der Regierung, die Autoindustrie zu sponsern”, so Haibach gegenüber SALZBURG24. Die Autofahrer würden doch sowieso schon im Stau stehen, mehr Elektroautos würden auch mehr Individualverkehr bedeuten, erklärt er. Dabei habe er nichts gegen Elektroautos, es sei “an sich gut, dass es sie gibt.”

Der Vorschlag der Regierung sei kontraproduktiv, “die Öffis brauchen ihre Busspuren selber.” Mit dem Geld sollten längt überfällige Forderungen erfüllt werden. So fordert Haibach ein Ticket, das für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Österreich gilt sowie Taktfahrpläne.

Immer wieder Behinderung der Busse

Peter Brandl, Bereichsleiter der Salzburg AG, zeigt sich überzeugt, dass “sinkende Pünktlichkeit, schlechtere Qualität und verminderte Verkehrssicherheit die langjährigen und hohen Investitionen in den öffentlichen Verkehr zur Attraktivierung und Effizienzsteigerung ad absurdum führen.”

In Linz, wo bereits vor einigen Jahren die Busspuren für Radfahrer geöffnet werden mussten, hat man bereits einige Erfahrungen gesammelt und stellt fest, dass es immer wieder zu einer Behinderung der Busse des öffentlichen Verkehrs kommt.

Trittbrettfahrer und Überwachungsdefizit

Es sei, so Martin Baltes, Geschäftsführer der Innsbrucker Verkehrsbetriebe, zu erwarten, dass sich auch Pkws mit Verbrennungsmotoren des Vorteils der E-Autos bedienen und als Trittbrettfahrer die Busspur nutzen würden. Derzeit fehlt noch jegliche Möglichkeit, zu erkennen oder gar aktiv durch die Exekutive zu steuern, welches Fahrzeug auf der Busspur fahren darf. Für eine derartige Überwachung wären enorme Ressourcen erforderlich, die – so die einstimmige Meinung – in keinem Verhältnis zum Nutzen der Busspuren-Öffnung stehe.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz nicht gewährleistet

Linienbusse, vor allem Gelenksbusse, sind mit bis zu 143 Fahrgästen die effizientesten Verkehrsmittel und nutzen auch die vorhandene Verkehrsfläche viel effizienter als jeder PKW. Egal, mit welchem Antrieb.

Auch das Erreichen der Klimaschutzziele des Pariser Vertrags, erklärt der Direktor der LINZ LINIEN GmbH, Albert Waldhör, sei mit einer solchen Initiative nicht zu erfüllen. “Dies ist nur mit einer Verlagerung vom Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr realisierbar, da jede vermiedene Fahrt mit dem PKW die Umwelt im Verhältnis 1:6 entlastet. Für die Erreichung der Klimaschutzziele ist die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs entscheidend”, so Waldhör.

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