Ebola: Dutzende hatten Kontakt zu US-Patient

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Vermehrt Kritik an texanischer Klinik
Vermehrt Kritik an texanischer Klinik
Im Ebola-Fall von Texas haben deutlich mehr Menschen als bisher angenommen Kontakt zu dem erkrankten Mann und seiner Familie gehabt. Statt 18 Personen könnten es bis zu 80 gewesen sein, berichtete der US-Sender NBC am Donnerstag unter Berufung auf den Gesundheitsdienst in Dallas. Vier Familienangehörige des Patienten wurden angewiesen, als Vorsichtsmaßnahme ihre Wohnung nicht zu verlassen.


Der Erkrankte selbst befindet sich auf einer Isolierstation in Dallas in einem kritischen Zustand. Ende September war das Virus bei dem Liberianer in Dallas diagnostiziert worden, der sich in seinem Heimatland angesteckt hatte und für einen Familienbesuch in Texas aufhielt. Da er vor seinem Abflug in die USA keine Symptome der Krankheit gezeigt habe, könne von einem Versagen der Flughafenkontrollen in Monrovia keine Rede sein, erklärte die US-Gesundheitsbehörde CDC.

Allerdings wirft der Fall kein gutes Licht auf die medizinische Erstversorgung in Texas: Denn der Mann hatte wegen seiner Beschwerden schon am 25. September eine Klinik aufgesucht und auf Nachfrage der zuständigen Krankenschwester bejaht, gerade erst aus Afrika eingereist zu sein. Trotzdem schickte sie ihn wieder nach Hause, weil die Ärzte nach Angaben der Gesundheitsbehörden seine Unterleibsschmerzen und niedrigen Fieberwerte als typische Symptome einer “üblichen Virus-Erkrankung” werteten.

Erst drei Tage später wurden die Beschwerden so schlimm, dass er erneut mit einem Krankenwagen in die Klinik gebracht und schließlich unter Quarantäne gestellt wurde. Drei Rettungssanitäter wurden später negativ auf Ebola getestet, stehen wegen der bis zu dreiwöchigen Inkubationszeit aber weiter unter Beobachtung. Da der Infizierte vor der Einweisung ins Krankenhaus auch Kontakt zu Schülern hatte, wurden mehrere Kinder vorsichtshalber vom Unterricht ausgeschlossen und untersucht. Die US-Gesundheitsbehörden forderten die Krankenhäuser auf, Lehren aus dem Vorgehen in Dallas zu ziehen.

Liberias Regierung äußerte ihr “Bedauern” darüber, dass trotz strikter Sicherheitsvorkehrungen in Monrovia nun auch in den USA ein Ebola-Fall aufgetaucht sei. Der Vorfall dokumentiere “die klare internationale Dimension dieser Ebola-Krise”, erklärte das liberianische Informationsministerium am Donnerstag. Auf Liberia entfallen fast zwei Drittel der mehr als 3.300 in Westafrika registrierten Ebola-Toten. Die anderen beiden Krisenzentren sind Guinea und Sierra Leone.

In Deutschland könnte indes demnächst womöglich ein zweiter Ebola-Patient aus Westafrika behandelt werden. Das Universitätsklinikum in Frankfurt am Main bereitet sich nach Angaben einer Sprecherin vom Donnerstag auf die Ankunft eines Erkrankten vor. “Wir erwarten einen Patienten.”

Weitere Informationen würden am Freitag auf einer Pressekonferenz gegeben, sagte sie. Nähere Angaben zu den Hintergründen machte die Sprecherin nicht.

Einer Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums zufolge war der Transport des Patienten allerdings noch ungewiss. “Die Flugfähigkeit ist nicht geklärt”, sagte sie am Donnerstag in Wiesbaden. Eine ursprünglich für Donnerstag geplante Pressekonferenz wurde wieder abgesagt. Auch aus dem Ministerium gab es keine Details zur Art der Behandlungsanfrage oder dem Patienten selbst.

Inzwischen weist die Seuchenstatistik laut Liberias Staatsführung allerdings “eine Stabilisierung” der Infektionsrate aus: Die Zahl der Menschen, die mit Gesundheitsbeschwerden in Behandlungszentren vorsprächen, steige nicht mehr so schnell wie bisher, sagte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf. Es bestehe also die Hoffnung, “dass wir endlich auf dem Lösungsweg sind”.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht leichte Anzeichen für eine Besserung der Ebola-Situation in Westafrika. In den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sei die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen die zweite Woche in Folge gesunken, teilte die Organisation in Genf mit. Grund für den Rückgang sei in erster Linie Monrovia. In der vergangenen Woche sei in der Hauptstadt Liberias keine einzige Neuerkrankung gemeldet worden. Allerdings würden nicht alle Infektionen den Behörden mitgeteilt, hieß es weiter.

Mindestens 1.500 Dosen eines experimentellen Ebola-Impfstoffes sollen Anfang 2015 für medizinisches Personal und andere Helfer in Westafrika eingesetzt werden. Kanada spendete der Weltgesundheitsorganisation die Substanz, die erstmals in den nächsten Tagen in den USA an gesunden Probanden getestet werden soll. Tests mit einem zweiten Erfolg versprechenden Impfstoff laufen bereits seit September in den USA und Großbritannien.

Unterdessen hat die neue Ebola-Mission der UNO (Unmeer) für Westafrika am Donnerstag ihre Arbeit aufgenommen. Der Unmeer-Sonderbeauftragte Anthony Banbury verschaffte sich in Monrovia ein Bild von der Lage und sollte anschließend nach Guinea und Sierra Leone weiterreisen.

Die kubanische Regierung entsandte indes ein erstes Kontingent von 165 Helfern. 63 Ärzte und 102 Krankenpfleger reisten am Vorabend nach Sierra Leone, berichtete die Parteizeitung “Granma” am Donnerstag.

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