Ebola: WHO-Komitee bestätigt bisherigen Kurs

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Auch Phams Zustand gilt mittlerweile als stabil
Auch Phams Zustand gilt mittlerweile als stabil
Die Zahl der Ebola-Erkrankungen steigt in Liberia, Guinea und in Sierra Leone weiterhin exponentiell an. Exit-Kontrollen in Westafrika könnten im Reiseverkehr noch am ehesten einen Effekt haben. Das hat die dritte Sitzung des Ebola-Expertenkomitees der WHO ergeben, die am Donnerstag in Genf endete. Die EU-Kommission stellt 24,4 Millionen Euro für Impfstoff- und Arzneimittelforschung bereit.


Bis zum vergangenen Mittwoch sind 9.936 Ebola-Fälle registriert worden. Laut den offiziellen Angaben sind 4.877 Menschen der Krankheit erlegen. “Die Zahl der Fälle steigt weiterhin exponentiell in Guinea, Liberia und Sierra Leone. Die Situation in diesen Ländern bleibt sehr beunruhigend”, stellte die Weltgesundheitsorganisation fest. In Nigeria und in Senegal könne man vorerst Entwarnung geben.

Die Hauptaufgabe müsse es bleiben, die Ausbreitung der Erkrankung in den drei westafrikanischen Staaten zu stoppen. Das sei auch die wichtigste Maßnahme, um Fälle auf internationaler Ebene zu verhindern. “Ausreise-Kontrollen in Guinea, Liberia und Sierra Leone bleiben ein wichtiger Punkt, um den ‘Export’ von Ebola zu verhindern”, hieß in einer Aussendung am Donnerstag. Diese Kontrollen sollten aber auch an allen Grenzstellen – Flughäfen, Häfen, auch im Straßenverkehr über die Grenzen hinaus – erfolgen. Aber es sollte zu keinen generellen Reisebeschränkungen kommen. Kontrollen bei der Einreise, wie sie von manchen Staaten bereits eingeführt worden sind, werden von der WHO zwar empfohlen, doch der Effekt sei vergleichsweise gering. Eine Absage von Großereignissen wird nicht empfohlen.

Eine wichtige Aufgabe, so die WHO: “Alle Staaten sollten die Information der Bevölkerung verstärken und gleichzeitig Stigmatisierung, überschießende Ängste und nicht adäquate ‘Sicherheitsmaßnahmen’ verhindern.”

Nach fünf Wochen wurde der erste Ebola-Patient in Deutschland geheilt entlassen. Die Erfahrungen aus seiner Therapie könnten auch in Westafrika zur Anwendung kommen, sagten die behandelnden Ärzte in Hamburg. Der Erkrankte aus dem Senegal sei ohne experimentelle Mittel wie “ZMapp”, sondern ausschließlich mit einer unterstützenden Therapie geheilt worden, sagte Tropenmediziner Stefan Schmiedel am Donnerstag. Als Beispiel nannte er vor allem eine Flüssigkeits- und Ernährungstherapie über Infusionen: “Das kann jede Krankenschwester und jeder Arzt.”

Wenn solche Maßnahmen im Ebola-Krisengebiet stärker etabliert würden, könnte die Sterblichkeit auch ohne High-Tech-Medizin deutlich gesenkt werden. Voraussetzung sei allerdings, dass es dort ausreichend medizinische Fachkräfte gebe, betonte Schmiedel. “Der kritische Faktor ist tatsächlich das Personal.”

Der größte Teil der Mittel der EU-Kommission (24,4 Millionen Euro) geht mit gut 15 Millionen Euro an den Pharmakonzern GlaxoSmithKline für klinische Tests eines möglichen Impfstoffs in Europa. Insgesamt werden fünf Forschungsprojekte bei Pharmaunternehmen und Fachinstituten unterstützt, teilte die EU-Kommission am Donnerstag mit. Bisher wurden von der EU insgesamt 204 Millionen Euro für den Kampf gegen Ebola bereitgestellt.

Eine der beiden mit dem Ebola-Virus infizierten US-Pflegekräfte hat indes die Krankheit offenbar überwunden. US-Medien zitierten am Mittwoch eine entsprechende Erklärung der Familie von Amber Vinson. Demnach hat die 29-Jährige das Virus nicht mehr, muss aber zur weiteren Behandlung noch einige Zeit im Krankenhaus bleiben.

Vinson selbst sowie die gesamte Familie seien hoch erfreut über die “Neuigkeiten zu ihrem Gesundheitszustand”, erklärte die Mutter der 29-Jährigen, Debra Barry. Dies bringe die Familie ihrem Wunsch näher, endlich wieder zu Hause vereint zu sein. Der Erklärung zufolge soll die Krankenschwester auf eine andere Station in dem Krankenhaus im US-Staat Georgia verlegt werden, wo sie behandelt wird. Dort müsse sie noch eine Weile bleiben, um wieder “zu Kräften zu kommen”.

Vinson hatte sich ebenso wie die Krankenschwester Nina Pham mit Ebola infiziert, als beide einen erkrankten Liberianer pflegten, der mittlerweile an der Krankheit gestorben ist. Phams Zustand gilt als stabil.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich indes optimistisch im Kampf gegen Ebola in den Vereinigten Staaten. Er sei überzeugt, dass die Kliniken in Texas und Ohio vorbereitet seien, falls die Viruserkrankung dort aufträte, sagte Obama am Mittwoch in Washington.

Eine Krankenschwester, die sich im texanischen Dallas bei der Behandlung eines Ebola-Patienten angesteckt hatte, war einen Tag vor dem Auftreten der ersten Symptome nach Ohio geflogen. In beiden Bundesstaaten gibt es deswegen Sorgen, dass sich die Krankheit ausbreiten könnte. Infizierte können Ebola übertragen, wenn sie Symptome wie Fieber oder Erbrechen aufweisen.

Insgesamt hatten sich zwei Krankenschwestern bei dem inzwischen verstorbenen Ebola-Patienten angesteckt. Die Fälle haben zu einer Diskussion innerhalb des amerikanischen Gesundheitssystems geführt, ob zum Schutz des Personals nicht auf gewisse Behandlungen verzichtet werden sollte, obwohl sie eigentlich angebracht wären. Drei große Krankenhausbetreiber sagten, diskutiert werde die Aufstellung von Listen, welche Eingriffe bei Ebola-Patienten nicht vorgenommen werden sollten. Alternativ könnte man auch den behandelnden Ärzten die Entscheidung überlassen.

Der Medizinethiker Kevin Donovan von der Georgetown University erklärte, auch er habe zahlreiche Anfragen zu dem Thema erhalten. “Es ist ethisch inakzeptabel, grundsätzlich auf diese Behandlungsangebote zu verzichten”, warnte er. Der Medizinhistoriker Howard Markel von der University of Michigan sprach von einem Rückfall in eine Vorgehensweise aus früheren Jahrhunderten, als Ärzte viel stärker Gefahr liefen, sich bei ihren Patienten anzustecken. “Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie diese virale Bedrohung aus dem 21. Jahrhundert uns ins 18. Jahrhundert zurückgezerrt hat”, sagte er.

Obama sieht die Ebola-Gefahr in den Vereinigten Staaten zunehmend schwinden. Nach einem Treffen mit seinem neuen Ebola-Krisenmanager Ron Klain und anderen Regierungsmitgliedern am Mittwoch im Weißen Haus sagte Obama, es gebe Anlass zu “vorsichtigem Optimismus”.

Dutzende potenzielle Kontakte des verstorbenen Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan in Texas seien für virenfrei erklärt worden. Dies sei auch ein Zeichen dafür, wie schwer es sei, sich mit dem gefährlichen Erreger anzustecken. Ebola wird durch Körperflüssigkeiten übertragen.

Der Ebola-Verdacht bei einem Mann in Oberhausen wurde indes nicht bestätigt. “Es ist definitiv kein Ebola”, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes Oberhausen, Henning Karbach, am Donnerstag. Zuvor war die sogenannte Bio Task Force aus Essen ausgerückt, um den Mann in seiner Wohnung auf die gefährliche Viruskrankheit zu untersuchen.

Pharmafirmen wollen von Regierungen und Gesundheitsbehörden Rechtsschutz für den Notfalleinsatz ihrer noch nicht ausgetesteten Ebola-Impfstoffe. Es sei eine einmalige Situation, dass Unternehmen von der WHO aufgefordert werden, innerhalb von Monaten statt Jahren neue Impfstoffe zu liefern, sagte der Chef des größten britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline, Andrew Witty, dem Radiosender BBC.

“Ich glaube, es macht Sinn, dass es eine Art Haftungsschutz gibt – denn der Impfstoff wird in einer Notfall-Situation eingesetzt, bevor wir alle die Gelegenheit hatten sein genaues Profil zu bestätigen”, sagte der GSK-Chef. Haftungsfragen dürfte eines der großen Themen sein, die am Donnerstag auf einem hochrangigen Treffen bei der Weltgesundheitsorganisation WHO mit Vertretern von Industrie, Behörden und betroffenen Ländern in Genf besprochen werden.

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