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Ecclestone im Schmiergeldsumpf

Bernie Ecclestone ist für seine Zeugenaussage extra aus London angereist. Bernie Ecclestone ist für seine Zeugenaussage extra aus London angereist. - © EPA
Das Warten ist Formel 1-Chef Bernie Ecclestone nicht gewohnt. In seiner Welt, in der die Zeit in tausendstel Sekunden gemessen wird, sind zwei Stunden eine Ewigkeit. Aber an diesem Mittwochvormittag im Landgericht München ist der 81-Jährige nicht der mächtige Star in der Glitzerwelt der Formel 1, sondern Zeuge im Schmiergeldprozess gegen den Bankvorstand Gerhard Gribkowsky, der sich den Anweisungen der Justiz fügen muss.

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Der Brite bleibt höflich, als seine Vernehmung nach stundenlanger Wartezeit um kurz nach 13 Uhr endlich beginnt. “Grüß Gott in München”, begrüßt der Vorsitzende Richter Peter Noll den alten Mann, der mit seiner Größe von knapp 1,60 Metern fast zwischen den Roben der Anwälte und Richter verschwindet. Doch der kleine, drahtige Milliardär fackelt nicht lange: Er braucht nur ein paar Minuten, um dem Gericht seine wichtigste Botschaft zu überbringen: Ecclestone sieht sich in dem Krimi um Bestechungszahlungen beim Verkauf der Formel 1-Anteile von der BayernLB nicht als Täter, sondern als Opfer. Um das klar zu machen, ist er freiwillig aus London eingeflogen – niemand konnte ihn als Auslandszeugen zwingen, zu kommen.

Klar und präzise räumt Ecclestone ein, erhebliche Summen Geld an den früheren Bankvorstand Gerhard Gribkowsky gezahlt zu haben. “Das lag daran, dass ich zu der Zeit keine andere Möglichkeit sah.” Er habe befürchtet, dass Gribkowsky die britischen Einkommenssteuerbehörden auf ihn ansetzen würde – und das hätte ihn um sein Vermögen gebracht. “Es wäre ein Desaster für mich gewesen.” Deshalb habe er den Banker “freundlich und friedlich” halten wollen, damit dieser nicht auf dumme Gedanken kam.

Es geht um 44 Millionen Dollar

Das sieht die Staatsanwaltschaft ganz anders: Sie geht davon aus, dass Ecclestone dem Banker 44 Mio. Dollar (32,3 Mio. Euro) Bestechungsgeld gezahlt haben soll, damit er den Verkauf der Formel 1-Anteile in seinem Sinne regelt. Gribkowsky muss sich deshalb seit Ende Oktober wegen Bestechlichkeit vor Gericht verantworten. Auch gegen Ecclestone laufen die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft.

Bei seinem Besuch in Bayern konnte er aber sicher sein, nicht verhaftet zu werden: Um ihn überhaupt zur Zeugenaussage zu gewinnen, wurde Ecclestone freies Geleit zugesichert – das heißt, dass er Deutschland mit seinem Privatjet als freier Mann wieder verlassen darf – im Gegensatz zu Gribkowsky, der seit Jänner in Untersuchungshaft sitzt.

Vor Gericht nicken sich die beiden ungleichen Männer zur Begrüßung nur einmal kurz zu: Hier der stattliche Banker im Anzug mit weißem Einstecktuch, der selbst als Angeklagter noch strahlend lacht. Dort der hagere, aber immer noch fitte Mann aus der Welt des Sports, dem das Leben schon tiefe Falten ins Gesicht gegraben hat und der befürchten muss, in seinem betagten Alter ebenfalls noch auf der Anklagebank zu landen.

Ecclestone hat viel zu verlieren:

Als Chef der Formel 1 hat es der gewiefte Geschäftsmann zu einem Milliardenvermögen gebracht. Aber die Rennserie ist mehr für ihn als nur eine Geldmaschine: Für Ecclestone ist sie sein Lebenswerk, sein Baby, das er aufgezogen hat. Umso schockierter war er, als infolge der Kirch-Pleite im Jahr 2002 plötzlich die BayernLB und andere Banken das Kommando übernahmen, die aus seiner Sicht weder Ahnung von der Formel 1 hatten noch Leidenschaft.

Gribkowsky hatte die Aufgabe, die Anteile der BayernLB zu einem möglichst guten Preis zu verkaufen. Ecclestone wünschte sich den britischen Investor CVC als neuen Besitzer, da dieser ihn nicht abservieren wollte. Im Jahr 2006 ging der Deal schließlich für mehr als 800 Mio. Dollar über die Bühne – für die Bank ein mehr als guter Preis. Auch Ecclestone als Vermittler wurde laut Anklage mit einer Millionenprovision an dem Geschäft beteiligt. In ein Geheimnis seiner Verhandlungskünste weihte er die Richter in München ein. Für ihn gebe es in Gesprächen nie ein hartes “Nein”, ließ er sie wissen. Wenn er nicht zustimme, sage er stattdessen: “Ich denke mal darüber nach.” Das ist die feine englische Art des Mr. Ecclestone.




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