Ecuador spionierte Assange in eigenem Botschaftsexil aus

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Ecuador gewährt Assange Asyl, traut ihm aber auch nicht so recht
Ecuador gewährt Assange Asyl, traut ihm aber auch nicht so recht - © APA (AFP)
Ecuador hat nach Informationen des “Guardian” ein millionenschweres Überwachungsprogramm für WikiLeaks-Gründer Julian Assange in seinem in London gelegenen Botschaftsexil aufgelegt. Die Geheimdienstmission diente ursprünglich dem Schutz des Australiers vor den britischen Behörden, wie die britische Zeitung am Mittwoch berichtete.

Später habe sich das Programm aber gegen Assange gerichtet, der das Netzwerk der Botschaft gehackt haben soll. Dem Bericht zufolge ließ sich Ecuador die Spionageaktivitäten fünf Millionen Dollar (4,21 Mio. Euro) kosten. Eine Sicherheitsfirma sei damit beauftragt worden, Assanges Aktivitäten in der Botschaft zu überwachen und zu dokumentieren, wen er zu Besuch empfing. Dafür sei für umgerechnet 3.200 Euro im Monat eine Wohnung nahe der Botschaft angemietet worden.

Ecuadors damaliger Präsident Rafael Correa habe die “Operation Gast”, die später in “Operation Hotel” umbenannt worden sei, unterstützt, berichtete der “Guardian”. Unter seinem seit 2017 amtierenden Nachfolger Lenin Moreno, der Assange als ein “geerbtes Problem” betrachtet, sei das Programm zurückgefahren worden.

Den vertraulichen Dokumenten zufolge, über die auch die “Süddeutsche Zeitung” berichtete, verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Assange und seinen ecuadorianischen Gastgebern auch, weil sich der WikiLeaks-Gründer Zugang zum internen Netzwerk der Botschaft verschaffte. Der 46-Jährige habe “die offizielle und persönliche Kommunikation der Mitarbeiter” einsehen können. WikiLeaks wies diese Anschuldigungen zurück.

Assange hatte die Regierung in Quito in den vergangenen Monaten auch mit politischen Stellungnahmen verärgert. Im März kappte die Botschaft daher seinen Internetzugang.

Assange war 2012 in Ecuadors Vertretung in London geflohen, um einer Auslieferung an Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Die Stockholmer Staatsanwaltschaft legte den Fall vergangenes Jahr zu den Akten. Allerdings besteht nach wie vor ein britischer Haftbefehl, weil Assange 2010 gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll.

Der Australier befürchtet, an die USA überstellt zu werden, wo ihm ein Prozess wegen Geheimnisverrats und womöglich sogar die Todesstrafe droht. Die von ihm mitgegründete Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte 2010 unter anderem geheime Dokumente des US-Militärs veröffentlicht.

(APA/ag.)

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