Health Forum in Gastein: “Ebola ließe sich rasch und wirksam beherrschen”

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Der Ebola-Virus ist hochansteckend.
Der Ebola-Virus ist hochansteckend. - © EPA/EFE
In Westafrika zieht der tödliche Ebola-Virus immer weitere Kreise. Dass es gar nicht hätte so weit kommen dürfen, war der Tenor beim European Health Forum in Bad Hofgastein (Pongau).

„Ebola ließe sich laut zahlreichen Analysen rasch und wirksam beherrschen, wäre die Krankheit nicht in drei westafrikanischen Staaten ausgebrochen, sondern zum Beispiel an der Ostküste der USA oder in Mitteleuropa.” Das betonte Armin Fidler, Chefberater für Gesundheitsfragen der Weltbank, am Donnerstag beim European Health Forum Gastein (EHFG).

In Europa kaum möglich

In Ländern mit einem gut entwickelten Gesundheitssystem würden Menschen unter Infektionsverdacht rasch und konsequent isoliert werden. Gesundheitsdienstleister wären angemessen ausgestattet, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Ärzte und Pflegepersonen würden bestmögliche Behandlungen anbieten und verseuchte Materialien sachgerecht entsorgt. Auch gäbe es ausführliche Information für die Öffentlichkeit über die Krankheit, deren Übertragung und das richtige Verhalten bei einer Ebola-Epidemie, so Fidler.

Dass Ebola in einem funktionierenden Gesundheitssystem wohl rasch und wirksam kontrolliert werden könnte, zeige das Beispiel des Marburg-Virus, einer Ebola ähnlichen, ebenfalls hämorrhagisches Fieber auslösenden Erkrankung: Als dieses im Jahr 1967 in Deutschland und dem damaligen Jugoslawien ausbrach, betrug die Todesrate bei infizierten Personen 23 Prozent. In den Ländern der Sub-Sahara waren es bisher 86 Prozent.

 


Afrika fehlen die Ressourcen

“Der Unterschied ist, dass Deutschland und Jugoslawien funktionierende Gesundheitssysteme und ausreichend Ressourcen für die Behandlung hatten”, so Fidler. “Die Länder Westafrikas, die jetzt mit Ebola kämpfen müssen, haben beides nicht. Die Ebola-Krise ist ein Ausdruck lang anhaltender und zunehmender Ungleichheiten beim Zugang zu Gesundheitsleistungen. Das Gesundheitssystem in diesen Ländern ist zu schwach, die Behandlungskosten sind zu hoch und Gesundheitsdienstleister zu rar.”

Ein Beispiel: In Liberia kommt auf 70.000 Bewohner ein Arzt, in Sierra Leone auf 45.000 Bewohner. Eine Analyse von Mitte September zeigte, dass rund 70 Prozent der Patienten mit eindeutigen Ebola-Befunden verstorben sind. Berücksichtigt man jedoch nur die Patienten in Krankenhäusern, so lag die Rate der Todesfälle deutlich niedriger – was die Annahme erhärtet, dass eine rasche Therapie wesentliche Vorteile bringt. Für eine wirksame Kontrolle von Ebola wird es also entscheidend sein, ob es gelingt, den Anteil der behandelten Patienten deutlich zu steigern. Derzeit liegt die Behandlungsquote laut Schätzungen in Liberia bei weniger als 50 Prozent und in Sierra Leone bei 40 Prozent.

Mehr Unterstützung nötig

“Mittelfristig brauchen diese Länder robustere und effizientere Gesundheitssysteme und Public-Health-Überwachungssysteme, damit sie im Fall einer neuerlichen Epidemie schneller und wirksamer reagieren können”, so Fidler. “Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es eines koordinierten und entschlossenen Vorgehens durch internationale Organisationen und wohlhabende Länder. Und es bedarf eines ausreichenden Investments in die Gesundheitssysteme dieser Region, und eines besseren Verständnisses dafür, dass Gesundheitsinvestitionen etwas Sinnvolles sind.” (APA)

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