Ein Krampusmaskenschnitzer gibt Einblick

Akt.:
Maskenschnitzer Andreas Rettenbacher mit seiner Larve
Maskenschnitzer Andreas Rettenbacher mit seiner Larve - © Salzburg24
Andreas Rettenbacher schnitzt Krampusmasken seit er zwölf ist. Während die Krampusläufe noch vor der Tür stehen, ist für ihn die Hoch­saison jetzt vorbei. Zeit, den Mann hinter den Masken kennen zu lernen.




In der Werkstatt von Andreas Rettenbacher lachen den Besucher schrecklich-schöne Fratzen an. Der 28-Jährige ist Krampusmaskenschnitzer. Manche Larven (wie man Krampusmasken noch nennt) haben aufgerissene Münder – blutverschmierte, spitze Zähne blitzen daraus hervor. Sie erinnern an Monster aus Filmen und Albträumen. Andere haben einen geschlossenen Mund und eine fein gearbeitete Mimik. Kein Blut, keine grellen Farben. Sie wirken menschlicher. „Die mit den offenen Mündern nennt man schreiend, die anderen sind Ausdrucks-Masken”, erklärt Andreas Rettenbacher im Interview mit Salzburg24.at. Er selbst trägt dieses Jahr eine Ausdrucks-Maske. Sie ist nur eine von insgesamt 50 Larven, die er besitzt. Der Rest hängt in seinem Stiegenhaus an der Wand, wie in einer Galerie. Die jüngeren Kunden würden aber die wilderen Larven bevorzugen, meint der Schnitzer. Andreas Rettenbacher ist auch selbst Teil einer Pass. Die Niederalmer Krampusse gibt es seit 1984. Nächstes Jahr feiern sie ihr 30-Jahr-Jubiläum. Für alle Mitglieder schnitzt er die Masken.

Krampusmaskenschnitzen im Eigenstudium

Rettenbacher hat sich alles selbst beigebracht. Er hat keine Schnitzschule besucht. Eigentlich ist er gelernter Industrieschlosser. Diese Fähigkeiten setzt er jetzt dazu ein, auch die Krampusglocken selbst zu machen. Er mag die Abwechslung, mal mit Holz zu arbeiten und mal mit Metall. Als Zwölfjähriger entdeckte er das Schnitzen für sich. In der Tischlerwerkstatt seines Vaters machte er die ersten Versuche. „Erst habe ich ein bis zwei Masken im Jahr für Freunde gemacht. Jetzt sind es dreißig pro Jahr. Ich habe Kunden in jedem Bundesland und auch in Bayern und Südtirol”, erklärt er. Seine eigene kleine Familie zählt jedoch nicht dazu. Rettenbachers Lebensgefährtin geht lieber als Zuseherin zu Krampusläufen und die neun Monate alte Tochter besitzt zwar ein Krampus-Kostüm, aber noch keine Maske.

Die Hörner machen’s aus

Ungefähr 30 Stunden Arbeitszeit stecken in einer Larve. Der Preis beginnt bei 500 Euro. Wie teuer ein Exemplar wird, hängt vor allem von den Hörnern ab. Kunststoffhörner sind günstiger als Tierhörner. „Man kann sich ein Horn um 2.000 Euro kaufen”, sagt Andreas Rettenbacher. Die Hörner haben auch einen starken Einfluss auf das Gewicht. Mit Tierhörnern kann eine Maske bis zu 13 Kilo wiegen. Echte Hörner findet man vor allem bei Perchtenmasken. Im Unterschied zu Krampusmasken sind sie breiter, haben mehr als zwei Hörner und einen Mund, den man auf und zu klappen kann. Perchtenmasken sehen „uriger” aus, meint der Schnitzer. Es gibt spezielle Vorgaben, wie eine echte Perchtenmaske gestaltet sein muss. „Bei denen, die schon länger laufen (bei Krampusläufen, Anm. der Redaktion) geht der Trend definitiv Richtung Perchtenmaske”, so Rettenbacher. Er erkennt jede einzelne seiner Arbeiten, wenn er sie sieht. Gefertigt werden die Holzmasken aus Weymouthskiefer – ein Holz, ähnlich der Zirbe, nur mit weniger Ästen, erzählt der Maskenschnitzer. Aus einem 40 Zentimeter langen Teil des Stammes bekommt man vier Masken. Andreas Rettenbacher arbeitet mit Bildhauerwerkzeug. Er besitzt 40 Messer, an einer einzigen Maske können bis zu 20 zum Einsatz kommen. „Es ist nicht mehr wirklich reines Handwerk, es hat etwas Künstlerisches.”

Die Kunst des Maskenschnitzens

Der Künstler in ihm zeigt sich vor allem in den fein gearbeiteten Gesichtsausdrücken mancher Masken. Die Larve von Rettenbacher selbst hat eine ausgefeilte Mimik. Das Holz ist kaum mit Farbe überdeckt, nur mit einer leichten Grundierung. Rund um Augen und Mund ist die Maske dunkler. Dort wurde sie mit Feuer angebrannt. Die Jahresringe des Baumes sind am Krampus-Gesicht deutlich erkennbar. Man fühlt die Rillen, wenn man mit den Fingern darüber fährt. „Ich schleife mit einer Bürste die weichen Schichten des Holzes ab, übrig bleiben die harten Schichten, die im Winter entstanden sind, als der Baum kein Wasser hatte und nicht wuchs”, erklärt Rettenbacher. Das Schwierigste am Schnitzen sei jedoch nicht die Mimik, sagt er. Das Schwierigste sei, dass man die richtige Größe erwische, sodass die Maske nachher auch jedem passt. Die Holzköpfe sind nun aber nicht nur zum Ansehen, sondern auch zum Tragen da. Hier kommt wieder ein handwerklich-pragmatisches Element ins Spiel. Bei schweren Masken gibt ein halber Bauhelm am Hinterkopf Halt, die Größe kann man mit einer einfachen Skischnalle einstellen.

Gefragt nach seiner Zukunft zögert Andreas Rettenbacher keine Minute. Er hat seine Passion gefunden. Er wolle bis zur Pension Krampusmasken schnitzen. Über zu wenig Arbeit kann er sich nicht beschweren. Die Nachfrage ist groß und jedes Jahr gibt es neue Trends zu entdecken.

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