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Ein Panorama der Macht: Die politische Elite der Welt im Foto-Porträt

Auf Augenhöhe mit den Mächtigen der Welt Auf Augenhöhe mit den Mächtigen der Welt - © Platon
Vladimir Putins stahlblauer Blick teilt den Raum. Die Mundwinkel gerade, kein Lächeln. Der russische Ministerpräsident starrt fast schon bedrohlich auf Barack Obama, der ein wenig skeptisch, aber dennoch staatsmännisch in die Kamera blickt. 120 Machthaber hat Platon Antoniou fotografiert, 50 der Porträts hängen seit Dienstag in der Ausstellung "Gesichter der Macht" im Fotomuseum WestLicht.

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Es ist ein Panorama der Macht, das Antoniou zeigt. Neben UN-Generalsekretär Ban Ki-moon lächeln auch Tony Blair, George W. Bush oder Robert Mugabe, Präsident von Simbabwe, von den Wänden. Demokratisch gewählte Staatsoberhäupter hängen neben Diktatoren wie Muammar Gaddafi - alle in derselben Größe, ganz nahe und intim. Meistens hatte der Fotograf nur wenige Sekunden Zeit, seine ganz persönlichen und intuitiven Porträts zu schießen: "Ich wollte sie wahrhaftiger darstellen, ihre Persönlichkeit abseits von Werbung und Propaganda einfangen", so Antoniou, der in Großbritannien aufwuchs und derzeit in New York lebt.

"Kleiner privater Club der Macht" im Porträt

Am Anfang stand die Idee, in Zeiten der Krise eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen der politischen Elite der Welt herzustellen und zumindest auf Fotopapier eine globale Administration zu bebildern, erzählte der griechischstämmige Fotograf bei der Eröffnung seiner Ausstellung. Es kostete ihn neun Monate Vorbereitung und Behördenwege, bis er endlich die Genehmigung hatte, auf der Hauptversammlung der Vereinten Nationen 2009 ein Fotostudio aufzubauen.

Im Auftrag des "New Yorker" lichtete er dort die Mächtigen der Welt ab. Zunächst sei es schwierig gewesen, die Politiker von seiner Idee zu überzeugen, aber als sich die ersten zum Modell sitzen bereiterklärten, seien schnell die anderen gefolgt. "Es war dann wie ein kleiner privater Club der Macht. Plötzlich standen die mächtigsten Menschen der Welt bei mir Schlange und plauderten dabei miteinander", schmunzelte Antoniou.

Berlusconis "Power-Flirt"

Vor der Kamera sind aber auch die Staatsmänner dieser Erde nur Menschen und da ganz verschieden. Ein Höhepunkt war sicherlich Silvio Berlusconi, erinnert sich der Fotograf: "Er wollte unbedingt fotografiert werden, kam von der Seite, ließ sich auf den Hocker fallen, schenkte mir ein hollywoodreifes Glamour-Lächeln und war gleich wieder verschwunden." Genau das strahlt das Porträt des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten auch aus. Fast schon spitzbübisch grinst er in die Kamera. Antoniou nennt es "The Power-Flirt". Berlusconis Ziel scheint Heinz Fischer, dessen Porträt - streng nach geografischer Ordnung - nebenan hängt. Sehr seriös in schwarz-weiß blickt der österreichische Bundespräsident zwischen dem anzüglichen Italiener und dem kroatischen Präsidenten Stjepan Mesic hervor.

Auffällig ist, wie wenige Frauen die Ausstellung zeigt. Christina Fernandez, Präsidentin von Argentinien und Michelle Bachelet, die ehemalige Präsidentin Chiles, bilden die Ausnahmen. Insgesamt waren von 120 Aufnahmen nur vier Frauen. Angela Merkel fehlt dem Fotografen noch in seiner Liste: "Das ist ein Kampf, der noch nicht vorüber ist", erklärte er.

"Gesichter der Macht" ist aber auch ein Dokument politischer Karrieren, Auf- und Abstiegen. Seit 2009 sind noch nicht einmal drei Jahre vergangen, dennoch sind viele der Porträtierten nicht mehr in ihrer Position. Viele haben ihre Macht missbraucht und einigen hat genau das Amt oder Leben gekostet - auch diesen Aspekt möchte Platon Antoniou zeigen: "Jetzt ist es an der Zeit, dass die Machteliten der Welt wieder den Menschen zuhören."

Der Künstler hinter der Kamera

Platon Antoniou wurde 1968 als Sohn einer Engländerin und eines Griechen geboren. Er wuchs zunächst in Griechenland auf, kam später nach London, wo er Grafikdesign, Fotografie und Kunst studierte. Platon zählt heute zu den führenden politischen Fotografen der USA. Für sein Porträt von Wladimir Putin, das auf der Titelseite des Time Magazine abgebildet war, wurde er 2007 mit einem ersten Preis beim World Press Photo Contest, dem wichtigsten Fotowettbewerb weltweit, ausgezeichnet.

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

S E R V I C E :

"Platon. Gesichter der Macht",
Ausstellung im Fotomuseum WestLicht, 7., Westbahnstraße 40,

21. Februar bis 22. April

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr 14.00 - 19.00 Uhr
Do 14.00 - 21.00 Uhr
Sa, So, Feiertag 11.00-19.00 Uhr
Mo geschlossen

Das Buch zur Ausstellung:
Power Platon, München: Schirmer/Mosel, 192 Seiten, 110 Abbildungen, 35 Euro, ISBN 978-3-8296-0532-8

(APA; VOL.AT; WestLicht)



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