Eine Chronologie der Ereignisse nach der Bluttat in Herne

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Trauernde haben Blumen und Stofftiere vor dem Haus des Buben niedergelegt.
Trauernde haben Blumen und Stofftiere vor dem Haus des Buben niedergelegt. - © APA/dpa/Marcel Kusch
Montagabend ist im nordrhein-westfälischen Herne ein neunjähriger Bub umgebracht worden. Der mutmaßliche Täter Marcel H. hat sich Donnerstagabend der Polizei gestellt. Zudem wurde eine weitere Leiche entdeckt. Eine Chronologie der bisherigen Ereignisse.

Dienstag, 7. März, 2.00 Uhr

In den frühen Morgenstunden wird bekannt, dass ein 19 Jahre alter Mann in Herne vermutlich einen neunjährigen Buben aus seiner Nachbarschaft umgebracht haben soll. Die Polizei startet eine Suchaktion, über den mutmaßlichen Täter ist noch wenig bekannt. Er sei Kampfsportler und nicht mit dem Opfer verwandt, so die Polizei.

Dienstag, 8.00 Uhr

Wenige Stunden später wird bekannt, dass der mutmaßliche Täter sich im Internet mit seiner Tat gebrüstet haben soll. Im sogenannten Darknet, einem abgeschotteten Bereich des Internets, habe der Verdächtige ein entsprechendes Video veröffentlicht. Ein Darknet-Nutzer war es auch, der die Polizei informierte, die wenig später die Leiche des Kindes im Keller eines Reihenhauses fand. Die Polizei schätzt den mutmaßlichen Täter als gefährlich ein, möglicherweiße ist er bewaffnet. Auch ein Fahndungsfoto ist veröffentlicht worden. Die Polizei gibt weitere Details zum Flüchtigen bekannt: Er soll 1,75 Meter groß sein, blond und sehr schlank. Außerdem sei er Brillenträger und trage eine Hose und Weste in Tarnfarben.

Sollte jemand den Mann erkennen, ersucht die Polizei ihn nicht anzusprechen, sondern umgehend den Polizei-Notruf zu wählen.

Dienstag, 13.24 Uhr

Die Polizei bestätigt, die Leiche des Neunjährigen im Keller des Hauses gefunden zu haben, in dem der arbeitslose Flüchtige lebt. Den Ermittlern zufolge unterhält er nur wenige soziale Kontakte. Mit dem Gesetz geriet der Gesuchte bisher nicht in Konflikt. Die Hintergründe der Bluttat sind weiter unklar, auch die Fahndung läuft erfolglos, obwohl viele Hinweise aus der Bevölkerung eingehen. Das Video, das die Tat zeigen soll, sei in der Zwischenzeit auch ins frei zugängliche Netz gelangt.

Dienstag, 14.12 Uhr

Der Verdächtige Marcel H. ist weiter auf der Flucht. Nun soll er auch Bilder der Tat ins Internet gestellt haben. Die Polizei berichtet, er sei auf den Fotos mit blutverschmierten Händen neben der Leiche des Buben zu sehen. Die Fahndung läuft weiter auf Hochtouren, der 19-Jährige soll angedeutet haben, noch weitere Taten zu begehen. Über die Hintergründe der Bluttat ist weiterhin nichts bekannt. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) appellierte, das Tatvideo nicht zu verbreiten.

Dienstag, 18.16 Uhr

Der Bub sei erstochen worden, berichtet die Polizei. Mutmaßlicher Täter und Opfer waren zudem Nachbarn. Eine Sprecherin betont, dass der Polizei nicht wie zuvor berichtet Videomaterial, sondern Bilder vorliegen würden. Marcel H. ist laut den Ermittlern eindeutig darauf zu erkennen und habe Gedanken an einen Suizid angedeutet. Was ihn zu der Tat getrieben haben könnte, wollte ein Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Der 19-Jährige mit abgeschlossener Schulausbildung lebte zuletzt offensichtlich alleine in dem Reihenhaus zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. Es habe wohl ein Umzug im Raum gestanden, die Eltern seien bereits nicht mehr dort gemeldet, berichtete der Polizeisprecher. Auf der Suche nach Marcel H. wurden Hubschrauber, Hunde und Bereitschaftspolizisten hinzugezogen.

Dienstag, 20.00 Uhr

Die Polizei geht mittlerweile Hinweisen nach weiteren Opfern nach. Ein User habe sich in einem Chat als der flüchtige mutmaßliche Mörder des Neunjährigen ausgegeben und beschrieben, wie er ein “120 kg Biest bekämpft” habe, teilte die Polizei Bochum mit. Auch von Folter sei in dem Chattext die Rede, um an Daten für Bank, Computer und Telefon zu kommen. Die Polizei rief dazu auf, sich zu melden, falls im Umfeld eine Frau vermisst werde. “Wenn man dem Täter glaubt, müsste sich der Tatort dieses zweiten Verbrechens im Umkreis von 80 km um Herne befinden”, hieß es in der Mitteilung. Die Polizei schließt nicht aus, dass es sich bei der Tatbeschreibung um eine Falschmeldung handelt. Außerdem seien weitere Bilder aufgetaucht, die womöglich dem gesuchten Marcel H. zuzuordnen sind.

Mittwoch, 8. März, 12.00 Uhr

Mittwochfrüh hat die Polizei bei der Fahndung nach Marcel H. eine Schule im etwa 15 Kilometer entfernten Wetter (Ruhr) abgesperrt. Einsatzkräfte durchsuchten das Gymnasium, sagte eine Polizeisprecherin. Sie sprach von einer reinen Vorsichtsmaßnahme. Ein Passant will Marcel H. zuvor in der Nähe der Schule gesehen haben.

 /Foto: APA/dpa/Marcel Kusch Trauernde vor dem Haus des ermordeten Buben. /Foto: APA/dpa/Marcel Kusch ©

Mittwoch, 16.16 Uhr

Die Durchsuchung der Schule war vergeblich, Marcel H. ist weiterhin auf der Flucht. Bei den Ermittlern in Bochum sei eine Vielzahl an Hinweisen der Bevölkerung eingegangen, sagte Polizeisprecher Volker Schütte. Um die Hinweise zu überprüfen, seien mehrmals Hubschrauber mit Wärmebildkameras und Hunde eingesetzt worden, so Schütte.

Wegen der Großfahndung galten an Schulen und Kindergärten der Stadt Herne am Mittwoch besondere Sicherheitsvorkehrungen. Notfallseelsorger und Psychologen seien zudem an der Volksschule des getöteten Buben. Das Obduktionsergebnis bestätigte laut Polizei, dass der Neunjährige durch mehrere Messerstiche getötet wurde. “Hinweise auf ein Sexualdelikt gibt es nicht”, sagte Schütte.

Mittwoch, 12.00 Uhr

Der Vater des ermordeten Buben ist offenbar Mietglied des Motorradclubs “Bandidos Herne East”. Dieser hat nun seine Mitglieder dazu aufgefordert, sich an der Suche nach dem mutmaßlichen Täter zu beteiligen, wie der Club auf Facebook bekannt gab.

Donnerstag, 9. März, 2.09 Uhr

Marcel H. könnte sich bei der Bluttat an der rechten Hand verletzt haben. Die Beamten veröffentlichten einen neuen Fahndungsaufruf und suchten besonders nach Zeugen, die Marcel H. am Montag oder den darauffolgenden Tagen in einem Krankenhaus, einer Apotheke oder bei einem Arzt gesehen haben könnten. Zusätzlich veröffentlichte die Polizei das Bild eines Hundes. Sie fragte, wer Angaben zu dessen Besitzer machen könne. Wie der Hund mit Tat und mutmaßlichem Täter in Verbindung steht, gibt die Polizei nicht bekannt. Am Mittwochabend gab es in Herne einen weiteren Polizeieinsatz mit einem Hubschrauber und Spezialkräften. Am späten Abend war in einem Internet-Forum ein Bild aufgetaucht, das eine Person, die Marcel H. ähnlich sieht, rauchend auf einem Bahnsteig zeigt. Eine Festnahme habe es bisher nicht gegeben, die Fahndung ist nicht länger auf das Ruhrgebiet beschränkt. Hinweise auf ein mögliches zweites Opfer haben sich bisher nicht bestätigt.

Bei der Fahndung nach dem mutmaßlichen Kindermörder Marcel H. hat die Polizei am Donnerstagvormittag ein Krankenhaus in Mönchengladbach durchsucht. Eine Zeugin will den 19-Jährigen zuvor gesehen haben. Der Einsatz war allerdings nicht erfolgreich, Marcel H. ist nicht gefunden worden.

Der Motorradclub Bandidos Herne East hat mittlerweile via Facebook zu einer Spendenaktion aufgerufen, um der Familie bei Anwalts- und Begräbniskosten unter die Arme zu greifen.

Die Polizei hat nun eine digitale Audiobotschaft mit Schilderungen zu der Tat ausgewertet. “Wir nehmen an, dass sie vom Täter stammt”, sagte ein Sprecher der Polizei Dortmund. Dieser beschreibe in der Aufnahme seine Eindrücke nach dem Mord an dem neunjährigen Jaden. Auffallend sei die Gefühlskälte, sagte der Sprecher. Die Polizei machte keine Angaben, wie sie an die Audiobotschaft gelangt war.

Donnerstag, 2. März, 21.07 Uhr

Nach stundenlanger Suche und Ungewissheit wurde Marcel H. am Abend festgenommen. Er gab sich nach Angaben der Dortmunder Polizei in einem Schnellimbiss zu erkennen und ließ sich von der herbeigerufenen Polizei festnehmen. Später gab er den Hinweis auf einen weiteren Mord. In der Folge wurde eine männliche Leiche in einer ausgebrannten Wohnung entdeckt.

(APA/SALZBURG24)

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