Einweisung in Anstalt nach Attacke auf Bim-Fahrer

Akt.:
Häufung von Attacken auf Straßenbahnfahrer
Häufung von Attacken auf Straßenbahnfahrer
Jener Mann, der am 5. Juni 2014 am Joachimsthalerplatz in Wien-Ottakring einem Straßenbahnfahrer mit einem Winkeleisen den Schädel eingeschlagen hatte, ist am Donnerstag im Straflandesgericht in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Die Geschworenen attestierten dem 39-Jährigen mit 7:1 Stimmen Zurechnungsunfähigkeit. Das Urteil ist rechtskräftig.


Der 34 Jahre alte Mitarbeiter der Wiener Linien hatte bei der Attacke lebensgefährliche Kopfverletzungen davongetragen. “Bei nicht sachgerechter sofortiger Behandlung wäre mit dem Eintritt des Todes zu rechnen gewesen”, stellte Gerichtsmediziner Nikolaus Klupp in der Verhandlung fest.

Zu dem Gewaltausbruch war es an der Endstation der Linie 46 gekommen, nachdem der Tramwayfahrer die Straßenbahngarnitur in die Warteschleife gelenkt hatte. Als er bemerkte, dass nicht alle Fahrgäste ausgestiegen waren, sondern am hintersten Sitzplatz noch ein Mann saß, ging der 34-Jährige kurz nachschauen. Der Fahrer stellte fest, dass der Mann nicht – wie von ihm vermutet – eingeschlafen war, worauf er sich wieder umdrehte, um dem Fahrgast die Tür zu öffnen.

Dieser erhob sich allerdings, folgte dem 34-Jährigen und schlug diesem mit beiden Händen ein Winkeleisen auf den Kopf. Zwei weitere Schläge, die den Nacken und die Schulter trafen, setzte er hinterher.

Der erste Hieb drückte dem Straßenbahnfahrer den Schädel ein. Nicht weniger als elf singuläre Knochenbruchfragmente wurden im Spital festgestellt. Dem Schwerverletzten musste ein Titannetz eingesetzt werden, da sich die Schädeldecke ansonsten nicht mehr schließen hätte lassen.

Der 34-Jährige dürfte sein Leben einer Kollegin verdanken, die sich als Fahrschülerin zu Ausbildungszwecken neben ihm in der Straßenbahn befunden hatte. Als die 41 Jahre alte Frau die Schläge mitbekam, betätigte sie den Alarmknopf. Der Täter ergriff die Flucht, versteckte unweit vom Tatort das Winkeleisen, konnte aber am Abend desselben Tages in einem Altersheim von der Polizei aufgegriffen werden, wo er – mit einem Messer bewaffnet – aufgefallen war.

Wie sich in weiterer Folge herausstellte, handelte es sich bei dem 39-Jährigen um einen psychisch Schwerkranken. Der Mann leidet laut einem psychiatrischen Gutachten an einer ausgeprägten paranoiden Schizophrenie, war zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig und damit nicht schuldfähig. Staatsanwalt Marc Julian Mayerhöfer hatte ihn daher nicht wegen versuchten Mordes angeklagt, sondern das Schwurgericht aufgefordert, den Mann in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuweisen.

Der 39-jährige Mann, der dem Straßenbahnfahrer den Schädel eingeschlagen hatte, machte vor den Geschworenen wirre Angaben. Mehrfach unterbrach er den Vortrag des Staatsanwalts, den Gerichtsmediziner bezeichnete er abfällig als “G’scheitling”. Der Mann lebt in der Vorstellung, in Wien tobe ein Bürgerkrieg zwischen der Polizei und “türkischen Kämpfern”.

Immer wieder vermeint er, Schüsse zu hören. So auch unmittelbar vor der inkriminierten Tat: “Dreieinhalb Tage haben’s herumg’schossen. Es war a Wahnsinn”. Wenn er seine Wohnung verlasse, stecke er “als Verteidigungsinstrument” immer einen am Westbahnhof entwendeten Metallwinkel ein. Eigentlich müsse er ja “belobigt” werden, meinte der 39-Jährige: Er habe auf seinen “Rundgängen” nämlich schon “die Mafia in der Schönbrunner Straße Meier gemacht”.

Bevor er sich in die Straßenbahn setzte, habe er das Otto-Wagner-Spital aufgesucht und Psychopax (ein Benzodiazepin gegen Angststörungen, Anm.) verlangt. Ein Pfleger habe ihm dies mit der Begründung verweigert, das Mittel mache abhängig.

Auf den Straßenbahnfahrer habe er eingeschlagen, weil er dachte, “dass er mich zerfleischt”. Er habe befürchtet, “dass er mich in die Remise einezahrt und auffrisst. Ich wollt’ ihn am Kopf treffen, dass er mich nicht frisst”. Er sei “überrascht”, dass der Fahrer “fast gestorben wäre”, sagte der 39-Jährige. Es tue ihm leid, “den Falschen” erwischt zu haben: “Durch meine Krankheit bin ich auszuckt.”

“Ich wollte mich wehren. Aber ich war wie angenagelt. Ein Schock, vom Gehirn weg. Eine Blockade”, schilderte der Tramwayfahrer im Zeugenstand die dramatischen Szenen, nachdem er den ersten Schlag verspürt hatte. “Wenn’s drei Millimeter tiefer gewesen wäre, wär’ ich gestorben”, hielt er fest. Auf die Frage, wie es ihm psychisch gehe, meinte der Mitarbeiter der Wiener Linien: “Ich bin ein Kämpfer. Von klein auf. Ich will nicht aufgeben. Ich bin froh, dass ich wieder arbeiten kann.”

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