Eishockey: Geballte Eagles-Power für Österreichs WM-Medaille

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Brunner, Grascher, Burghart, Fazokas (hinten, v.l.) und Lopez, Hornich, Volgger (vorne, v.l.) wollen die Heim-WM rocken.
Brunner, Grascher, Burghart, Fazokas (hinten, v.l.) und Lopez, Hornich, Volgger (vorne, v.l.) wollen die Heim-WM rocken. - © Salzburg Eagles
Die rot-weiß-roten Eishockey-Damen sind heiß auf B-WM in Graz. Vor dem Start am Ostersamstag haben wir die Eagles-Spielerinnen Marlene Brunner (24), Annika Fazokas (20) und Sophia Volgger (20) getroffen und mit ihnen über die Heim-WM, Gemeinschaft und ihren teuren Sport geredet.




Frauen-Eishockey wird gern als “Randsportart der Randsportarten” bezeichnet, in Österreich gibt es rund 700 Aktive. 14 Teams spielen in den drei von Österreich organisierten internationalen Ligen EWHL (mit Salzburg Eagles, Sabres Vienna, Neuberg Highlanders und Southern Stars sowie Clubs aus Bozen, Budapest, Bratislava und Almaty/Kasachstan), DEBL und DEBL2. Österreichischer Meister sind die Sabres Wien, die zum achten Mal in Folge den Titel geholt haben. Salzburg wurde heuer sowohl EWHL-Vizemeister als auch Vize-Staatsmeister.

“Wir werden mit großen Augen angeschaut”

Das erste Länderspiel wurde am 31. März 2001 in Villach ausgetragen, mittlerweile haben sich die Österreicherinnen in der zweiten Leistungsstufe etabliert. Bei der B-WM in Graz hat man die Top-10 der Welt im Visier. Um Wahrnehmung kämpfen sie aber noch immer: “Der Sport ist noch sehr jung, wir werden oft mit großen Augen angeschaut, wenn es um Frauen-Eishockey geht“, sagt Eagles-Kapitänin Brunner im S24-Gespräch. Im Gegensatz zum anderen Geschlecht sei das Spiel taktischer, weil es weniger körperbetont ist und Checks verboten sind. Körperkontakt lässt sich natürlich nicht vermeiden, die Bewegungen am Eis sind dafür flüssiger und ästhetischer.

Eishockey ist ein teures Hobby

Die offenen Baustellen sind groß: Geld, Prämien oder andere Arten der Entlohnung gibt es nicht, die Ausrüstung muss in den meisten Fällen komplett selbst bezahlt werden. “Eigentlich ist es Glück, dass wir bei der WM in Graz nichts bezahlen müssen”, kommentiert Volgger süffisant. Wegen der (letztlich verpassten) Olympia-Qualifikation, einem Turnier mit den Top-Nationen Russland und Finnland und der Heim-WM in Graz, greift das Nationalteam heuer auf ein Rekord-Budget von 450.000 Euro zurück.

Medaille fest angepeilt

Vor acht Jahren hatten die Damen mit 100.000 Euro Jahresbudget auskommen müssen, die Teamspielerinnen logierten während der ersten Heim-WM in Sechs- bis Achtbettzimmern in einer Jugendherberge. Solche Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Einen Sponsor hat das heimische Damen-Eishockey aber noch immer nicht, in Graz will man auf sich aufmerksam machen – möglichst mit einer WM-Medaille. Japan ist Favorit, doch laut Fazokas “kann alles passieren, denn die Mannschaften sind eng beieinander.” Gegen den Titelaspiranten verloren die Österreicherinnen den letzten WM-Test am Mittwoch mit 3:5.

Nachwuchs als große Herausforderung

“Für Österreich ist es eine tolle Werbung und natürlich lässig vom eigenen Publikum unterstützt zu werden”, freut sich Fazokas auf den WM-Start am Ostersamstag. Die 20-Jährige maturiert heuer in Zell am See (Pinzgau) und will danach an ein US-College. Stürmerin Volgger ist der Meinung, dass gute Leistungen auch junge Mädchen zur schnellsten Mannschaftsportart der Welt inspirieren könnten: “Wenn jedes Herren-Team der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) ein Damen-Team stellen würde, wäre es deutlich einfacher in der Nachwuchsarbeit”, so die Studentin. Anfangs könne man noch gemeinsam mit den Burschen trainieren, doch “ab dem 14. Lebensjahr sollte man in eine Damenmannschaft wechseln”, wirft Brunner ein, die als Physiotherapeutin arbeitet, wenn sie nicht gerade am Eis steht.

Drei Säulen der Salzburg Eagles

Bei den Salzburg Eagles unterteilt man übrigens in Spitzensport (EWHL), Nachwuchs- (DEBL) und Breitensport. Mit Linz gibt es zudem seit knapp einem Jahr eine Kooperation und regen Austausch im Jugendbereich. “Das trägt irgendwann Früchte”, meint Brunner, die mit dem Nationalteam bei Weltmeisterschaften bereits Bronze und Silber, sowie mit den Eagles den Staatsmeistertitel holte. Zur WM in Graz haben die Eagles insgesamt acht Spielerinnen abgestellt.

“Es macht einfach riesigen Spaß”

Kein Geld, viele Kosten, Nachwuchsprobleme und wenig Wahrnehmung: die Liste der Probleme ist lang, doch Motivationsprobleme kennen die drei Eagles-Spielerinnen nicht. “Wenn man kein Geld bekommt, dann ist die Verbindung zum Sport und zur Gemeinschaft viel stärker”, findet Fazokas. Spielführerin Brunner pflichtet ihr bei: “Wir sind wie eine Familie und verstehen uns alle hervorragend untereinander. Wenn wir uns nicht in der Eishalle treffen, dann eben woanders – es macht einfach riesigen Spaß.”

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WM-Programm in Graz

  • Ostersamstag: Dänemark – Frankreich (13 Uhr), Ungarn – Japan (16.30), Norwegen – Österreich (20)
  • Ostersonntag: Japan – Dänemark (13), Frankreich – Norwegen (16.30), Österreich – Ungarn (20)
  • Dienstag (18. April): Japan – Norwegen (13), Ungarn – Dänemark (16.30), Frankreich – Österreich (20)
  • Donnerstag (20. April): Frankreich – Ungarn (13), Dänemark – Norwegen (16.30), Österreich – Japan (20)
  • Freitag (21. April) : Norwegen – Ungarn (13), Japan – Frankreich (16.30), Österreich – Dänemark (20)

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