Elbphilharmonie-Eröffnung auch im Kleinen Saal

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Das neue Wahrzeichen Hamburgs
Das neue Wahrzeichen Hamburgs - © APA (AFP)
Mit der Eröffnung des Kleinen Saales am Donnerstagabend ist die Hamburger Elbphilharmonie nun offiziell im Vollbetrieb. “Momentan wären wir auch mit kammblasenden Putzfrauen ausverkauft im Großen Saal”, zeigte sich der österreichische Intendant Christoph Lieben-Seutter glücklich über Nachfrage. Dennoch griff man für die Inauguration des Kleinen Saals nicht auf das Reinigungspersonal zurück.

Stattdessen wurde der Abend vom Ensemble Resonanz gestaltet, einer Avantgarde-Kammerformation, die sich seit einiger Zeit mit ihrem Standort “Resonanzraum” in einem Hamburger Bunker einen Namen gemacht und nun im 550 Personen fassenden Kleinen Saal als Residenzorchester ihren Zweitwohnsitz gefunden hat. Dieser ist anders als sein großer Bruder nicht nach dem Weinberg-Prinzip, sondern in klassischer Schuhschachtel-Form gestaltet und mit französischem Eichenholz vertäfelt. Ein wenig erinnert das Ganze an eine Tiroler Bauernstube, deren Wände Blasen schlagen, die aber einen wohligen Duft ausstrahlt und eine solide Akustik aufweist.

Deren Möglichkeiten stellte mit Georg Friedrich Haas der momentan erfolgreichste österreichische Komponist unter Beweis. Sein Auftragswerk “Release” ist dabei durchaus im Doppelsinn zu verstehen – nicht nur als “Veröffentlichung”, sondern auch “Befreiung”. Dies gilt nicht nur für die Form des Werks, das die Musiker zunächst auf die Technikertribüne in lichte Höhen und erst allmählich auf die Bühne führte, sondern auch als rückgespiegelte Umschreibung für Haas’ persönlichen Werdegang der vergangenen Jahre. So wird “Release” zur Kulmination einer Entwicklungsphase im Leben des Komponisten, die zuletzt von seinem Bekenntnis zu sadomasochistischen Tendenzen in seiner Sexualität wie der Offenbarung der NS-Vergangenheit seiner Familie, die seine Jugend überschattete, gekennzeichnet war.

In dieser persönlichen Freimachung von Schatten der Vergangenheit steigen wabernde Blasenteppiche aus einer Basslinie auf. Darauf kratzen die Streicher in einem extrem verlangsamten Glissando an jenen feinen Überlappungen der Dissonanz, an denen der Schmerz noch lustvoll ist. Immer wieder kommt die ganze Maschinerie wie beim Ausrollen eines Autos zum Stillstand, um sich sogleich zu wilder Kakophonie aufzuschwingen. Ein wildes Unisono, das dann doch wieder auseinanderstrebt.

Neben Haas interpretierte das Ensemble Resonanz als “kreativen Unruhepol” (O-Ton Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz) unter Emilio Pomarico mit Alban Bergs “Frühen Lieder” gleich noch einen zweiten Österreicher, bevor Bela Bartoks “Musik für Saiteninstrumente und Schlagzeug” den Abend beschloss. Aber auch wenn die beiden Eröffnungskonzerte nun erfolgreich über die Bühne gebracht sind, hört man in Hamburg noch lange nicht mit dem Feiern auf.

Schließlich hat man gleich ein ganzes Eröffnungsfestival angesetzt, das sich bis zum 29. Jänner ziehen wird. In dessen Rahmen werden noch so renommierte Ensembles wie die Chicago Symphony unter Riccardo Muti (14. und 15. Jänner) oder die Wiener Philharmoniker unter Semyon Bychkov und Ingo Metzmacher (22. und 23. Jänner), aber auch die Einstürzenden Neubauten mit gleich zwei Konzerten an einem Tag (21. Jänner) erwartet. Der neue Kulturtanker Elbphilharmonie nimmt also noch weiter Fahrt auf.

(APA)

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