England und Kroatien gegen die eigenen Halbfinal-Geister

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Für England und Kroatien bietet sich eine historische Chance
Für England und Kroatien bietet sich eine historische Chance - © APA (AFP)
Beide Teams sind in diesem Jahrtausend noch in keinem WM-Halbfinale gestanden. Für England und Kroatien bietet sich am Mittwoch (20.00 Uhr MESZ/live ORF eins) im Luschniki-Stadion in Moskau eine historische Chance. Vier Tage später wird ebendort die WM-Trophäe vergeben. Beide Mannschaften trennt nur noch ein Schritt vom großen Finale.

Für das Mutterland des Fußballs wäre es erst das zweite WM-Endspiel nach 1966. Damals hatten die Engländer im eigenen Land den Titel geholt. Seither sind es viel zitierte “52 years of hurt” (52 Jahre des Schmerzes), die in Russland enden sollen. Einer der bittersten Momente war der bisher letzte Halbfinal-Auftritt bei der WM 1990, als im Elfmeterschießen gegen Deutschland das Aus kam.

Bei der Heim-EM 1996 war es der aktuelle Teamchef Gareth Southgate selbst, der im Halbfinale gegen die Deutschen den entscheidenden sechsten Elfmeter vergab. Seinem ruhigen Führungsstil blieb der 47-Jährige aber auch vor dem Duell mit Kroatien treu. “Keiner von uns ist zufrieden und keiner steht besonders unter Strom”, sagte Southgate. “Es wird ein sehr ausgeglichenes Spiel, in dem wir dafür sorgen müssen, das zu kontrollieren, was wir kontrollieren können.”

Zu kontrollieren gilt es vor allem Kroatiens herausragendes Mittelfeld um Kapitän Luka Modric und Ivan Rakitic. Nicht nur der kroatische Teamchef Zlatko Dalic bezeichnet seine Achse als “die besten Mittelfeldspieler des Turniers”. Dazu setzen die Kroaten im Vergleich zu Englands vorangegangenen Gegnern auf mehr Ballbesitzfußball. Auf die englischen Offensivkräfte Dele Alli, Raheem Sterling und Jesse Lingard wird daher besonders viel Defensivarbeit zukommen, um Jordan Henderson im Mittelfeldzentrum nicht alleine zu lassen.

Von seiner Startformation, die in der K.o.-Phase bereits Kolumbien (im Elferschießen) und Schweden (2:0) ausgeschaltet hat, will Southgate nicht abrücken. Auch dem wegen seiner Torflaute in der Heimat zusehend in der Kritik stehenden Raheem Sterling dürfte er weiter das Vertrauen schenken. Der Angreifer von Manchester City hat seit Oktober 2015 nicht mehr im englischen Team getroffen. In 42 Länderspielen stehen nur zwei Tore zu Buche. “Raheem ist fundamental für die Art und Weise, wie wir spielen”, lobte Southgate aber dessen Laufwege und Beweglichkeit.

Für das Toreschießen ist bei England ohnehin ein anderer zuständig – Harry Kane. Der Kapitän führt mit sechs Treffern die WM-Schützenliste an. Nicht zuletzt seinetwegen gelten die “Three Lions” gegen Kroatien als leichter Favorit. Auch Henderson ist ein Glücksbringer: Mit dem Liverpool-Kapitän auf dem Platz hat England keines der letzten 30 Spiele verloren – der bisher längste ungeschlagene Lauf eines englischen Teamspielers überhaupt.

Acht seiner bisher elf Turniertreffer hat England nach Standardsituationen erzielt. “Wir wissen, wie stark sie bei ruhenden Bällen sind”, betonte Modric, der mit seinen Mannen die Generation von 1998 übertreffen will. Damals war Kroatien nach einer Halbfinal-Niederlage gegen Frankreich (1:2 nach Führung) WM-Dritter geworden. Näher war man dem Finale noch nie. 1998 ist für die Kroaten derzeit ein Dauerthema. “Wir wollen weiter unsere eigene Geschichte schreiben”, betonte Rakitic, der im Achtel- und Viertelfinale jeweils die entscheidenden Elfmeter verwertet hatte.

Die 120 Minuten samt Elfmeterschießen gegen Dänemark und Russland haben allerdings an den Kräften gezehrt. England hofft auf eine etwas größere Frische. “Aber auch wir haben schon eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen erlebt und wissen um die physischen und emotionalen Folgen davon”, erinnerte Southgate an das Achtelfinale gegen Kolumbien.

Dalic sieht das ähnlich. “Zweimal 120 Minuten zu spielen ist nicht einfach, einige Spieler haben kleine physische Probleme. Aber im Semifinale zu stehen ist eine Motivation, die uns neue Stärke und neue Energie gegeben hat.” Angst habe man ohnehin vor niemandem. Oder wie es der stets hart arbeitende Stürmer Mario Mandzukic formulierte: “Wir werden den letzten Tropfen Schweiß auf dem Platz lassen, um unser Ziel zu erreichen.”

Mandzukic dürfte an vorderster Front auf sich alleine gestellt sein, wenn Andrej Kramaric in der Startformation aus taktischen Gründen wie erwartet Mittelfeldmann Marcelo Brozovic weichen muss. Ein großes Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Sime Vrsaljko. Kann der Rechtsverteidiger von Atletico Madrid wegen seiner Knieverletzung nicht spielen, müsste Innenverteidiger-Routinier Vedran Corluka beginnen und Viertelfinal-Torschütze Domagoj Vida wie zuletzt in der Verlängerung gegen Russland nach außen rücken. Für Salzburg-Legionär Duje Caleta-Car bleibt die Ersatzbank.

Von bisher sieben Duellen mit Kroatien hat England bei zwei Niederlagen und einem Unentschieden vier gewonnen, die beiden jüngsten in der WM-Qualifikation für 2010 mit 4:1 und 5:1. Bei einem großen Turnier waren die beiden Teams bisher nur einmal aufeinandergetroffen: Bei der EM 2004 unterlagen die Kroaten unter Teamchef Otto Baric in Lissabon mit 2:4.

(APA/ag.)

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