Ernährungs-Expertin Conny Hörl im Sonntags-Talk: “Wir sollten unsere Mahlzeiten zelebrieren”

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Conny Hörl klärt im Sonntags-Talk Mythen rund um gesunde Ernährung auf.
Conny Hörl klärt im Sonntags-Talk Mythen rund um gesunde Ernährung auf. - © Wild & Team
Wer sich mit einem gesunden und sportlichen Lebensstil beschäftigt, kommt in Salzburg an dem Namen Conny Hörl kaum vorbei. So steht die 44-Jährige nicht nur hinter der Fitnessstudiokette Vita Club, sondern sie gilt auch in Sachen Ernährung als Expertin. Gemeinsam gehen wir im Sonntags-Talk Ernährungsmythen auf den Grund. Was Tarzan damit zu tun hat und wie wir unseren Biorhythmus als Jungbrunnen nutzen können, erfahrt ihr hier.




SALZBURG24: Wir stecken mitten in der kirchlichen Fastenzeit. Wie kann man diese Wochen nutzen, um seinem Körper etwas Gutes zu tun?

CONNY HÖRL: Die Fastenzeit hat für mich so ein bisschen den Charakter wie Neujahr. Man ist motiviert und hat gute Vorsätze. Der Aschermittwoch bietet uns sozusagen eine zweite Chance, um seine Gewohnheiten zu verändern.

Braucht es dazu wirklich einen besonderen Tag?

Ob Neujahr oder Fastenzeit – an solchen Tagen sitzen viele in einem Boot. Ernährungsumstellung, Verzicht auf Zigaretten und Alkohol oder mehr Sport – das ist immer etwas, bei dem ich meinen inneren Schweinehund überwinden muss. Und wenn ich weiß, dass ich dabei nicht alleine bin, fällt mir das natürlich leichter. Gerade in Gesellschaft ist es einfacher, wenn ich nicht der einzige bin, der zum Beispiel auf Alkohol verzichtet.

Warum ranken sich ausgerechnet um die Ernährung so viele Mythen? Bei welchem Thema besteht der größte Aufklärungsbedarf?

Es ist in den letzten Jahren sehr viel an Aufklärung passiert. Jeder weiß heute, dass Zucker, Weißmehl, schnelle Kohlenhydrate und dergleichen für den Stoffwechsel nicht gut sind. Oft ist es ein sich blenden lassen von vermeintlich gesunden Produkten. Wichtig ist, hinter die Werbebotschaft zu blicken.

Lass uns ein paar Jahre zurückdenken: Was wussten unsere Großmütter schon, das immer noch gut für uns ist?

Unsere Großmütter haben auf jeden Fall frisch gekocht – das ist für mich der absolut wichtigste Punkt und das war der wahre Vorteil von damals. Natürlich haben sie damals extrem fett- und zuckerreich gekocht. In den Nachkriegsjahren haben aber ganz andere Bedürfnisse bestanden. Heute sind wir eher übersättigt.

Viele Probleme, die es heute gibt, haben sich damals erst gar nicht gestellt, weil es Fertigprodukte nicht gab. Man hatte keine Wahl, sondern musste sich einfach selbst an den Herd stellen. Das haben viele von uns aber mittlerweile verlernt. Dabei geht es meiner Meinung nach weniger ums Wissen oder Können, sondern um die Frage: Ist mir meine Gesundheit die Zeit wert?

Frische Zutaten sind das A und O für eine gesunde Ernährung, sagt Conny Hörl./APA/GEORG HOCHMUTH/Archiv Frische Zutaten sind das A und O für eine gesunde Ernährung, sagt Conny Hörl./APA/GEORG HOCHMUTH/Archiv ©

Allgemein gilt die Salzburger Küche eher als deftig. Welche gesunden Möglichkeiten bieten sich an?

Ein Gericht, das ich sehr gern esse, ist zum Beispiel Tafelspitz. Wenn man schaut, dass das ein qualitativ hochwertiges Fleisch ist und mit den Gemüsebeilagen – seien es Karotten, Kohlrabi oder Spinat – dann ist es nicht nur ein gutes, sondern auch ein gesundes Essen. Denn das Fleisch ist gekocht und nicht gebraten, der Fettanteil ist dadurch natürlich geringer.

Natürlich wird aber auch der Tafelspitz ungesund, wenn du ihn mit Röstkartoffeln servierst. Wenn man die klassische Sättigungsbeilage öfter mal gegen Gemüse oder Salat austauscht, ist man auf einem sehr guten Weg.

Viele stellen sich die Frage: Drei Mahlzeiten täglich oder doch lieber immer wieder Kleinigkeiten – was ist gesünder?

Die modernen Ernährungsmediziner gehen alle auf drei Mahlzeiten. Das hat ein paar ganz klare Gründe. Das eine ist, wenn du eine Pause zwischen den Mahlzeiten hast, dann kann sich der Zuckerstoffwechsel stabilisieren, weil nicht immer eine Insulinausschüttung notwendig ist. Das Insulin blockiert unsere Fettverbrennung. Unserem Körper diese insulinfreie Zeit zu gönnen, tut der Bauchspeicheldrüse gut. Das Zweite ist, durch diese wenigen Mahlzeiten erlebst du das Essen ganz anders. Das fehlt, wenn du immer nur Kleinigkeiten nebenbei snackst. Ob es nun Nüsse oder ein kleines Brot sind, dabei haben wir selten einen Teller vor uns stehen. Wir sollten unsere Mahlzeiten viel mehr zelebrieren. Denn sonst kommt am Ende des Tages das Gefühl auf, heute habe ich ja noch gar nichts Richtiges gegessen und dem Heißhunger wird Tür und Tor geöffnet.

Wie viele Stunden zwischen den Mahlzeiten sind empfehlenswert?

Ideal sind vier bis sechs Stunden. Interessante Studien gibt es auch in die Richtung, dass es für den Körper wichtig ist, hin und wieder eine sehr lange Nahrungskarenz durchzuhalten. Man geht dabei davon aus, dass das eine positive Auswirkung auf unseren Hormonhaushalt und den Fettstoffwechsel hat, wenn man dreimal die Woche eine 14-stündige Pause zwischen Abendessen und Frühstück einhält. Das “Dinner-Cancelling” gilt als Geheimtipp, um langfristig schlank und jung zu bleiben.

Dann hat es mit der Regel, kein Essen nach 17 Uhr doch etwas auf sich oder?

Wenn man danach geht, hat das eine totale Berechtigung. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass das in den seltensten Fällen in unseren heutigen Alltag passt. Bei uns ist es einfach so, dass das Abendessen in vielen Familien die einzige Mahlzeit ist, die man gemeinsam in Ruhe und mit Genuss einnimmt. Und das hat einen hohen Stellenwert für unser Wohlbefinden – wenn wir wieder an das psychologische Essenserlebnis denken. Das darf dadurch nicht verloren gehen. Man sollte sich deswegen keinen Stress machen, auch das ist kontraproduktiv. Aber wenn man die 14-Stunden-Pause zwei- bis dreimal in der Woche schafft, dann ist das sicherlich ein guter Mittelweg.

An dieser Stelle können wir einen weiteren Mythos gleich bestätigen: Wer beim Abendessen die Kohlenhydrate etwas einschränkt, vermindert dadurch den Ausstoß von Insulin, was sich wiederum auf die Fettverbrennung auswirkt. Das heißt, im Endeffekt zählt nicht nur die Kalorienbilanz, sondern auch wann ich was zu mir nehme. Wir dürfen unseren Biorhythmus nicht außer Acht lassen. Hormone, die unseren Stoffwechsel steuern, werden nun mal in bestimmten Zeitabständen ausgeschüttet.

S24-Redakteurin Michaela Berger lud Conny Hörl zum Interview in die Redaktion ein./SALZBURG24 S24-Redakteurin Michaela Berger lud Conny Hörl zum Interview in die Redaktion ein./SALZBURG24 ©

Einige Mythen haben wir bereits aufgeklärt, aber gibt es denn auch den einen ultimativen Tipp in Sachen Ernährung?

Da muss ich dich leider enttäuschen, den gibt es nicht. Es ist immer eine Summe aus vielen kleinen Bestandteilen. Aber ich kann nur jedem raten, sich ein Minimum an Ernährungs-Know-how anzueignen. Ich gebe gern ein Beispiel mit Tarzan und dem Zähneputzen: Jeder putzt seine Zähne. Wenn man nach dem Warum fragt, ist die Antwort schnell klar: Karies, Mundgeruch – wir stellen es einfach nicht in Frage, das Wissen darüber ist bei uns tief verankert. Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich wäre Tarzan – mit dem Flieger abgestürzt und von Affen aufgezogen – dann wäre mir das Zähne putzen wahrscheinlich egal. Weiß ich analog dazu weiß, was passiert, wenn ich Pommes oder anderes Fast Food essen, werde ich auf manche Dinge gar keine Lust mehr haben. Das Wissen über die körperlichen Vorgänge ist somit der Schlüssel zu einem gesunden Lebensstil.

Denn wer Bescheid weiß, braucht sich nicht von Diäten oder ähnlichem abhängig machen. Man weiß dann aber auch, dass es keine Perfektion braucht, sondern eine gesunde Balance. Ich plädiere dabei für die 80-20-Regel. 80 Prozent sollte die Marschrichtung passen, 20 Prozent bleiben für den Spaß-Genuss-Faktor. Das glaube ich, kann man im Alltag auch gut umsetzen, ohne sich ständig einschränken zu müssen. Denn wer das Gefühl hat, immer zu verzichten, verliert die Motivation.

Liebe Conny, vielen Dank für das Gespräch!

 

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

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