Erneute Umbenennung von belasteten Straßennamen in Salzburg gefordert

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Im August fand eine Künstleraktion zur Umbenennung der Josef-Thorak-Straße statt.
Im August fand eine Künstleraktion zur Umbenennung der Josef-Thorak-Straße statt. - © Wolfram P. Kastner
Die Bürgerliste in der Stadt Salzburg hat am Mittwoch in einem Antrag an den Gemeinderat erneut die Umbenennung von historisch belasteten Straßennamen gefordert. Vor allem die Josef-Thorak-Straße ist den Grünen ein Dorn im Auge, denn der Bildhauer war der Lieblingsbildhauer von Adolf Hitler. Bei neuen Namen sollten auch Frauen und Opfer des Nationalsozialismus zum Zug kommen.

“Die Zahlen und Fakten sprechen eine klare Sprache. Mit Stand Februar 2013 waren 529 Verkehrsflächen (46,3 Prozent) nach Männer und 34 Straßen (3 Prozent) nach Frauen benannt”, stellte Bürgerliste-Gemeinderätin Ingeborg Haller in dem Antrag fest. Zudem seien erst Anfang der 1980er Jahre Straßen vermehrt nach Opfern des Nationalsozialismus und nach Widerstandskämpfern benannt worden.

Salzburg: NS-Benennungen bis 1990

Allerdings seien bis Anfang 1990 immer noch Straßen-Benennungen mit Personen erfolgt, deren Rolle während der NS-Zeit umstritten war, kritisierte Haller. Sie listete als Beispiele neben der Josef-Thorak-Straße (1963) die Heinrich-Damisch-Straße (1963), die Karl-Reisenbichler-Straße (1965), die Clemens-Krauss-Straße (1969), die Tobias-Reiser-Straße (1983), die Rene-Marcic-Straße (1984) und die Eugen-Müller-Straße (1988) auf. “Erst 1991 wurde der Sigmundsplatz in Karajanplatz umbenannt, wobei bekannt sein musste, dass der Dirigent bereits 1933 der NSDAP beigetreten war”, sagte Haller zur APA.

Josef-Thorak-Straße umbenennen

Die Gemeinderätin schlug vor, die Josef-Thorak-Straße in Helene von Taussig-Straße umzubenennen. Taussig (1879 bis 1942) war österreichische Malerin. Ihr künstlerisches Schaffen war mit Salzburg eng verbunden. Wegen ihrer jüdischen Abstammung wurde sie Opfer des NS-Regimes. Die Malerin wurde am 21. April 1942 im polnischen Konzentrationslager Izbica ermordet.

Um die Thorak-Straße gab es auch heuer wieder Aufregung. Nachdem das Straßenschild von Unbekannten schwarz beschmiert worden war, wurde es entfernt. Die Bauabteilung der Stadt versah es mit einer Schutzschicht gegen Vandalenakte. Der KZ-Verband und die grüne Bürgerliste zeigten sich darüber empört, die Straße sollte endlich einen anderen Namen erhalten, hieß es. Die Künstler Wolfram P. Kastner und Bernhard Gwiggner forderten mittels Kunstaktionen ebenfalls eine Umbenennung. Die Idee dazu stammt Ursprünglich von der Künstlerin Konstanze Sailer.

Bürgerliste Salzburg will Straßenumbenennungen

In dem aktuellen Antrag der Bürgerliste an die Abteilung 2 wird nun ersucht, unter Einbeziehung der Historikerkommission einen Vorschlag für Straßenumbenennungen in Form eines Amtsberichtes zu erarbeiten und dem Gemeinderat zur Abstimmung vorzulegen. Haller hofft, dass der Antrag nicht in der Schublade von Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) verschwindet.

Der Vorschlag von NEOS-Klubobmann Sebastian Huber, ein Gesamtkonzept für den Umgang mit historisch belasteten Straßennamen vorzulegen, geht ihr zu wenig weit. “70 Jahre nach der Befreiung und nach jahrzehntelanger Diskussion braucht es kein Konzept mehr, sondern nur den politischen Willen, Umbenennungen vorzunehmen.” Historiker Gert Kerschbaum hat bereits vor 1988 eine Liste von offenbar NS-belasteten Personen erarbeitet. Darunter fanden sich auch Namen wie Josef Thorak und Tobias Reiser.

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