Erster Brotbackofen mit Salzburger Knowhow in Bhutan

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Gasteiner Backofen-Kunst im Himalaya.
Gasteiner Backofen-Kunst im Himalaya. - © Silvia Schmid
Wie Bhutaner auf den Geschmack alpiner Brotbacktradition kommen, warum Salzburger Bergbauern sich im Himalaya über Mähtechniken austauschen und warum manche Tomaten im Lungau noch schöner rot leuchten, verrät dieser fernöstliche Grenzfall.

Bhutan ist anders. Langsamer, für unsere Begriffe beschwerlicher. Für 250 Kilometer von der Hauptstadt Thimphu ins Bergdorf Ura ist man mindestens elf Stunden unterwegs, Autobahnen oder längere gerade Straßenstücke sucht man vergeblich. Das Fernsehen ist keine zwanzig Jahre alt. In Bhutan befindet sich mit dem 7.570 Meter hohen Gangkar Puensum der höchste unbestiegene Berg der Erde. Eine Gipfelvermarktung ist ausgeschlossen. Das Glück ist Verfassungsziel im Königreich.

Mit wenig glücklich sein

Man könnte meinen, der buddhistisch geprägte Binnenstaat im Himalaya sei gerade dem Mittelalter entwachsen. Oder aber glücklich, Abstand zu den Segnungen der technisierten und hektischen Industrienationen zu haben. In diesem Punkt trifft nämlich der in den Salzburger Gebirgsregionen heimische Nachhaltigkeitsgedanke mit der fernöstlichen Philosophie, mit wenig auch zufrieden zu sein, zusammen.

Gasteiner Brotbackofen im Himalaya

Hafnermeister Christof Bader aus Bad Gastein (Pongau) war schon zwei Mal in Bhutan. Zuletzt baute er in knapp einer Woche gemeinsam mit Bhutanern einen Brotbackofen in Ura auf 3.170 Metern. Die Kenntnisse seines Großvaters, der in Gasteiner Höhenlagen bei den Bauern Öfen setzte und dabei den niedrigeren Luftdruck berücksichtigen musste, kamen ihm dabei zugute. In Bhutan gibt es nur Lehmöfen für Teigfladen, aber Brot ist unbekannt. Auf den Brotgeschmack gekommen sind die Bergbäuerinnen Tashi Wangmo und Tshering Wangmo aus Bhutan bei einem Austauschprogramm in Salzburg. Sie schnupperten beim Biolandbau und trafen auf die Rauriser Holzofenbrotfanatikerin Roswitha Huber.

Biolandbau als wirtschaftliches Standbein

Hinter diesen Aktivitäten steht der Salzburger Verein Bhutan Network. “Es geht uns nicht darum, einem Entwicklungsland den Fortschritt zu bringen, sondern darum aufzuzeigen, wie man behutsam und nachhaltig wirtschaften kann. Die Broterzeugung ist ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein für die Bergbauern in Bhutan, die auf Biolandbau umstellen. Mit den Broten aus dem Backofen etwa werden umliegende Hotels und Lodges beliefert – Bhutan gilt unter westlichen Besuchern als Trekkingparadies. Wir überlassen grundsätzlich den Einheimischen, was sie mit dem Knowhow aus Salzburg machen”, erläutert Geschäftsführerin Kristel Josel. “Wir vernetzen Menschen direkt an der Basis, dies zeichnet unser Programm aus.”

LMZ/Neumayr/LeoDas Bio Bäuerinnen Austauschprogramm mit Bhutan: Rosina und Georg Feldinger, Landesrätin Martina Berthold, Tshering Wangmo und Tashi Dorji. Von links: Rosina und Georg Feldinger, Landesrätin Martina Berthold (Grüne), Tshering Wangmo und Tashi Dorji. Foto: LMZ/Neumayr/Leo ©

Wissen überwindet Kontinente

Das bedeutet ein Umdenken auch bei den Salzburger Wissensträgern, denn vieles ist einfach nicht bekannt oder vorhanden wie etwa Maschinen. “Das Gras wird noch traditionell mühsam mit kleinen Sicheln geschnitten, da bedeutet der Einsatz einer Sense schon einen großen Sprung”, berichtet Franz Wasner, beim Land Salzburg zuständig für Entwicklungszusammenarbeit über den Transfer alter Bergbauernkenntnisse aus Salzburg nach Fernost. Doch der Knowhow-Transfer ist keine Einbahnstraße: Lungauer Bauern lernten von ihren Berufskollegen im Bhutan, wie man Tomatenstauden abschneiden muss, um farbenintensivere und aromatischere Früchte zu ernten.

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