Erstes Abfahrtstraining der Damen in Zauchensee abgesagt

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Weiter Warten auf Comeback von Vonn
Weiter Warten auf Comeback von Vonn - © APA (Archiv)
Das erste Training für die Damen-Weltcup-Abfahrt in Zauchensee ist abgesagt worden. Intensiver Schneefall über Nacht machte die erste Übungseinheit am Donnerstag unmöglich. Das Programm der alpinen Ski-Weltcup-Rennen der Herren in Wengen wird nicht verändert. Die Abfahrt bleibt für Samstag (12.30 Uhr), der Slalom für Sonntag (10.30/13.30 Uhr) angesetzt.

Insgesamt droht eine Durchführung der Lauberhornrennen unter schwierigen Umständen, Schneefall und Wind sind an allen drei Bewerbstagen prognostiziert. In welcher Reihenfolge die Alpine Kombination am Freitag in Szene geht – Abfahrt vor Slalom oder umgekehrt (10.30/14.00 Uhr sind Beginnzeiten) – wird erst am Donnerstagnachmittag festgelegt.

Mit der Absage des Donnerstags-Trainings muss sich auch Lindsey Vonn bei ihrem geplanten Rennpisten-Comeback in Geduld üben. Die Amerikanerin will nach langer Verletzungspause in Zauchensee ebenso in den Weltcup zurückkehren wie ihre US-Teamkollegin Julia Mancuso. Nachdem sie die vergangene Saison wegen eines gebrochenen Schienbeinkopfes vorzeitig beenden hatte müssen und auch im Sommer wenig trainieren hatten können, hatte sich Vonn am 10. November beim Training in Colorado auch noch den rechten Oberarmknochen gebrochen.

Das, so Vonn in Zauchensee, sei aber letztlich noch das kleinere Probleme gewesen, bestätigte sie nun, dass die dabei betroffenen Nerven schwerer beschädigt waren als bisher bekannt. “Als ich nach der OP aufgewacht bin, hat mein kompletter Arm nicht funktioniert”, schrieb Vonn auf ihrer Facebook-Seite. In einem aktuellen Video ist zu sehen, dass Vonn selbst einfache Tätigkeiten, wie die Finger auszustrecken oder einen Löffel zum Mund zu führen, lernen musste.

“Noch heute habe ich Probleme mit einfachen Sachen, wie meinen Skihandschuh anzuziehen oder mir die Haare zu machen”, schrieb Vonn. “Aber ich bin an einem Punkt, an dem ich mit meiner Hand in den meisten Situationen zurechtkomme.”

Während Jung-Ehefrau Mancuso Donnerstagfrüh in Zauchensee zusammen mit ihrem snowboardenden Mann zum Tiefschneefahren ging, genoss Vonn im US-Teamhotel ein spätes Frühstück im Trainingsanzug. “Schade” kommentierte die 32-Jährige dabei das ausgefallene Training. Die Abfahrtsdamen müssen sich in Zauchensee auf einiges einstellen, denn auch am Freitag soll es schneien.

“Das werden interessante Tage, wir sind auf das Schlimmste vorbereitet”, sagte Chef-Renndirektor Atle Skaardal angesichts von bis zu 40 Zentimeter Neuschnee. Als eine Maßnahme hat man auf der Kälberloch-Strecke, die in bereits perfektem Rennzustand gewesen war, ehe man schon vergangene Woche viel Neuschnee rausräumen musste, gleich mehrere Reservestarts vorbereitet.

Vonn hat noch gut drei Wochen Zeit, sich auf die Februar-WM in St. Moritz vorzubereiten. In Zauchensee ist für Samstag eine Abfahrt geplant, am Sonntag folgt eine Kombination, an der sie aber nicht teilnimmt.

Im Vorjahr hatte Vonn mit Sprint-Abfahrt und Super-G beide Zauchensee-Rennen gewonnen und dabei den Abfahrts-Siegrekord von Annemarie Moser-Pröll eingestellt. Diesmal folgen nach Zauchensee und vor der WM noch Speed-Rennen in Garmisch-Partenkirchen und Cortina d’Ampezzo.

Über 300 Stunden Therapie habe sie in den neun Wochen seit ihrer Oberarm-Operation aufgewendet, berichtete Vonn auf Facebook. Einen Großteil der Therapie hatte sie dabei mit den Physiotherapeuten Lindsay Winninger und Patrick Rottenhofer in Los Angeles abgewickelt, um ihre motorischen Funktionen zurückzugewinnen.

Sie gehe deshalb nun so offen mit der Information um, weil sie damit Menschen mit ähnlichen Verletzungen Mut machen wolle, betonte Vonn. Bei der Rückkehr war sie von einem Eurosport-Team begleitet worden, die neue Doku-Serie “Chasing History” wird im Februar zu sehen sein.

Verletzungen und Comebacks sind nichts Neues im Sportleben der Lindsey Caroline Vonn. Die Abfahrts-Olympiasiegerin von 2010 blickt auf zahlreiche Stürze, Knochenbrüche, Bänderrisse und Knorpelverletzungen sowie auch Depressionen zurück und hat bereits gut ein Dutzend Comebacks gefeiert.

2013 etwa hatte die damals noch mit Golfstar Tiger Woods liiert gewesene Amerikanerin nach einem Sturz bei der WM in Schladming ebenfalls lange pausieren und dann wegen eines neuerlichen Unfalls in Copper Mountain ihr erfolgreiches Renn-Comeback rasch wieder beenden müssen. Danach hatte sie auch Olympia 2014 in Sotschi verpasst.

Deshalb hat die stets alles riskierende und an Weltcup-Siegen (76) dennoch erfolgreichste Rennläuferin aller Zeiten längst Olympia 2018 ins Auge gefasst. Auf dem Weg dorthin will Vonn auch Ingemar Stenmarks Siegmarke (86) auslöschen.

Den Saisonstart vergangenen Oktober in Sölden hatte Vonn erneut ausgelassen und stattdessen in den USA ihr Buch “Strong is the New Beautiful” vorgestellt. Danach passierte die Oberarm-Verletzung.

“Worte können nicht beschrieben, wie sehr ich mich auf die Rückkehr freue”, hatte Vonn nun gegenüber Eurosport vor Zauchensee gemeint. Dies jetzt sei ihre bisher schwerste Rückkehr gewesen, gestand Vonn. “Wenigstens hat die Heilung kürzer gedauert als meine vielen Knieverletzungen”, strich sie das Positive hervor.

Sie habe die besten Fans der Welt, schrieb Vonn abschließend. “Vergesst nie, nichts ist unmöglich. Wenn du stürzt, steh wieder auf!”

(APA)

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