Brüssel sieht trotz Risiken sanften Wirtschaftsaufschwung

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Bei der Frühjahrsprognose war man noch von 1,8 Prozent ausgegangen
Bei der Frühjahrsprognose war man noch von 1,8 Prozent ausgegangen - © APA (Archiv/dpa)
Die Wirtschaft in der Eurozone dürfte nach Einschätzung der EU-Kommission kommendes Jahr etwas schwächer wachsen als zunächst erwartet. Für heuer und 2018 sieht die Brüsseler Behörde jedoch vergleichsweise positive Trends, wie sie am Mittwoch mitteilte. Österreichs Wirtschaft wird für 2017 ein Plus von 1,6 Prozent vorausgesagt – genauso wie bei der Frühjahrsprognose.

Für das laufende Jahr erwartet die Kommission für Österreich ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent. Auch das bedeutet keine Änderung gegenüber der Frühjahrsprognose.

In ihrem Länderbericht zu Österreich weist die Kommission darauf hin, dass der Privatkonsum der Hauptantrieb für die Entwicklung sei, gemeinsam mit der Steuerreform, die die Einkommen der Haushalte erhöht habe. Der Aufwärtstrend des Landes seit 2015 habe beibehalten werden können. Allerdings hätten sich die Exporte im ersten Halbjahr 2016 schwach entwickelt.

Einen positiven Trend zeigt die Herbstprognose beim Budgetdefizit. Es soll 2017 mit 1,3 Prozent geringer ausfallen als noch im Frühjahr erwartet (1,4 Prozent). Für das laufende Jahr wird das Haushaltsdefizit für Österreich mit 1,5 Prozent demnach gleichbleiben. Für 2018 wird ein weiteres Absinken des Haushaltsdefizits auf 1,1 Prozent des BIP prophezeit.

Für die gesamte EU sieht die Kommission unter anderem bei den Arbeitslosenzahlen einen Grund zur Hoffnung – allerdings nicht in Österreich. Die heimische Arbeitslosenrate wird nämlich aus Sicht der Kommission zunehmen: Von 5,9 Prozent heuer auf 6,1 Prozent nächstes Jahr. Damit ist Österreich eines von vier Ländern mit einer Verschlechterung der Arbeitslosenquote – neben Estland, Großbritannien und Malta.

Sorgen bereiten laut der Prognose der gesamten EU auch das Brexit-Votum und Probleme außerhalb Europas. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der EU wird laut EU-Kommission 2017 um 1,5 Prozent zulegen. Im Frühjahr war die EU-Kommission noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent ausgegangen. Für heuer rechnet die Kommission indes mit einem Plus von 1,7 Prozent – im Frühjahr war sie hier noch von lediglich 1,6 Prozent ausgegangen. Für 2018 rechnet Brüssel nun ebenfalls mit einem Plus von 1,7 Prozent. Für die gesamte EU erwartet Brüssel eine ähnliche Entwicklung.

“Die Wirtschaftsleistung ist endlich höher als noch vor der Krise”, sagte der zuständige EU-Kommissar Pierre Moscovici. Die Arbeitslosenzahlen seien die niedrigsten seit 2009. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass alle Teile der Gesellschaft von der Wirtschaftserholung profitierten. Zudem gebe es noch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten.

Aufgrund des Brexit-Votums sieht die EU-Kommission vor allem die Aussichten für Großbritannien getrübt. Für 2016 geht sie von einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent aus, im kommenden Jahr sind es dann lediglich 1,0 Prozent. Es sei unter anderem zu erwarten, dass Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren, sagte Moscovici.

Für das krisengeplagte Griechenland sieht Brüssel hingegen eine vergleichsweise gute Entwicklung. 2016 geht die Wirtschaftsleistung demnach zwar um 0,3 Prozent zurück. 2017 soll das BIP aber um 2,7 Prozent steigen, 2018 sogar um 3,1 Prozent. Eine erfolgreiche Umsetzung des Spar- und Reformprogramms könne zu weiterem Wachstum führen, sagte Moscovici.

Die europäische Wirtschaft könne sich jedoch anders als in den vergangenen Jahren nicht mehr auf positive externe Faktoren wie einen niedrigen Ölpreis oder günstige Währungswechselkurse verlassen, hieß es weiter. Der Ausgang der US-Wahl wurde in den Prognosen nicht erwähnt.

(APA)

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