EU will Ebola-Koordinator ernennen

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Liberia fordert Hilfe an
Liberia fordert Hilfe an
Ein Koordinator soll Europas Hilfe im Kampf gegen die Ebola-Epidemie wirksamer machen. Er soll die Hilfsangebote der EU-Länder aufeinander abstimmen, sagte Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Montag nach einem Treffen mit seinen Kollegen in Luxemburg. Aus Afrika wurden unterdessen Fortschritte vermeldet: Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte Nigeria wieder für Ebola-frei.


Der EU-Koordinator sei ein “wichtiger Schritt”, damit sich alle an der Hilfe gegen die schwere Epidemie beteiligen könnten, sagte der französische Außenminister Laurent Fabius. Wer das Amt übernehmen solle, werde “in den kommenden Tagen” festgelegt.

Nach Angaben von EU-Diplomaten soll zunächst eine Aufgabenbeschreibung für den Posten erstellt werden. Dann könne möglicherweise der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag über die Frage entscheiden. Mehrere Staaten sprachen sich dem Vernehmen nach dafür aus, eine Persönlichkeit mit “medizinischem Hintergrund” für den Posten vorzuschlagen.

Bereits mehr als 9.200 Menschen weltweit haben sich laut WHO mit dem Virus infiziert, mehr als 4.550 von ihnen starben. Aus eigener Kraft sind die am schwersten betroffenen westafrikanischen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone kaum in der Lage, die Seuche in den Griff zu bekommen. Europäische Länder planen deshalb, in den kommenden Wochen hunderte Freiwillige in die Krisen-Regionen zu schicken. Nach Einschätzung des WHO-Experten Roberto Bertollini werden mindestens tausend ausländische Helfer gebraucht.

Die EU-Außenminister garantierten europäischen Helfern eine zuverlässige medizinische Versorgung, wenn sie sich mit der Krankheit anstecken. Sofern dies im Land selbst nicht in angemessener Weise möglich sei, werde “von Fall zu Fall” über einen Rücktransport durch Spezialflugzeuge entschieden, hieß es.

Bisher verfügt jedoch kein EU-Land über Maschinen, mit denen hochansteckende Ebola-Kranke sicher transportiert werden können, sie müssen derzeit in den USA angemietet werden. Die EU-Außenminister betonten zudem die Notwendigkeit, für die Zukunft einen “Pool” aus Gesundheitsexperten zu bilden, die “auf freiwilliger Basis für einen schnellen und gezielten Einsatz bei Gesundheitskrisen” bereit stehen.

Steinmeier hatte diese sogenannten “Weißhelme” vorgeschlagen. Noch keine Entscheidung fiel ihm zufolge zu seinem Plan, eine “zivile EU-Mission” zu Ebola ins Leben zu rufen. Diese “Plattform” soll es dem Minister zufolge kleineren Mitgliedstaaten ermöglichen, Hilfe in die Krisengebiete zu bringen.

Unterdessen kündigte die kubanische Regierung an, weitere 91 Helfer nach Westafrika zu entsenden. Zwei Hilfsmissionen sollen an diesem Dienstag nach Liberia und Guinea aufbrechen, wie Staatschef Raul Castro am Montag in der Hauptstadt Havanna im Rahmen einer Regionalkonferenz zum Thema Ebola ankündigte. Der sozialistische Karibikstaat hat Anfang Oktober bereits 165 Helfer nach Sierra Leone gesendet.

Nach dem Senegal hat in Afrika nun auch Nigeria die Krankheit eingedämmt, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO mitteilte. WHO-Vertreter Rui Gamaz Vaz sprach von einer “spektakulären Erfolgsgeschichte”. Sie zeige “der Welt, dass sich Ebola in den Griff bekommen lässt”.

Ein Flugpassagier aus Liberia hatte das Virus im Juli in die nigerianische Millionenstadt Lagos eingeschleppt, er starb wenige Tage später. Die Behörden reagierten rasch: Rund 900 Menschen, die mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten, wurden unter Beobachtung gestellt, strikte Kontrollen an allen Flughäfen und Häfen eingeführt. Nach offiziellen Angaben steckten sich dort insgesamt 20 Menschen mit dem Virus an, acht von ihnen starben.

In Spanien hat unterdessen die an Ebola erkrankte Krankenschwester Teresa Romero das Virus offenbar besiegt. Nach Regierungsangaben fiel ein erster Ebola-Test am Sonntag negativ aus. Die 44-Jährige hatte sich bei der Pflege eines inzwischen gestorbenen Missionars in Madrid angesteckt.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA will indes die Entwicklung von Medikamenten gegen die tödliche Ebola-Seuche durch mehr Anreize für die Pharmabranche beschleunigen. Wirkstoffkandidaten könne der sogenannte “Orphan Drug”-Status verliehen werden, teilte die Behörde am Montag in London mit.

Mit der Auszeichnung fördert sie die Forschung an Arzneien gegen seltene lebensbedrohliche Krankheiten, die nicht mehr als fünf von 10.000 Einwohnern in der EU betreffen. Ebola fällt in diese Rubrik. Der “Orphan-Drug”-Status für ein Präparat ist attraktiv. Den Firmen winkt nicht nur eine teilweise oder vollständige Befreiung von EMA-Gebühren. Die EU-Behörde garantiert für solche Arzneien überdies zehn Jahre Marktexklusivität nach Zulassung.

Derzeit versuchen viele Gesundheitsbehörden, Anreize zu schaffen, damit schnellstmöglich ein Medikament oder Impfstoff gegen Ebola zur Verfügung steht. Zwar befinden sich eine Reihe von Substanzen weltweit in der Entwicklung – zugelassen ist aber noch keine. An Medikamenten arbeiten unter anderem die Pharmafirmen Tekmira Pharmaceuticals, Sarepta Therapeutics und Mapp BioPharmaceutical. An Ebola-Impfstoffen forschen Unternehmen wie GlaxoSmithKline, Johnson & Johnson und NewLink Genetics.

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