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Ex-Sturm-Präsident Kartnig zu fünf Jahren Haft verurteilt

Hannes Kartnig zu fünf Jahren und 6,6 Millionen Euro Strafe verurteilt. Hannes Kartnig zu fünf Jahren und 6,6 Millionen Euro Strafe verurteilt. - © APA
Hannes Kartnig ist am Freitag im Straflandesgericht Graz zu fünf Jahren unbedingter Haft und einer Geldstrafe von 6,637 Millionen Euro verurteilt worden.

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Der frühere Präsident des Fußball-Clubs Sturm Graz wurde der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, des schweren Betrugs und der Steuerhinterziehung für schuldig befunden.

Hohe Strafen für  Mitangeklagte

Der ebenfalls angeklagte Ex-Sekretär des Vereins wurde wegen Beitrag zur Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 2,327 Mio. verurteilt. Sollte er nicht zahlen, muss er eine vorerst bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten antreten. Der ehemalige Sturm-Sportdirektor Heinz Schilcher erhielt wegen Steuerhinterziehung eine unbedingte Geldstrafe in Höhe von 1,895 Mio. Euro. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Spätfolgen des Regierungsstils – Haftstrafe für “Zar” Hannes

Einst ist er als Retter des SK Sturm Graz und als erfolgreichster Clubpräsident der steirischen Fußball-Geschichte gefeiert worden. Mit mehr als fünf Jahren Abstand weiß man um die unlauteren Methoden, mit denen sich Hannes Kartnig seinen Status erworben hatte. Der 60-jährige Steirer wurde am Freitag wegen schweren Betrugs, grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und Steuerhinterziehung erstinstanzlich zu fünf Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Schon von Mai bis Juli 2007 saß Kartnig wegen seiner Vergehen in Untersuchungshaft. Ein halbes Jahr zuvor hatte seine Präsidentschaft für Sturm in einer existenziellen Krise geendet. Der Verein kam mit einem blauen Auge davon, schaffte den Zwangsausgleich und wurde 2011, nur vier Jahre nach der Konkurseröffnung, schon wieder österreichischer Meister. Sturm kann es auch ohne “Zar” Hannes, der sich gerne als Alleinherrscher präsentiert hat.

Kartnig der “Polterer”

Kartnig hat immer zur Selbstdarstellung geneigt – ob bei der Hochzeit mit seiner zweiten Frau Claudia, zu der er 2003 von seinem Trauzeugen Frank Stronach eine Weltreise geschenkt bekommen hat, oder im “Golden VIP Club” des damaligen Arnold-Schwarzenegger-Stadions, in dem er die Champions-League-Spiele von Sturm verfolgte. Dreimal führte Kartnig die Grazer in die europäische Königsklasse, 2000/01 mit dem Gruppensieg sogar bis in die Zwischenrunde.

Auf der Erfolgswelle schwamm es sich leicht, “Polterer” Kartnig scheute auch keine Konfrontation. “Er hatte Mut. Und Eier wie Wassermelonen”, sagte sein früherer Langzeit-Trainer Ivica Osim im Herbst in einem APA-Interview über den Ex-Präsidenten. Dabei war der legendäre Bosnier vor neun Jahren im Unfrieden mit Kartnig von Sturm geschieden. Auch die Champions-League-Einnahmen – mehr als 20 Mio. Euro brutto – waren schnell verprasst. 3,5 Mio. Euro gab Kartnig 2001 alleine für Transferflop Charles Amoah aus.

Der “Sonnenkönig” steckte aber auch eigenes Geld aus seiner Außenwerbungsfirma, in der mittlerweile Sohn Gerald (40) als Geschäftsführer fungiert, in den Verein. Die Finanzgebarung bei “Kartnigs Perspektiven Ankündigungs GmbH” war mitunter eine ebenso kreative wie bei Sturm. Da wurden schon einmal ein Rolls Royce oder ein Aquarium samt darin befindlichem Hai als betriebliche Ausgaben angeführt. Der Steuerhinterziehung hatte sich Kartnig in seinem zehnmonatigen Prozess für schuldig befunden.

Bei Sturm hatte der Selfmade-Millionär, der von 1989 bis 1996 auch dem Eishockey-Erstligisten EC Graz vorgestanden war, im Dezember 1992 in einer schweren sportlichen und finanziellen Krise das Zepter übernommen. Unter seiner Regentschaft wurden die Grazer 1998 als erster steirischer Club österreichischer Fußball-Meister. Neben einer erfolgreichen Titelverteidigung samt Champions-League-Teilnahmen gab es in der Kartnig-Ära auch drei Cupsiege zu bejubeln.

Durch die Erfolge verzieh man ihm sehr viel. Bis Kartnig im Oktober 2006 mit Tränen in den Augen den “schwersten Gang meiner Karriere” antreten musste – jenen zum Konkursrichter. Sturm war dem ehemaligen Goldschmied-Lehrling aus Gleisdorf ans Herz gewachsen. Dabei hatte Kartnig in der Schülermannschaft des GAK zu spielen begonnen. Dem jungen Kicker missfiel dort jedoch das Klima und er wechselte ins Lager des schwarz-weißen Stadtrivalen.

(APA)



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