Experte: Nicht Rösslers Politik, sondern Kampagne für Wahldebakel der Grünen in Salzburg verantwortlich

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Astrid Rössler macht ihre Politik für den Absturz der Grünen in Salzburg verantwortlich.
Astrid Rössler macht ihre Politik für den Absturz der Grünen in Salzburg verantwortlich. - © APA/BARBARA GINDL
“Für mich sind 30.000 Stimmen Verlust auch eine persönliche Niederlage. Es ist eine klare Abwahl meiner Politik, meines Stils und der Themen, für die ich gekämpft habe”, sagte die Spitzenkandidatin der Grünen, LHStv. Astrid Rössler, Montagabend als sie vor der Presse ihren Rücktritt bekanntgab. „Das stimmt nicht“, sagt Kommunikationsberater Axel Grunt. Für ihn ist die „handwerklich schlecht gemachte“ Kampagne schuld an dem Debakel, nicht die Politik der Spitzenkandidatin.




Der Wiener Kommunikationsberater Axel Grunt, der unter anderem auch das Frauen-Volksbegehren begleitet hat, beschäftigt sich mit Framing (Deutungsrahmen oder einfach ausgedrückt: „Schubladendenken“) im politischen Bereich und geht davon aus, dass Frames helfen, Informationen zu verstehen und einzuordnen. Die Wahl des richtigen Frames sei entscheidend, wie Informationen oder Botschaften vom Publikum interpretiert werden.

„Rössler, eine großartige Spitzenkandidatin“

In seiner Analyse der Wahl-Kampagne der Salzburger Grünen kommt er auf ein klares Fazit: Nicht die Spitzenkandidatin oder deren Politik seien verantwortlich für den Absturz der Grünen – was man aufgrund des auf die Person zugespitzten Wahlkampfes annehmen könnte – sondern die „schlechte Wahlkampfkampagne und die entsprechende Kampagnenkommunikation“, sagt der Experte im Gespräch mit SALZBURG24.

Rössler – die im Übrigen im Vorzugsstimmen-Ranking mit 2.097 Stimmen hinter Marlene Svazek (3.801) auf dem zweiten Platz landete – war aus Berater-Sicht eine „großartige Spitzenkandidatin“ – „kompetent und authentisch“, meint Grunt. Jedoch hätten sich die Salzburger Grünen „von sich selbst distanziert“. Deutlich werde das in der Plakat-Kampagne.

Plakat: „Ich bin keine Politikerin“

Das Plakat hat schon während des Wahlkampfes für viel Aufmerksamkeit gesorgt – und dürfte bis zum Schluss bei den potentiellen Wählern nicht wirklich angekommen sein (trotz Erklär-Video). Grunt wundert das nicht und fragt: „Stellen Sie sich vor, David Alaba erklärt vor dem nächsten entscheidenden Spiel seines Vereins Bayern München: ‚Ich bin kein Fußballer‘. Er tut das aus taktischen Gründen weil er hofft, so kämen mehr Fans zum Spiel. Würden Sie das verstehen?“

Mit dem Wahl-Slogan auf dem Plakat habe Rössler die Botschaft „Politik ist Mist“ ausgesendet und sich so über das Framing von ihrem Beruf distanziert. Stattdessen hätte sie grüne Politik erklären sollen, meint der Experte und verweist auf den Wahlkampf der Innsbrucker Grünen, die mit gleichen Themen aber mit der Botschaft „Ich bin ein anderer Politiker“ am Sonntag die Wahl gewonnen haben.

Die Botschaft kam bei den Wählen nicht an./Grüne Salzburg Was wollte Rössler mit dieser Botschaft an ihre Wähle kommunizieren?/Grüne Salzburg ©

„Verwaschen kommuniziert“ waren für Grunt auch die anderen Plakate: Der Slogan „Stau-Bremse“ wurde mit einem Traktor illustriert, „Heimat beschützen“ mit Kindern in Tracht und „Dörfer wachküssen“ mit Kühen im Hintergrund dargestellt. In allen drei Fällen passen für den Experten Bild und Botschaft nicht zusammen. „Das war offensichtlich der Versuch, die ländliche Bevölkerung zu erreichen“, so Grunt.

Was ist das Problem der Grünen?

Insgesamt setzten die Grünen auf die wesentlichen und richtigen Themen, meint Grunt. „Sie schaffen es aber nicht, ihre Themen gut zu erzählen“. So würden die Grünen individuelle Entscheidungen thematisieren und von ihrem Publikum eine konkrete Handlung erwarten, während etwa die FPÖ die Verantwortung für Probleme auf Externe abgeben würden. Der Experte nennt das Beispiel „Stau“: Um das Problem zu lösen, versuchen die Grünen die Pkw-Lenker zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Die Blauen hingegen, sehen die Verantwortung nicht bei den Autofahrern an sich, sondern zum Beispiel im Verkehrskonzept der Stadt, bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, usw.

Wie es mit den Salzburger Grünen nach dem Wahldebakel weitergeht, ist noch völlig offen. Dass es weitergeht, ist jedoch unbestritten. Zwar ohne Astrid Rössler, aber möglicherweise mit dem ein oder anderen Lerneffekt.

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