Clinton startet Gegenangriff auf Trump

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Vorfall aus 2001 holt die Clintons ein
Vorfall aus 2001 holt die Clintons ein - © APA (AFP)
Kurz vor der US-Wahl hat die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zum Gegenangriff gegen Donald Trump ausgeholt. Clinton war zuletzt in die Defensive geraten, nachdem das FBI ihre E-Mail-Affäre wieder auf die Agenda gebracht hatte. Auch veröffentlichte das FBI am Dienstag eine Untersuchung von 2005 zu einer umstrittenen Amnestie Bill Clintons während seiner Präsidentschaft.

Bei einem Auftritt im besonders umkämpften Bundesstaat Florida zielte Hillary Clinton auf Trumps frauenverachtende Kommentare ab. Trump habe in den vergangenen Jahren viel Zeit damit verbracht, Frauen zu erniedrigen und zu beleidigen, sagte sie. Begleitet wurde sie von der ehemaligen Schönheitskönigin Alicia Machado, die Trump 1996 wegen ihrer Figur verhöhnt hatte.

Trump will “Obamacare” abschaffen

Der Republikaner machte Wahlkampf in Pennsylvania und Wisconsin. Er sprach sich erneut dafür aus, die Gesundheitsvorsorge “Obamacare” abzuschaffen. Das Krankenversicherungssystem, das Präsident Barack Obama eingeführt hat, wird derzeit stark kritisiert, weil die Beiträge im kommenden Jahr um bis zu 25 Prozent steigen. Trump warf Clinton auch Gesetzesbruch im Zusammenhang mit der E-Mail-Affäre vor.

FBI-Bericht über Begnadigung

Für neuen Wirbel sorgte am Dienstag unterdessen, dass das FBI einen 129 Seiten langen Bericht von 2005 zu einer umstrittenen Begnadigung von Bill Clinton im Internet veröffentlichte. An seinem letzten Amtstag als Präsident hatte dieser 2001 dem Finanzier und Steuerflüchtling Marc Rich Amnestie erteilt. Das FBI untersuchte den Fall. Die Begnadigung stand in der Kritik, weil Richs Ex-Frau zu den größten Geldgebern der demokratischen Partei gehörte und auch Hillary Clinton finanziell unterstützt hatte. Marc Rich war 1983 wegen einer Anklage in die Schweiz geflüchtet, und stand lange Zeit auf der “Most-Wanted”-Liste des FBI.

Der für Hillary Clinton denkbar ungünstige Zeitpunkt der Veröffentlichung des FBI-Berichts löste sogleich Kritik aus ihrem Lager aus. Sollte es sich nicht um eine Verjährungsfrist gemäß dem Gesetz zur Informationsfreiheit handeln, sei der Vorgang doch “seltsam”, erklärte Clintons Sprecher Brian Fallon. Auf die Frage der Nachrichtenagentur AFP, ob es sich bei dem Zeitpunkt um einen Zufall handle, reagierte die Bundespolizei zunächst nicht.

Trump liegt vor Clinton

Trump lag am Dienstag zum ersten Mal seit Mai in einer Umfrage des Senders ABC und der “Washington Post” vor Clinton. Der Republikaner kam mit 46 Prozent auf einen Punkt mehr als die Demokratin. Als Grund wurde ein abnehmender Enthusiasmus für Clinton vermutet. Während Trumps Werte seit der neuen FBI-Veröffentlichung zu E-Mails aus Clintons Umfeld am Freitag zugenommen hätten, seien Clintons gesunken.

Moody’s sieht Clinton als Wahlsieger

Im Widerspruch dazu prognostizierte Moody’s Analytics, ein Ableger der amerikanischen Ratingagentur Moody’s, für die US-Wahl einen Sieg der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Die niedrigen Gaspreise und die starken Zustimmungswerte für US-Präsident Barack Obama dürften der ehemaligen First Lady in die Hände spielen, teilte der US-Forschungsdienst am Dienstag mit.

Für die Einschätzung verwendet Moody’s Analytics ein Prognose-Modell, das bei den vergangenen neun Präsidentschaftswahlen den Gewinner jeweils richtig vorhersagte. Es basiert auf einer Kombination aus Wirtschaftsfaktoren und Politikgeschichte. Moody’s Analytics geht davon aus, dass Clinton 332 Wahlmännerstimmen erhalten wird. Der republikanische Herausforderer Donald Trump dürfte demnach nur auf 206 kommen. Für einen Sieg sind 270 Wahlmännerstimmen nötig.

(APA/ag.)

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