Keck vor Journalisten: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Mann, Joachim Sauer. - © Wildbild
Den Löwenanteil an diesem Enthusiasmus hatte zweifelsfrei die Gruberova. Wie die slowakische Koloratur-Sopranistin die Titelrolle der Druidin, die an ihrer unheiligen Liebe zum römischen Prokonsul Pollione zugrunde geht, mit jeder Faser ihres Körpers lebt und dies stimmlich mit schier unendlichem Facettenreichtum umsetzt, das ist nach wie vor wohl weltweit konkurrenzlos.
Vor 36 Jahren (!) debütierte Gruberova unter Karajan in Salzburg als Königin der Nacht, und noch immer setzt sie die Spitzentöne mit traumwandlerischer Sicherheit. Wirklich ereignishaft sind jedoch die immer noch juvenile Klarheit ihrer Stimme, die stets eng am Text eingesetzten Färbungen und Schattierungen, ihr atemberaubend seidiges Legato. Gewann Gruberova bereits im ersten Akt der vermeintlich virtuos-harmlosen Dur-Seligkeit ungeahnte Tiefen ab, so vermittelte sie danach die Katharsis der Norma bis hin zum Gang auf den Scheiterhaufen mit beklemmender Authentizität. Nicht mehr die kantable Makellosigkeit war es, die fesselte, sondern fahles, roh deklamiertes Stöhnen und Ächzen einer Todgeweihten. Für die “Primadonna assoluta“, die zuletzt 1991 die Salzburger Festspiele beehrt hatte, wurde der Abend zur triumphalen Rückkehr.
Ein Abend, fast wie zu Karajans Zeiten also – hätte auch das Pult ein Dirigent auf dem Niveau der Solisten ausgefüllt. Doch Friedrich Haider beließ es bei unauffälligem Verwalten, nur selten konnte er das nötige italienische Feuer im Orchester entfachen. Die Camerata Salzburg wirkte unter diesem Dirigat merkwürdig blass, weit entfernt von der Präzision, Prägnanz und Spielfreude der Schumann-Integrale unter Philippe Herreweghe noch vor wenigen Tagen. Die KonzertvereinigungWiener Staatsopernchor präsentierte sich gewohnt trittsicher und stimmlich ausbalanciert. Das wahre Festspiel-Ereignis fand ohnehin im Rücken des Dirigenten statt.
“Norma“, Tragedia lirica in zwei Akten von Vincenzo Bellini. Libretto von Felice Romani. Konzertante Aufführung bei den Salzburger Festspielen im Großen Festspielhaus. Es musizieren die Camerata Salzburg und die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor unter der Leitung von Friedrich Haider. Die Solisten: Edita Gruberova als Norma, Joyce DiDonato als Adalgisa, Marcello Giordani als Pollione, Ferruccio Furlanetto als Oroveso, Ezgi Kutlu als Clotilde, Luciano Botelho als Flavio. Weitere Vorstellung: 14. August, 19.30 Uhr. http://www.salzburgerfestspiele.at