Feuerwerkmacher Christian Czech im Sonntags-Talk: „Buntes Geballere kann jeder“

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Das Hauptgeschäft von Czech (links unten) sind bunte Bilder am Himmel.
Das Hauptgeschäft von Czech (links unten) sind bunte Bilder am Himmel. - © SALZBURG24/Wurzer/Gann/Wildbild
Christian Czech ist einer der wenigen hauptberuflichen Feuerwerkmacher in Österreich, heimste Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften ein und lässt seit 25 Jahren das Silvesterfeuerwerk über der Salzburger Altstadt explodieren. Im Sonntags-Talk erklärt der Salzburger, warum er Feuerwerks-Gegner versteht, wie man mit einem Feuerwerk eine Geschichte erzählt und was passiert, wenn alles schiefgeht.




Zu den Feuerwerken kam Christian Czech über Umwege. Eigentlich wollte er Filmregisseur werden. Der heute 47-Jährige studierte Italienisch und Publizistik, arbeitete später als Kameramann. Seit 1996 malt er mit seiner Firma Pyrovision hauptberuflich mit Feuerwerken bunte Bilder in den Himmel und arbeitet nebenbei als Gutachter für Gerichte. Begonnen hat die Liebe zum Feuer aber schon im Kinderzimmer.

SALZBURG24: Was fasziniert dich an einem Feuerwerk?

CHRISTIAN CZECH: Ich habe mich schon seit der frühesten Kindheit für Feuerwerke interessiert, ich weiß gar nicht genau, wo das herkommt. Diese Faszination hat mich bis heute nicht losgelassen. Das hat verschiedene Aspekte.

Das eine ist, dass Feuerwerke in einer irren Handarbeit erzeugt werden. Dann hat mich fasziniert, dass das eine irre weite Reise zurücklegt, nur für diese Sekunde, in der jeder hinschauen muss, in der sich keiner entziehen kann. Und nachdem es abgefeuert wurde, ist es überhaupt nichts mehr wert und stinkt. Völlig wertlos.

Ein Feuerwerk ist wie ein Gemälde, das extrem kurzlebig ist. Ich glaube, das macht die allgemeine Faszination beim Feuerwerk aus. Man will es wieder sehen, weil es nach so kurzer Zeit wieder weg ist. Feuerwerke gibts seit tausenden Jahren, und das Medium ist immer noch nicht tot, obwohl sich sehr wenig geändert hat in dieser Zeit.

Bei Feuerwerkmachern stelle ich mir immer vor, dass sie im Kinderzimmer schon gerne was angezündet haben.

Ja, das war so. Ich habe viel gezündelt und viel Glück gehabt. Auf der anderen Seite hatte ich auch Respekt, der jetzt sehr wichtig ist. Wir können nur mit Leuten arbeiten, die auf der einen Seite Begeisterung haben, auf der anderen Seite aber nicht mit Verrückten, die sich selbst dauernd in die Luft sprengen.

Wie stehst du dann zur privaten Schießerei? Wie sicher ist sie?

Wenn das in einem vernünftigen Rahmen passiert, ist das eine Tradition. Und wenn man es vernünftig macht, hat das auch seinen Sinn. Ich stelle aber fest, dass uns mehr und mehr eine allgemeine Rücksichtslosigkeit befällt. Das hat meine Oma immer gesagt, jetzt bin ich 47 und habe auch schon so Oma-Sprüche. Dass manche Leute einfach um 2 Uhr in der Nacht eine Rakete ballern, das finde ich einfach kacke.

Es gibt drei Hauptregeln beim Feuerwerkmachen: Kein Alkohol, keine Kinder, und einer schießt während die anderen zuschauen. Wenn man das beachtet, kann zu Silvester eigentlich fast nichts mehr passieren. Dazu muss jeder Feuerwerkskörper oder Böller, der in die EU bzw. nach Österreich eingeführt wird, eine Kennzeichnung haben. Dass heißt, wenn du einen Böller kriegst, der ausschaut wie eine Dynamitstange und wo nichts oben steht, würde ich den nicht verwenden.

Kommen wir zum Geschichtenerzählen mit dem Feuerwerk. Du hast mal gesagt, „das beste Feuerwerk ist, wenn Poesie am Himmel gezeichnet wird“. Wie funktioniert das?

Für mich war immer schon wichtig, dass ich das bunte Geballere am Himmel ordne, weil bunt kann jeder. Die meisten Feuerwerke die ich sehe, enttäuschen mich deswegen, weil sich die Leute überhaupt nichts antun – nicht weil sie nichts können oder Trotteln sind.

Es gibt diese Kisten, die von rot über grün bis zum Knister alles haben und einfach dahinorgeln. Da gibt es keinen Höhepunkt, da wird keine Spannung erzeugt. Das wichtigste bei einem Feuerwerk ist, die Leute erst einmal zu fangen. Die Leute müssen sagen, „oh, das ist ja steil“. Und es muss ein ordentliches Finale geben, wo die Leute sagen, „woa, jetzt kann eigentlich nix mehr kommen“. Und dann ist es aus. Ich sage immer, besser drei bis fünf Minuten und es war der Höhepunkt des Abends, als das Feuerwerk dauert eine halbe Stunde und die Leute essen nebenbei Grillhendl und erzählen Witze.

Geschichten erzählen heißt auch, es gibt eine Botschaft. Wie sieht die aus?

Das kann unterschiedlich aussehen. Ich hatte mal die Idee, eine Geschichte von einem Menschen zu machen, der nicht schlafen kann, weil mir das ab und zu selbst passiert. In den letzten 20 Jahren habe ich viel mit dem Regisseur Beda Percht gearbeitet. Vor dem Bewerb in Chantilly (der inoffiziellen Europameisterschaft, die Czech mit seiner Firma Pyrovision 2008 gewonnen hat, Anm.) habe ich ihm gesagt: Machen wir eine Geschichte, bei der einer in der Früh aufwacht, der Wecker klingelt, er dreht am Radio, hört die Zauberflöte, sagt „oh scheiße, grauslich“. Dann dreht er sich wieder um, wir schießen das mit Feuerwerk ab, dann schnarcht er am Anfang, wir machen das Pfeifen mit dem Feuerwerk dazu (macht die Geräusche nach). 150.000 Leute warten bei der Show auf irgendeine tolle Musik, es fängt einer laut zum Schnarchen an und wir machen die Pfeifer dazu. Da haben die Leute gelacht und ich habe die Leute gleich mit Humor gekriegt.

Das geht bis zu einer Westerngeschichte, die wir in Cannes erzählt haben, von 13 Pontons am Meer draußen, auf 500 Metern Breite. Wir haben die Wolkerl gemacht wie der Zug fährt, und Indianer-Tipis noch dazu. Du kannst alles mit Fantasie umsetzen.

Beim Feuerwerk malst du am Himmel, und das alles in sehr großem Maßstab. Der Nachteil beim Feuerwerk ist, dass es keine Zugaben gibt. Meistens auch keine Generalprobe, das kann sich keiner leisten, und du kannst ganz schwer üben. Das heißt, du musst es dir vorstellen und hoffen, dass alles wirklich so hinhaut. Und das geht nur mit Erfahrung.

Was geht in der Sekunde, bevor du auf den Knopf drückst, in deinem Kopf vor?

Du weißt nie, ob es gut geht und bist immer nervös. Vor einer kleinen Hochzeit in Hellbrunn genauso wie vor einer Riesenshow mit 500.000 Leuten in Montreal oder Shanghai. Du denkst dir: Haut es so hin, wie ich mir gedacht habe? Gefällt es den Leuten? Ist es sicher, werden die Behörden eh nichts sagen? Tausend Ängste. Und ich glaube, es ist wie bei einem Schauspieler, der auf die Bühne geht: Wenn du ein Guter bist, bist du nervös, weil du willst auch was bringen.

Der Umweltschutz war in den letzten Jahren wieder ein Thema, vor allem der Feinstaub durch Feuerwerke.

Es ist so: In Zeiten, wo man liest, dass ein neues Kreuzfahrtschiff 6.000 Leute beherbergt, wo man weiß, dass ein Mal anstarten so viel kostet, wie ein kleines Dorf das ganze Jahr mit dem Auto fährt, in Zeiten wo die Strände so verschmutzt sind, in Zeiten wo man Skigebiete noch und nöcher eröffnet, da brauchen wir über die Feinstaubbelastung der Feuerwerke nicht nachzudenken.

Aber es gibt viele Feuerwerksgegner und ich verstehe sie sogar ein bisschen. Man darf nicht alle über einen Kamm scheren, Feuerwerk ist nicht Feuerwerk. Und einer, der irgendwelche verbotenen Knaller schmeißt, hat mit mir überhaupt nichts gemein. Da kann ich den Gegnern nur beipflichten: Aus Lärmschutzgründen, Tierschutzgründen und wegen der Verletzungsgefahr gehört das unterbunden.

Zum Thema Gefahr: Bei einem Feuerwerk wie zu Silvester in Salzburg sind einige Tonnen Sprengstoff oder entzündliche Stoffe im Spiel. Was kann passieren, wenn etwas richtig schief läuft.

Da kann viel passieren. Wenn du Pech hast, musst du danach die Landkarte neu zeichnen.

Wenn wir es auf Salzburg umlegen, liegt dann die halbe Altstadt?

Nein, nein. Es ist grundsätzlich so, dass in jedem halbwegs normalen Land in Zusammenarbeit mit Behörden und örtlichen Feuerwehren ein Großfeuerwerk abgebrannt wird. Da wird genau festgelegt, in welcher Zeitspanne und an welchem Ort will ich welche Feuerwerkskörper abschießen. Bei großen Projekten gibt es einen Lokalaugenschein, mit Vertretern der Behörde und der Berufsfeuerwehr, da kann jeder mitreden. Du musst an tausend Sachen denken. Wenn ein Feuerwerk auf irgendeiner Wiese bei der Oma ist, ist es wurscht. Aber sobald das in den urbanen Bereich kommt, wo was runterfallen kann, musst du Stadtteile sperren. Das ist schon eine Gefahr, die ist aber nicht nur von diesen Zahlen (von den Tonnen an Sprengstoff, Anm.) abhängig, sondern von dem Wissen und der Rücksichtnahme des Feuerwerkers.

Wie läuft die Vorbereitung auf das Feuerwerk in Salzburg?

Von der Arbeit her ist es oben auf der Festung ziemlich beschissen, weil mit normalen Fahrzeugen kommst du zwischen den engen Toren nicht durch. Das heißt, du musst am Kapitelplatz alles auf kleinere Autos umladen. Bei der Mittelstation der Festungsbahn räumst du es in Scheibtruhen und schleppst es rauf. Das ist Knochenarbeit.

Was kann man sich heuer beim Silvester-Feuerwerk in Salzburg erwarten? Wird es ungefähr gleich sein wie jedes Jahr oder gibt es eine Überraschung?

Der künstlerische Anspruch bleibt bei dem Feuerwerk mehr im Keller als anderswo. Dazu habe ich eine Geschichte, warum das so ist. Es macht einen Unterschied, ob ich eine laue Sommernacht habe, wo alle auf einer Picknick-Decke sitzen, und es ist beste Stimmung und alle sind happy, dann ist die ungeteilte Aufmerksamkeit auf den Moment, wenn das Feuerwerk losgeht.

Zu Silvester ist das anders. Alle sind angesoffen und es ist arschkalt. Dazu wird so viel geschossen, dass die Leute, die auf der anderen Seite der Salzach stehen, vom Feuerwerk vor lauter Nebel schon nichts mehr sehen. Das heißt der Anspruch beim Silvesterfeuerwerk ist, dass es auf jeden Fall deutlich größer und lauter als alles andere sein muss, damit die Leute überhaupt checken, wo das offizielle Feuerwerk ist. Deswegen muss ich große Feuerwerkskörper nehmen, das größte Kaliber ist 12,5 Zentimeter und hat etwa zwei Kilo.

Was ist das schönste, das lohnendste am Job?

Das Lohnendste ist, wenn 500.000 Leute applaudieren. Das kriegt kein Schauspieler mit, nicht einmal bei einer Hollywood-Premiere. Wenn diese 500.000 Leute schreien, ist das ein tolles Gefühl. Bei einem Wettbewerb spielen sie vorher die Österreichhymne, es wär blöd zu sagen, dass einen das nicht berührt. Da wird dir bewusst, dass du was Gescheites machen sollst, weil du gegen die besten der Welt antrittst.

Und schön ist, wenn sich die Kundschaft dafür interessiert. Das sind meine Lieblingsfeuerwerke.

Denkst du dir manchmal, schade dass ich und mein Team jetzt auf der Bühne stehen und gar keiner sieht, was wir da machen.

Nein, das finde ich gerade das Tolle. Ich wollte zum Film, aber ich wollte immer nur Regisseur und nie Schauspieler werden. Die im Dunkeln sieht man nicht, und das ist super.

Es ist mir schon passiert, dass ich in Bierzelten vorgestellt worden bin. Dann sind da 1.000 Leute, die dich anschauen, und ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das ist mir irrsinnig peinlich. Ich weiß auch, dass es viele Feuerwerksgegner gibt. Deswegen bin ich einfach nur glücklich und dankbar, dass ich meinen Job so machen und meine Träume verwirklichen konnte.

Eine letzte Frage noch: Nachdem es in deinem Job relativ laut sein kann, wie findest du Entspannung. Gibt es einen Ort in Salzburg, wo du im Frieden mit dir selbst bist.

Es gibt ganz viele Orte, Salzburg ist wunderschön. Ich wohne gerne hier. Unsere Stadtberge sind super, wir haben sehr viel grün, die Seenplatte ist toll, und ich bin im Sommer gerne am Hintersee, da sind nicht so viele Leute.

Aber um leben zu können, muss ich weg aus Salzburg. Danach ist es schön, immer wieder zurückkommen zu können.

Danke für das Gespräch.

Gerne.

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