APG optimistisch zu 380-kV-Leitung – “Stromnetz-Verstärkung nötig”

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Seit langem wird das Projekt des Ausbaus der Salzburger 380-kV-Leitung verfolgt, die Wurzeln des Vorhabens reichen bis in die 1990 er Jahre zurück (Symbolbild).
Seit langem wird das Projekt des Ausbaus der Salzburger 380-kV-Leitung verfolgt, die Wurzeln des Vorhabens reichen bis in die 1990 er Jahre zurück (Symbolbild). - © Bilderbox
Österreichs Stromnetz “glüht” durch den zunehmenden Wind- und Photovoltaik-Strom immer mehr, und es wird für den Übertragungsnetzbetreiber APG zusehends schwieriger, bundesweit zwischen Angebot und Nachfrage ausgleichen zu können. Deshalb drängt man auf den Ausbau der 380-kV-Leitung in Salzburg und hofft auf einen positiven Ausgang der Berufungsverhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Wien.

Die Stromausbau-Pläne im Bereich Erneuerbarer Energien sind hochfliegend, das zeigte erst Anfang dieser Woche eine neue Studie. Die Netzbetreiber, auch im Ausland, stellt dies zusehends vor Probleme: Einerseits gibt es immer wieder ein Stromüberangebot durch Wind- oder PV-Strom, andererseits in “Dunkel-Flauten” einen Mangel, der nur durch ein teures und auch umweltbelastendes Zuschalten kalorischer Kraftwerke ausgeglichen werden kann. “Es muss immer das erzeugt werden, was verbraucht wird, damit die Netzfrequenz von 50 Hertz immer gleich ist”, erläutert der Übertragungsnetzbetreiber. Denn schon Abweichungen im Millihertz-Bereich würden sensible elektrische Geräte oder Anlagen im Betrieb stören, auch Computer. Heuer im ersten Halbjahr musste die APG, “weil die Netze nicht adäquat ausgebaut werden können”, auf 2.600 GWh Strom aus thermischen Anlagen zurückgreifen – damit seien 800.000 t CO2 ausgestoßen worden, was vermeidbar gewesen wäre.

“Netze für erneuerbare Energien rechtzeitig ausbauen”

Auch im Geldbörsel – letztlich der Stromkunden – machen sich die Strom-Abrufe aus thermischen Kraftwerken zur Netzstabilisierung bemerkbar. 2013 mussten dafür erst rund 20 Mio. Euro aufgewendet werden, voriges Jahr 158 Mio. Euro und heuer bis Anfang Juli bereits 180 Mio. Euro. Der bisherige Höchststand war 2015 mit 200 Mio. Euro erreicht, 2017 werden es im Gesamtjahr jedenfalls deutlich mehr sein, “weil wir es nicht schaffen, unsere Netze für die Erneuerbaren zeitnah auszubauen”, wie es bei der APG heißt. Auch Redispatch-Maßnahmen kommen hinzu, vom Drosseln des Stromabflusses an der Südgrenze Österreichs bis zu temporären Unterbrechungen des Intra-day-Handels, obwohl man Eingriffe in den Markt eigentlich gar nicht vornehmen möchte. All diese Schritte für die Versorgungssicherheit sind eigentlich nur als Notmaßnahmen gedacht.

380-kV-Leitung in Salzburg: Verhandlung ab Montag

Seit langem wird das Projekt des Ausbaus der Salzburger 380-kV-Leitung verfolgt, die Wurzeln des Vorhabens reichen bis in die 1990 er Jahre zurück. Seit der Projekt-Einreichung sind 50 Monate, also mehr als vier Jahre vergangen. Seit Ende 2015 hat die APG einen positiven erstinstanzlichen Bescheid, der wurde aber bekämpft, sodass die Causa ab kommendem Montag am BvWG verhandelt wird – fünf Tage lang, zusätzlich gibt es noch drei Reservetage. Die APG erhofft sich auch von dort “grünes Licht” und sieht sich juristisch im Vorteil gegenüber den Freileitungs-Gegnern, darunter drei Gemeinden. Ein positiver Bescheid vom BvWG könnte bis Jahresende vorliegen, würde aber wohl von den Gegnern vor den VwGH oder den VfGH bracht.

193 Kilometer Leitung würden demontiert werden

Für den Bau einer neuen 128 Kilometer langen starken 380-kV-Leitung würden im Gegenzug 193 km 220-kV-Leitung demontiert, die sich teils in dicht bebauten Tallagen befänden, betont die APG zusätzlich zum CO2-Argument. Eine von den Gegnern geforderte Erdverkabelung sei “nicht Stand der Technik”, wenn es um eine Versorgungs-Ringleitung gehe, und komme auch um ein Vielfaches teurer als eine Freileitung. Ein Erdkabel bereite außerdem im Betrieb mehr Probleme, bezogen auf die Gesamtlänge wären über 1.000 Muffen nötig, “und dass dort als erstes Schwierigkeiten auftreten, kennt man vom Gartenschlauch”. Abgesehen von den Problemen im Betrieb würde allein die Verlegung des Erdkabels mehr als eine Milliarde Euro verschlingen, so komme das gesamte Salzburger Netzkonzept samt Freileitung auf 600 Mio. Euro. Aufgrund der Auflagen sei man auf vier Jahre Bauzeit beschränkt und müsse bis zum Jahr 2023 mit dem Ausbau fertig sein.

Erneuerbare Energien Unsicherheitsfaktor für 380-kV-Leitung

Ob die Abrufe von Strom aus thermischen Kraftwerken für die Netzstabilität wirklich nur für fünf Jahre oder nicht vielleicht doch länger erforderlich sein werden, lässt sich heute noch nicht prognostizieren. Denn es gibt – neben der geplanten neuen 380-kV-Leitung – noch andere Unsicherheitsfaktoren. So ist nicht klar, wie stark die Erneuerbaren Energien, die auch von der APG im Sinne der Energiewende grundsätzlich begrüßt werden, wirklich ausgebaut werden in Österreich. Zudem kennt man die genauen Auswirkungen des ab Herbst 2018 wirksamen künstlichen Stromleitungs-Engpasses an der deutsch-österreichischen Grenze noch nicht und auch nicht das Ausmaß des innerdeutschen Leitungsausbaus. Dabei würde der neue Engpass an der Grenze technisch die Situation in Österreich entlasten.

Seit bereits drei Jahren hat die APG eine thermische Stromleistung von 2.400 MW unter Vertrag genommen, die Vereinbarung läuft noch bis Frühjahr 2018. Unter Ägide des Regulators E-Control soll ein neuer Kontrakt für fünf Jahre fixiert werden, lautet der Plan. “Passiert beim Netzausbau nichts, brauchen wir auch die Gaskraftwerke weiterhin”, gibt man sich bei der APG keinen Illusionen hin. Im heurigen Jahr habe es unter den ersten 181 Tagen lediglich 30 gegeben, an denen man nicht auf thermische Anlagen zurückgreifen musste. “Deshalb müssen wir auf der Netzausbau-Seite weiterkommen.”

(APA)

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