Fall Roland K.: Urteil im Prozess am Mittwoch erwartet

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Die Angeklagte verstrickte sich in Widersprüche.
Die Angeklagte verstrickte sich in Widersprüche. - © Neumayr/LEO/Archiv
Als letzter der drei Verteidiger ist der Anwalt der 21-jährigen Ex-Freundin des Hauptbeschuldigten Musikers am Dienstagnachmittag mit seinem Plädoyer zu Wort gekommen. “Ich bin überzeugt, dass sie unschuldig ist”, betonte Rechtsanwalt Kurt Jelinek. Er beantragte einen Freispruch. Laut dem Vorsitzenden des Geschworenengerichts, Richter Christian Ureutz, wird das Urteil am Mittwoch verkündet.

Seine Mandantin habe “absolut kein Motiv” für die Tat, betonte Jelinek. Die Beweislage sei dünn, der Grundsatz “in dubio pro reo” – im Zweifel für den Angeklagten – müsse auf jeden Fall zur Anwendung kommen, redete er den Geschworenen ins Gewissen. Es gebe keine Gewissheit darüber, wann, wo und wie Roland K. gestorben sei. Die Anklage beziehe sich auf die Aussagen des Musikers. Der Ex-Freund seiner Mandantin habe aber im Ermittlungsverfahren unterschiedliche Tatversionen erzählt, er sei nicht glaubwürdig, meinte der Verteidiger.

“Er lügt wie kein Zweiter”

“Es ist vieles unklar geblieben”, sagte Jelinek. “Wo sind am Ende dieses Verfahrens die objektiven Beweise? Weiß irgendjemand hier im Saal, was wirklich passiert ist?” Er glaube nicht, dass es am mutmaßlichen Tattag am 19. Juli 2016 das Abendessen mit “Garnelen und Salat” und als Nachspeise die mit Schlaftabletten versetzten Pralinen in der Wohnung des damaligen Paares gegeben hat. Der vom Musiker geschilderte Tathergang erscheint dem Anwalt unlogisch. Warum sollte Roland K. in den Flachgau gelockt, dort betäubt und dann zurück in seine Villa in die Stadt Salzburg gebracht werden, wenn es doch einfacher gewesen wäre, ihn gleich in seiner Villa zu betäuben? Jedenfalls habe die 21-jährige, bisher unbescholtene Frau nichts mit der Tat zu tun, betonte ihr Anwalt.

“Er lügt wie kein Zweiter”, warf Jelinek dem Musiker vor, der die 21-Jährige schwer belastete. “Hier ist ein kindliches Gesicht, und trotzdem ist da das Böse da”, sagte der Anwalt in Richtung des Hauptbeschuldigten. Er ortete “viele Widersprüche” in dessen Aussagen und verwies dabei auch auf das Sachverständigen-Gutachten der Psychiaterin Adelheid Kastner, die dem Musiker “pathologisches Lügen um des Lügens willen” und einen “parasitären Lebensstil” attestiert hatte.

“Vielleicht wurde Roland K. anders umgebracht”

Nicht der mitangeklagte Wirt mache den Eindruck eines Masterminds, sondern der Musiker, meinte Jelinek. Dem 25-Jährigen seien aber “Logikfehler” passiert, die mit den ausgewerteten Daten nicht zusammenpassen würden. Auch bezeichnete es Jelinek als unlogisch, dass der mitangeklagte Wirt die Leiche auf seinem Grund mit seinem Wissen verschwinden habe lassen. “Vielleicht wurde Roland K. auch anders umgebracht”, stellte der Anwalt die Frage in den Raum.

Der Musiker bediene sich einer besonderen Lügentechnik. Er habe nach der Tat als Täuschungsmanöver das Handy von Roland K. noch 22-mal angerufen und von dessen Handy aus zwei SMS verschickt, eines an sich selbst und eines an einen Freund. Auch habe der Musiker ohne Wissen seiner Mandantin von ihrem Handy aus im Internet gegoogelt. Diese Feststellung im Kastner-Gutachten sei aber nicht rückwirkend in das Verfahren einbezogen worden, kritisierte Jelinek.

Urteilsspruch am Mittwoch

Dass mit der Bankomatkarte am 19. Juli 2016 bei Billa die Zutaten für das geschilderte Abendessen gekauft worden seien, beweise noch lange nicht, dass an diesem Tag dieses Essen stattgefunden habe, gab Jelinek zu bedenken. Auch dass die 21-Jährige das Schlafmittel “Noctamid” in der Apotheke gekauft habe, sei noch kein Beweis für eine Mittäterschaft. Damit hätte die Frau, die an Schlafstörungen und Beziehungsproblemen mit dem Musiker gelitten habe, riskiert, “dass sie an offizieller Stelle die Mordwaffe kauft”. “Sie war als Liebende natürlich in einer schlechten Position.” Erst als Briefe des bereits verhafteten Musikers an die 21-Jährige aus dem Gefängnis bekannt geworden seien, sei die junge Frau belastet worden.

Die drei Angeklagten durften sich am Nachmittag noch mit Schlussworten zu den Vorwürfen äußern. “Es war nicht geplant, dass Roland K. stirbt”, beteuerte der Musiker. Seine Ex-Freundin und der Wirt schlossen sich den Ausführungen ihrer Anwälte an. Schließlich erklärte Richter Ureutz, dass der Prozess am Mittwoch mit der Rechtsbelehrung der Geschworenen fortgeführt wird. “Morgen warten wir solange, bis die Geschworenen eine Entscheidung treffen.”

Einen ausführlichen Hintergrundbericht lest ihr HIER.

(APA)

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