Ist Zeitumstellung bald Geschichte? Das solltet ihr über diese eine Stunde wissen

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Die Sinnhaftigkeit der Zeitumstellung wird von der EU evaluiert.
Die Sinnhaftigkeit der Zeitumstellung wird von der EU evaluiert. - © APA/HERBERT PFARRHOFER
Ist die Zeitumstellung bald Geschichte? Das wird die Onlinebefragung der EU-Kommission zeigen, die noch bis zum 16. August läuft. Der Andrang auf die Abstimmung war in den ersten Tagen derart enorm, dass der Server zusammenbrach. Welche Vor- und Nachteile bringt die Zeitumstellung eigentlich? Wann und warum wurde sie eingeführt und wer hat sie “erfunden”? Hier findet ihr alles Wissenswerte zum derzeit heiß diskutierten Thema. Natürlich wollen wir auch eure Meinung wissen. Also, stimmt ab!

Seit 1979 wird in Österreich die Zeit zwei Mal im Jahr, nämlich im März und Oktober, eine Stunde vor- bzw. zurückgedreht. Während die EU-Kommission die umstrittene halbjährliche Zeitumstellung jetzt evaluiert, scheint die Mehrheit der Österreicher, nämlich 61 Prozent – laut einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinstitutes Akonsult – für die Beibehaltung zu sein. Sollte sie doch abgeschafft werden, sprechen sich 54 Prozent dafür aus, die Sommerzeit gelten zu lassen. Doch wie seht ihr das? Stimmt ab!

 

 

Warum wird die Zeit umgestellt?

Eine andere Studie zur Sommerzeit will herausgefunden haben, dass 40 Prozent der Österreicher keine Ahnung haben, warum sie die Uhr zwei Mal im Jahr vor- oder zurückstellen. So gaben etwa zehn Prozent der Befragten an, dass die Zeitumstellung etwas mit den veränderten Lichtverhältnissen zu tun habe. Vier Prozent drehen offenbar die Uhr nach vorne, um den Tag besser nützen zu können bzw. mehr Freizeit haben. Drei Prozent nannten wirtschaftliche Gründe und zwei Prozent machten den Jahreszeitenwechsel bzw. unseren Kalender dafür verantwortlich.

Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass immerhin 60 Prozent der Befragten den Grund für die Einführung der Zeitumstellung kennen. Wir sind uns aber ganz sicher, dass die Salzburger es auf mindestens 70 Prozent schaffen!

Richtig, mit der Zeitumstellung sollte Energie gespart werden – das zumindest war der Grund bei der Einführung. Mittlerweile hat das halbjährliche Hin-und-Her-Gedrehe der Uhren aber nicht mehr wirklich den Effekt von damals. Dafür sehen Befürworter heute andere Vorteile der Sommerzeit.

Vor- und Nachteile der Zeitumstellung

Die Befürworter der Sommerzeit sehen einen zentralen Vorteil der Sommerzeit darin, dass sie in den Sommermonaten das Sonnenlicht eine Stunde länger nutzen können. Weil es später dunkel wird, bleibe mehr Zeit für Freizeitaktivitäten im Hellen – das komme vor allem Berufstätigen zu Gute. Denn mit der Umstellung von der Sommerzeit auf die Winterzeit kehren wir eigentlich zur „Normalzeit“ zurück. Gäbe es keine Zeitumstellung, würde es im Sommer früher dunkel werden.

Mit der Winterzeit wird die kalte Jahreszeit eingeläutet. Ohne das Zurückstellen der Uhr würde es im Dezember erst gegen 9 Uhr hell werden. Auch im Herbst kann das schon seine Vorteile bringen. Da an trüben Herbsttagen das Aufstehen besonders schwer fällt, bringt die Stunde mehr durchaus Schwung. Denn wenn es draußen heller ist, steht man auch leichter auf.

Als einen zentralen Nachteil der Zeitumstellung wird seit einigen Jahren immer wieder der Jetlag genannt. Dabei macht die Umstellung auf die Sommerzeit den Menschen nach Angaben eines Schlafforschers mehr zu schaffen, als die Umstellung auf die Winterzeit im Herbst.

Nach der Umstellung brauche die “innere Uhr”, die vom Hormonhaushalt gesteuert werde, ein bis zwei Tage, um sich auf den neuen Rhythmus umzustellen, sind sich Experten einig. Der Grund: Der Körper orientiert sich beim Aufwachen an der Sonne, das Tageslicht hat eine Weckfunktion. Deshalb sollte das Schlafzimmer direkt nach der Zeitumstellung auch nicht durch Jalousien oder Vorhänge verdunkelt werden, raten Mediziner. Dann werde der Organismus mit der fehlenden Stunde am kommenden Wochenende besser fertig.

Geschichte der Zeitumstellung

Zum ersten Mal wurde die Sommerzeit in Österreich-Ungarn im Jahr 1916 eingeführt, sie galt bis 1920, mit Ausnahme von 1919. Die Einführung im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) ist kein Zufall, so wollte man durch diese Maßnahme Energie sparen.

Die Zeitumstellung funktionierte aber nicht ohne kleinere und größere Schwierigkeiten. So wurde im Jahr 1918 kurzfristig der Termin für die Einführung geändert. Zuerst wurde am 7. März beschlossen, die Sommerzeit einzuführen, jedoch mit anderem Beginn und Ende als in Deutschland, weshalb man wenig später den Zeitraum wieder anglich. 1919 wurde der Beschluss zur Einführung der Sommerzeit nach neun Tagen wieder zurückgenommen.

1920 begann die Sommerzeit wie geplant. Am 28. April beschloss dann aber der Salzburger Landtag, ab dem 1. Mai von der Sommerzeit wieder Abstand zu nehmen. Die Staatsbahnen verkehrten in Salzburg aber weiterhin nach Sommerzeit. Bald darauf wurde in ganz Österreich die Sommerzeit wieder zurückgenommen.

Ein zweiter Versuch wurde auch während des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1945) in den Jahren 1940 bis 1948 unternommen, der scheiterte aber ebenso.

Schließlich ist die Sommerzeit anlässlich der Ölkrise 1973 in Europa eingeführt worden. Sie sollte dabei helfen, Energie zu sparen. Österreich startete mit der Zeitumstellung wegen verwaltungstechnischer Probleme erst im Jahr 1979. Deutschland und die Schweiz führten die Sommerzeit erst 1980 ein.

Seit 1996 gilt für Österreich und alle anderen Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraums eine einheitliche Regelung zur Zeitumstellung. Die Uhren werden jedes Jahr am letzten Sonntag im März um 02.00 Uhr eine Stunde vorgestellt und am letzten Sonntag im Oktober um 03.00 Uhr eine Stunde zurückgestellt.

Nach der jetzigen EU-Befragung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder bleit das gegenwärtige Sommerzeit-System unverändert. Oder die zweimalige jährliche Zeitumstellung wird für die gesamte Europäische Union abgeschafft. Die Änderung der EU-Richtlinie müsste von EU-Staaten und dem Europaparlament beschlossen werden.

Übrigens: Die Idee, Sommer und Winter eigene Zeiten zu verpassen, ist schon über 230 Jahre alt. Benjamin Franklin, Politiker und Erfinder des Blitzableiters, aus den USA schlug schon 1783 vor, im Sommer die Uhr eine Stunde vorzudrehen, damit man eine Stunde länger auf künstliches Licht verzichten könne.

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