Wintereinbruch: Salzburger Bauern wohl ohne größere Schäden

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Hans Feldinger deckt seine Pflanzen zu.
Hans Feldinger deckt seine Pflanzen zu. - © APA/Gindl
Obst- und Gemüsebauern kämpfen derzeit mit den für die Jahreszeit außergewöhnlich tiefen Temperaturen. In Salzburg ist man offenbar mit einem blauen Auge davongekommen. Die Obstbauern im Süden Österreichs machen sich aber große Sorgen.

Der Bio-Landwirt Johann Feldinger aus Wals (Flachgau) deckte sein Gemüse mit einem Fließ ab, um es vor Frost zu schützen, wie er im Gespräch mit SALZBURG24. Die Kartoffeln bekamen sogar eine zweite Fließlage verpasst. Gegen fünf Uhr morgens machte Feldinger noch eine Frostbewässerung.

Salzburger Bauern “mit blauem Auge davongekommen”

Die Ernte will vor den tiefen Temperaturen geschützt werden. In Salzburg ist das gelungen. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, erklärt Feldinger. Er erwarte keine größeren Schäden im Bundesland Salzburg. Auch ein Kollege aus Saalfelden (Pinzgau) hätte ihm schon geschildert, dass man gerade noch davongekommen sei, so Feldinger. Wesentlich heikler ist die Lage aber für die Obstbauern, die vor allem in anderen Bundesländern daheim sind.

Steiermark: 10.000 Euro für Frostschutz ausgegeben

Als die ersten Sonnenstrahlen die Obstbaumspitzen küssten, war das Schlimmste überstanden. Auf minus dreieinhalb Grad Celsius war die Temperatur in der Nacht auf Freitag im oststeirischen Tiefenbach gesunken. Obstbaufamilie Singer hatte alle Register gezogen, um gegen den Frost anzukämpfen: Beregnung, Rauchschwaden, Kerzen und Vlies. Ob es half, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Rund 10.000 Euro hat Josef Singer junior in die Vorbereitungen für die anstehende Frostnacht gesteckt, sagte er im APA-Gespräch. 36 alte Strohballen sowie 700 Paraffinkerzen hat er angekauft. Gegen Mitternacht ging es los, die Kerzen zwischen den Bäumen wurden angezündet, die Strohballen ebenso. Der Qualm des angezündeten Strohs, das immer wieder nass gemacht wurde, um noch mehr Rauch zu erzeugen, legte sich in der Morgendämmerung über die Plantagen der Singers. Der Qualm sollte vor allem die Abstrahlung der bodennahen Wärme in der klaren Nacht verhindern.

Rauch und Frostberegnung sollen Ernte schützen

Besonders das Steinobst wie Kirschen, Pfirsiche und Zwetschken sollte damit vor den Minusgraden geschützt werden, erklärte Singer. “Das mit den Strohballen habe ich zum ersten Mal gemacht.” Wirklich zufrieden zeigte er sich aber nicht damit: “Das Strohverbrennen wird wohl umsonst gewesen sein. Das half vielleicht für ein Grad, aber wenn es so kalt ist, müssen andere Maßnahmen her.” Strohballen will er eher nicht mehr anzünden: “Das ist zu schwer zu steuern. Der Wind weht den Rauch einfach weg oder irgendwo hin.” Darum hat er in der Früh auch die letzten Ballen nicht mehr in Brand gesetzt.

Sehr wohl von Erfolg gekrönt ist die Frostberegnung. Jahrzehntelange Erfahrung hat die Familie Singer schon mit der Beregnung ihrer Erdbeeren. Seit 1975 leiste sie gute Dienste. Knapp ein Hektar Erdbeerfelder werden damit vor Frost geschützt. Ein eigener Speicherteich ist dafür notwendig. Die Investition von damals habe sich jedenfalls gelohnt, denn die Erdbeeren haben die Frostnacht auf alle Fälle überstanden – soviel konnten die Singers bereits in der Früh sagen. Gegen Mittag sollte sich auch abzeichnen, wie es die Obstbäume überstanden haben. Die Äpfel und Birnen seien versichert, der Rest allerdings nicht. Ihre Heidelbeeren etwa haben die Singers in Vlies gehüllt.

Im Vorjahr 70 Prozent Ernteausfall

Singer junior schätzte in der Früh, dass etwa 70 Prozent der Birnen vom Frost beschädigt wurden, bei seinen Äpfeln dürfte es etwa die Hälfte sein. Genau wird man es erst in ein paar Tagen sagen können. Die Nacht hat für die Singers aber klar gemacht, dass die Frostberegnung zum Standard werden muss. Es sei die wirksamste Methode, weshalb sie noch in der Nacht Überlegungen für den Ausbau ihrer Beregnungsanlagen hatten.

Im Vorjahr hatte der Obstbaubetrieb rund 70 Prozent Ernteausfall, besonders das Sommerobst war durch den späten Frost vernichtet worden. In den vergangenen Tagen, die kräftigen und eiskalten Wind mit sich gebracht hatten, haben die jungen Kirschen bereits gelitten, sagte Singer. Die noch grünen Früchte trocknen bei Wind und Sonneneinstrahlung aus. Nun bleibe zu hoffen, dass die vielen Arbeitsstunden – “ohne Schlaf und mit bangem Warten” – einen Großteil der Ernte gerettet haben. Als die letzten Kerzenflammen ausgeblasen und die brennenden Strohballen gelöscht waren, ging es ab zum Frühstück und “dann ins Bett”, erzählte Singer abschließend.

(APA/SALZBURG24)

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