27. August 2012 17:46; Akt.: 27.08.2012 17:46

Zoo Salzburg: Fallen sollen entflohenen Luchs fangen

Die Suche nach dem entflohenen Luchs blieb auch am Montag ohne Erfolg. Nun sollen Fallen helfen, das Tier einzufangen. Die Suche nach dem entflohenen Luchs blieb auch am Montag ohne Erfolg. Nun sollen Fallen helfen, das Tier einzufangen. - © APA/Gindl
Von dem am Sonntagmorgen aus dem Salzburger Tiergarten Hellbrunn entkommenen Luchs “Vivious” fehlte auch Montag noch jede Spur. Die Raubkatze soll nun mit speziellen Luchsfallen aus Deutschland wieder eingefangen werden.
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Nach Tagung einer zoo-internen Expertenkommission am Vormittag ist nun auch klar, wie das Tier fliehen konnte: Im Elektrodraht des Geheges befand sich kein Strom.

Luchs erschrocken

Der rund 14 Kilo schwere und 50 Zentimeter große Luchskater befindet sich erst seit 7. August im Salzburger Zoo und ist am Sonntag gegen 8.30 Uhr bei der Reinigung seines Geheges durch eine Tierpflegerin offenbar erschrocken und über den dreieinhalb Meter hohen Zaun des Geheges geklettert. Dann verkroch sich das eineinhalbjährige Tier im Dickicht auf dem Hellbrunner Berg.

Elektrodraht ohne Strom

Möglich machte die Flucht von “Vivious” ein Fehler im Sicherheitssystem: “In der Nacht von Samstag auf Sonntag gab es Sturm. Dabei brachen Äste von Bäumen und kamen im hinteren Teil des Geheges auf dem Elektrodraht zu liegen. Sie haben eine Erdung hergestellt, darum war kein Strom im Draht”, erklärte der deutsche Wildtierexperte und Leiter der Untersuchungskommission, Henning Wiesner, im APA Gespräch. “Der Luchs hat mit seinem guten Gehör gemerkt, dass kein Saft mehr fließt, das typische Knistern war weg. Darum konnte er den Zaun schließlich hinauflaufen und sich auf der anderen Seite runterfallen lassen.”

Wiesner, langjähriger Direktor des Münchner Zoos Hellabrunn (1980 bis 2009), sprach von einem dummen Zufall: “Allerdings war es ein Versäumnis, am Morgen nicht zu prüfen, ob Strom im Draht ist.” Zusätzlich werden die bisherigen Stromtaktgeräte am Gehege mit einem System ausgerüstet, dass sich bereits bei der Löwenanlage im Zoo bewährt hat: Bei einem Ausfall ergeht eine Mitteilung per SMS an den diensthabenden Tierpfleger.

Wiesner warnte auch vor einer Dramatisierung des Vorfalls. “Luchse sind harmlose Tiere, die nie einen Menschen oder ein Kind angreifen würden. Anderswo werden sie ausgewildert, um ihren Bestand wieder zu erhöhen.” Sollte die eineinhalb Jahr alte Raubkatze nicht mehr zurückkommen oder gefangen werden, “kann man nur hoffen, dass sie Anschluss zu anderen Luchs-Populationen findet”, so Wiesner. “Viel wahrscheinlicher ist leider aber, dass ihr Leben auf irgendeiner Autobahn endet.”

Keine Spur vom Luchs

Waren Montagfrüh noch 20 bis 25 mit Funkgeräten ausgestattete Helfer zur Suche nach der Raubkatze ausgerückt, wurde die Suchaktion später auf ein Minimum zurückgeschraubt: “Wir werden zwar weiter kontrollieren, ob der Luchs nicht irgendwo auftaucht. Aber wir brauchen jetzt einmal Ruhe und warten, bis die Fallen stehen”, so Wiesner. Aus dem Nationalpark Bayrischer Wald werden nun zwei Luchsfallen geliehen, die beim Fangen des Tiers helfen sollen und die wahrscheinlich am frühen Dienstagnachmittag einsatzbereit sind. “Wir legen dann Köder aus und hoffen, dass ihn der Hunger in die Falle treibt.”

Weitere Vorfälle im Zoo Salzburg

Der aktuelle Vorfall ist nicht der erste im Salzburger Zoo: Am 5. Juni rissen zwei weibliche Geparden aus, verließen das Tiergartengelände und marschierten Richtung Anif. Die Rufe der Mutter – und der Einsatz Dutzender Tierpfleger und Polizisten – hatten die beiden Ausreißer schließlich zur freiwilligen Rückkehr bewegt. Eines der beiden Tiere riss am 1. Juli neuerlich aus. Nach rund zehn Minuten konnte es wieder ins Gehege zurückgedrängt werden.

Justiz involviert

Der erste Ausbruch beschäftigt dabei auch die Justiz: “Es wird gegen die Zoodirektorin wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit ermittelt”, sagte am Montag die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Salzburg, Barbara Feichtinger, auf Anfrage der APA. Die Polizei hatte eine Materialermüdung eines Türschlosses zum Geparden-Gehege als wahrscheinliche Ursache für den Ausbruch angenommen. Die Zoo-Leitung geht aber davon aus, dass jemand die Raubkatzen befreit haben müsse. Vermutlich habe es sich um eine Mutprobe von Jugendlichen gehandelt.

Im Visier der Justiz ist auch noch ein entlassener Tiergarten-Mitarbeiter. Er soll Zoodirektorin Sabine Grebner bedroht haben. Die Ermittlungen diesbezüglich sind zwar eingestellt worden, beim Bezirksgericht Salzburg sei aber ein Verfahren gegen ihn wegen Sachbeschädigung anhängig, erläuterte die Staatsanwältin. Der Mann stehe im Verdacht, dass er das Auto von Grebner beschädigt habe. (APA)



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